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Flensburger Tageblatt

21. November 2017 | 03:45 Uhr

22 Stunden laufen gegen Krebs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum vierten „Lauf ins Leben“ gingen die Fördenixen, Feuerwehrleute und Gärtner mit Schubkarren an den Start

In Flensburg wohnen keine „Schnackers“, sondern „Mokers“, findet Professor Gieseler, Vorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft. Die 950 Läufer aus 37 Teams, die am Sonnabend beim vierten „Lauf ins Leben“ gestartet sind, geben ihm recht. Über 34  000 Euro an Spenden konnten durch den 22-stündigen Lauf um den TSB-Sportplatz im Norden der Stadt gesammelt werden.

Bunte Girlanden, eine ausgelassene Stimmung und verkleidete Läufer machen deutlich, dass die Veranstaltung eher als Fest denn als Wettbewerb verstanden wird. Hans-Hermann Otten, der als Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde Flensburg mit einer bunt bepflanzten Schubkarre eine Runde um den Sportplatz joggt, tritt mit einer vielseitigen Mannschaft an: „Vom Marathonläufer bis zum Fußgänger ist alles dabei.“ Im Team von Claudio Valerio, Inhaber der Kampfkunst-Akademie-Flensburg, treten Läufer von neun bis 58 Jahren an – mit dem Ziel, mindestens eine Stunde durchzuhalten.

Doch neben dem Laufspaß steht natürlich auch Aufklärungsarbeit im Fokus der Veranstaltung. „Krebs ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und Tabus sind immer auch mit Angst verbunden“, bemängelt Marina Adamus. Sie nutzte das Betroffenen-Frühstück mit rund 60 Teilnehmern, das vor dem Lauf ausgerichtet wurde, um sich auszutauschen und um anderen Ängste zu nehmen – auch die Scheu vor dem Umgang mit Krebspatienten. Gieseler, der selbst Onkologe ist, erklärt: „Wir brauchen keine traurige Betroffenheit – die moderne Technik ermöglicht den Patienten oft eine sehr gute Lebensqualität.“

Und nicht nur die moderne Technik, sondern auch Angebote wie sie in der Flensburger Krebsberatungsstelle gemacht werden, sind eine Hilfe: professionelle medizinische und psychologische Beratung, ein Fatigue-Workshop, ein Malkurs oder Kunsttherapie für Kinder von Betroffenen sind kostenlose Leistungen, die aus den Spendengeldern finanziert werden. Auf diese Weise werden Lücken im Gesundheitssystem gefüllt, also Angebote gemacht, die Krankenkassen nicht übernehmen oder bereitstellen. Die Hoffnung auf Genesung, die alle Krebspatienten und deren Angehörige eint, wurde während des gesamten Laufes immer wieder symbolisch aufgegriffen. So konnten an einen jungen Baum Postkarten mit Wünschen gehängt werden und die traditionelle Kerzenzeremonie erhellte mit unzähligen selbst gestalteten Lichtertüten die Nacht und die Strecke der Läufer – ein Lichtblick in dunklen Zeiten.

Der guten Stimmung in der Zeltburg auf dem Sportplatz tat der andauernde Regen jedoch keinen Abbruch. Von der Freiwilligen Feuerwehr über die Synchronschwimmer des TSB bis hin zum Malteser Krankenhaus St. Franziskus Hospital hatten sich die Teams gemütlich eingerichtet, grillten, ruhten aus oder erfreuten sich am bunten Bühnen-und Rahmenprogramm.

Petra Obermark und ihr Team hatten mit der Organisation der Veranstaltung bereits im Oktober begonnen und freuten sich, dass ihr umfangreiches ehrenamtliches Engagement Früchte trug.

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