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Flensburger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 20:12 Uhr

200 Kita-Plätze stehen auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Kita-Gipfel kritisieren Träger, dass normale Kindergartenplätze immer schlechter finanzierbar sind

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 16:22 Uhr

Der Paukenschlag kam kurz vor der Kaffeepause, als Gerd Nielsen der Kragen platzte: „Wir haben zwei Kitas, die können wir sanieren oder schließen“, teilte der Leiter des evangelischen Kindertagesstättenwerks den Gästen beim Flensburger Kita-Gipfel in Weiche mit. Was das bedeutet, ließ Nielsen nicht lange im Raum stehen: „Bei uns stehen 200 Kita-Plätze zur Disposition, wenn wir nicht die Gebäude retten können.“ Das Evangelische Kindertagesstättenwerk ist mit acht Kitas großer Kindergartenbetreiber in der Stadt. Die Situation sei dramatischer als viele glaubten. Wenn jetzt auch noch der Krankenstand steige, könne es sein, dass Gruppen geschlossen werden müssten.

Der Investitionsstau und hoher Krankenstand – nicht nur bei den evangelischen Kitas in der Stadt ist das ein großes Thema. Brigitte Handler vom Kita-Träger Adelby 1 berichtete von einer Krankenquote von 11,6 Prozent. Das Problem: Das Personal in den Kitas sei immer von den ersten Wellen von Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infektionen betroffen.

Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) hatte zuvor berichtet, dass seit 2008 landesweit 16 500 neue Krippenplätze in den Kitas entstanden seien und die Versorgungsquote im vergangenen Jahr um vier Prozentpunkte auf über 30 Prozent gestiegen sei. In Flensburg sind mittlerweile 725 von 2294 Kita-Plätzen für unter Dreijährige reserviert. Gerd Nielsen beklagte, dass es im Gegensatz zu den geförderten Krippenplätzen für unter Dreijährige für Plätze für ältere Kita-Kinder keine Möglichkeit der Refinanzierung mehr gebe. „Eine Kita ist schon geschlossen, weil sie baulich nicht mehr genutzt werden konnte“, erinnerte er an den Fall der ADS-Kita Sophiesminde.

Das sogenannte Flensburger Modell in den Kitas, also ein gleich hoher, abgemachter Preis in allen Einrichtungen, komme für die evangelischen Kitas einer Knebelung gleich. Das musste auch die Flensburger SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange einräumen, die zu dem Kita-Gipfel geladen hatte. Die Berechnungsgrundlage, die für alle Kitas in Flensburg seit 2007 gilt, stoße mit den aktuellen Erfordernissen an seine Grenzen. So sei zum Beispiel der Aufwand für Früh- und Spätbetreuung oder Investitionskosten in dem Finanzierungsmodell bislang nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie Qualitätsentwicklung und Gesundheitsmanagement. „Mit dem Flensburger Finanzierungsmodell sind wir landesweit Vorbild in Sachen Familienfreundlichkeit“, findet Simone Lange. „Das muss unser oberstes Ziel bleiben, und deshalb müssen wir auch die Kita-Finanzierung in Flensburg anpassen.“


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