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Jubiläum : 20 Jahre Wissenschaft in der Phänomenta

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Science-Center am Nordertor feiert Geburtstag mit einem Erlebniswochenende.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | „Ist hier jemand im Raum, der einen Herzschrittmacher hat?“, fragt Phänomenta-Chef Achim Englert. „Der sollte jetzt besser den Raum verlassen.“ Englert warnt zudem vor grellem Licht und sehr lautem Knattern. Eine Seniorin eilt daraufhin zur Tür und möchte ihre vier Enkel gern vor den Gefahren in Sicherheit bringen. Doch die wollen natürlich bleiben und das Blitz-Spektakel erleben. Es blitzt und knattert dann auch ordentlich, verletzt wird niemand.

Quelle des elektrischen Spektakels ist eine Tesla-Spule, die aus Steckdosenstrom Hochspannung erzeugt. Am Jubiläumswochenende vom 4. bis 6. September komme eine deutlich größere zum Einsatz, verspricht Englert – und das abends um 22.30 Uhr draußen vor dem Nordertor. Hier wurde vor 20 Jahren die Phänomenta feierlich eröffnet, womit eine Flensburger Erfolgsgeschichte begann, wie Englert unumwunden sagt. Im langjährigen Schnitt besuchen rund 70  000 Menschen pro Jahr Deutschlands erstes Science-Center hoch im Norden der Republik.

Die Idee, physikalische Phänomene und Gesetze einfach, verständlich und durch unmittelbares Erleben zu erklären, hatte Prof. Lutz Fiesser schon in den 80er Jahren; die ersten Exponate standen auf dem Flur der alten Pädagogischen Hochschule. Die Idee, sie in einem zentralen Gebäude der Stadt zu präsentieren und dafür Eintritt zu verlangen, stieß in Teilen der Kommunalpolitik anfangs auf Skepsis. Heute ist die Phänomenta die am besten besuchte Attraktion der Stadt, die Eintritt kostet – und das nicht zu knapp.

Ein kleines Wandstück im Hinterhaus an der Norderstraße erinnert an die Vorgeschichte des Gebäudeensembles. Junge Hausbesetzer hatten es in Beschlag genommen und weigerten sich zu gehen. Erst das Verhandlungsgeschick des damaligen Sanierungschefs Klaus Kottek, der mit dem Motorrad auf den Hof fuhr, ermöglichte eine „Umsiedlung“ an den Hafermarkt. Die Häuser waren in einem verheerenden Zustand, doch Anfang September 1995 wurde die Phänomenta tatsächlich mit einem großen Spektakel auf dem Nordertor-Platz eröffnet.

Zehn Jahre später kletterte die Besucherzahl auf nie wieder erreichte 85309. Tendenziell geht sie seitdem nach unten, lag im Supersommer 2013 auch schon mal knapp unter 60  000, wird aber in diesem Jahr voraussichtlich wieder 70  000 erreichen, so Englert. Gründe für den Rückgang gibt es viele: wachsende Konkurrenz anderer Angebote, z. B. Fun-Parks, weniger Zeit bei Jugendlichen durch Nachmittagsunterricht, hohe Eintrittsgelder, die aber sein müssen, um die Phänomenta zu finanzieren. Sie residiert zwar mietfrei in einem städtischen Gebäude, bekommt aber keine Bar-Zuschüsse. Wichtig sind projektbezogene Zuschüsse, wie zum Beispiel kürzlich von der Klaus-Tschira-Stiftung für die Ausstellung „Effekthascherei“.

Vom 4. bis 6. September wartet das Science-Center mit einem großen Programm auf: In einem Robotics-Workshop können fahrende Roboter am PC programmiert werden, bei „Science aus der Kiste“ werden Experimente zum Nachmachen vorgestellt, T-Shirts können bedruckt und Ballons zum Schweben gebracht werden, und beim Science Slam wird Wissenschaft frech und fetzig rüber gebracht.

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