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Im Flensburger Kompagnietor : 20 Jahre Krisen-Helfer in Europa

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das European Centre for Minority Issues ist seit 1996 überall dort aktiv, wo Minderheiten in ihren Rechten bedroht sind

Rund 250 Projekte, die Umsetzung vor Ort in 15 Ländern von Aserbaidschan bis zur Ukraine, 27 Gastforscher und 231 Praktikanten: Das ist ein Ausschnitt der Bilanz, die Tove Malloy gestern anlässlich des 20-jährigen Bestehens des European Centre for Minority Issues (ECMI) in Flensburg zog. Die Regierungen Schleswig-Holsteins, Deutschlands und Dänemarks hatten das Europäische Minderheitenzentrum 1996 gegründet. Bei der Feierstunde dankte die dänische Professorin, die seit 2009 Direktorin des ECMI ist, den Förderern und Unterstützern, blickte zurück und voraus. Das Budget, für das zu 53 Prozent die Gründerregierungen aufkommen, zu 47 Prozent Fördermittel, belief sich 2015 auf 1,7 Millionen Euro für sämtliche Aktivitäten. Für dieses Jahr werde es dank vier Zuschüssen deutlich übertroffen.

„Wir haben in diesem Gebäude begonnen“ mit ein paar Kollegen – und acht Außenstellen, sagte Tove Malloy im historischen Sitzungssaal im Flensburger Kompagnietor. Heute gebe es weitere Büros in Georgien und im Kosovo, zudem arbeite ein Kollege für das ECMI in Kiew. Europäisch im Namen stehe insbesondere für die Mitgliedstaaten des Europarats.

In Flensburg seien momentan 16 Kollegen tätig, unter anderem aus Bulgarien, Georgien, Litauen, Rumänien und Russland, zudem drei Berater. Man schätze sich glücklich, in die Region integriert worden zu sein, sagte Malloy und sprach im Namen des Instituts. Wenngleich noch immer nicht jeder Flensburger weiß, woran das internationale Kollegium im sehenswerten Kompagnietor täglich arbeitet, konnte die ECMI-Chefin die Verwurzelung belegen. Die 1956 in Odense geborene Malloy nannte Kooperationen mit lokalen und regionalen Bündnissen, die Summer schools, die Zusammenarbeit mit den Hochschulen diesseits und jenseits der Grenze, etwa beim Master in European Studies. „ECMI hat einen einmaligen Einfluss auf die Entwicklung im Kosovo“, sagte Adrian Zeqiri, der die beiden Vertretungen dort mit rund 25 Mitarbeitern leitet. Seit 2001 engagiert sich das ECMI im Kosovo unter anderem in der Gesetzgebung; es gilt seit 2008 im Land als die zentrale Nichtregierungsorganisation mit dem Schwerpunkt auf Minderheitenrechten. Bildung vor allem für Roma und die Sprachenpolitik beschrieb Zeqiri als wichtigste Themen in Pristina und Mitrovica.

Als nicht minder herausfordernd charakterisierte Alexander Osipov die Situation vor allem in der Ukraine, der sich der Historiker und Rechtswissenschaftler seit drei Jahren intensiv widmet. Jeder Vierte gehöre einer ethnischen Minderheit an, doch an Erfahrung mit Minderheitenrechten mangele es. Mit bislang 31 Seminaren bilde man Multiplikatoren vor Ort fort, in erster Linie zu den Themen Anti-Diskriminierung und Teilhabe.

Ein weiteres Projekt arbeitet seit einem halben Jahr daran, die gesellschaftliche Teilhabe der Roma in Ländern des westlichen Balkans zu verbessern – Schleswig-Holstein diene hier als Modell. Schließlich musste Tove Malloy Handlungsempfehlungen schuldig bleiben, in die das Forschungsvorhaben „Nationale Minderheiten und Brückenbauen“ mündet. Damit war das ECMI im Rahmen des deutschen Vorsitzes bei der OSZE in diesem Jahr betraut worden – und der aufschlussreiche Abschlussbericht wird erst am Freitag offiziell vorgestellt.

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