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Zeitumstellung : 18 000 Unterschriften gegen die Sommerzeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburgerin Inge Jensen (79) kämpft weiter gegen die Zeitumstellung.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Am Sonntagfrüh um drei Uhr ist es wieder soweit. Nach rund sieben Monaten werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Die Sommerzeit weicht der Winterzeit oder, wie sie die Gegner der alljährlichen Zeitumstellung nennen, der „Normalzeit“. Auf die Stunde mehr Schlaf, die wir am Sonntag genießen dürfen, wollen Aktivisten wie Inge Jensen (79) aus Flensburg freiwillig verzichten, sie denken schon weiter. Denn nach der Zeitumstellung ist für sie vor der Zeitumstellung: Ab 27. März 2016 gilt wieder die bei Jensen & Co ungeliebte Mitteleuropäische Sommerzeit (kurz MESZ). Bis dahin hat sich Inge Jensen noch einiges vorgenommen – wobei im Hause Jensen auf Jürgensby ohnehin keine Uhren umgestellt werden. Grundsätzlich nicht. „Mein größter Wunsch ist, die Unterschriften Frau Merkel persönlich zu übergeben“, sagt Inge Jensen. Innerhalb eines Jahres hat sie bereits rund 18  000 Unterschriften zusammengetragen.

Im Herbst 2014 war sie auf die Idee gekommen Unterschriften für einen Volksentscheid zu sammeln. Ihr Engagement ist so beharrlich, dass Kritiker die Aktion schon als „Oma Jensens letzten Willen“ bezeichneten, berichtet die Rentnerin: „Ich werde noch 120 Jahre alt, da bleibt noch Zeit für mehr als einen letzten Willen.“

Angefangen hat alles mit etwa 500 Leuten, die sie mit ihrer Unterschrift unterstützten, darunter viele Landwirte aus der Region mit Milchkühen, deren Melkzeiten sich nach Sonnenauf- und Untergang richten, auch Familien mit kleinen Kindern fallen die Wochen nach der Zeitumstellung vor allem im Frühjahr schwer. Ein Tageblatt-Bericht im Frühjahr brachte die Aktion ins Rollen. Die Petition wurde plötzlich im deutschsprachigen Raum bekannt, Hunderte Rücksendungen kamen sogar aus der Schweiz und Österreich. Der Blogger Martin Brotzler verbreitete das Formular zur Unterschriftensammlung auf seiner Internetseite und entlastete damit die Flensburger Rentnerin, die ihre Zettel bis dahin auf Anfrage per Post versendete. So brachte sie nach eigenen Angaben bis zu 60 Briefe täglich zur Post.

Der Berliner CDU-Politiker Karl von Freyhold von der CDU Berlin-Mitte initiierte ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. So kam es, dass Inge Jensen sich im Juli mit der Bahn auf den Weg nach Berlin machte, im Gepäck alle 18  000 gesammelten Unterschriften. Doch die Kanzlerin hatte dann doch keine Zeit. An ihrer Stelle nahm ihre Büroleiterin die Petition entgegen. Alle von Frau Jensen gesammelten sowie 55  000 weitere Unterschriften des Erlanger Arztes Hubertus Hilgers liegen nun dem Bundestag vor.

Gerade von einer Krankheit genesen, sammelt Inge Jensen schon weiter. Sie hat inzwischen 1000 neue Unterschriften beisammen: „Ich kämpfe weiter, ich gebe nicht auf!“ Anfang Dezember bietet sich auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe eine neue Gelegenheit, die Kanzlerin zu erreichen. Nach der Zeitumstellung ist bekanntlich vor der Zeitumstellung.


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