Bluttat in Flensburg : 17-Jährige erstochen: Tatverdächtiger ist abgelehnter Asylbewerber

Zwei Kriminalbeamte bringen den Tatverdächtigen (weißer Schutzanzug) zum Haftrichter in Flensburg.
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Zwei Kriminalbeamte bringen den Tatverdächtigen (weißer Schutzanzug) zum Haftrichter in Flensburg.

Laut Anwohnern hatte sich das Opfer zuletzt stark verändert. Sie trug Kopftuch und es gab harte Auseinandersetzungen.

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14. März 2018, 17:08 Uhr

Flensburg | Der gewaltsame Tod einer 17-Jährigen hat auch außerhalb von Flensburg für Entsetzen gesorgt. Wir haben die Fakten über den Fall zusammengestellt – doch es gibt auch Unklarheiten. Was wir bisher wissen und was nicht.

Die Tat

Ein 18-jähriger wird verdächtigt, eine 17-Jährige erstochen zu haben. Das Mädchen wurde am Montagabend mit schweren Stichverletzungen in der Wohnung gefunden. „Polizei und Rettungskräfte wurden gegen 18.35 Uhr in eine Wohnung gerufen. Dort befand sich eine 17-jährige Schwerverletzte mit mehreren schweren Stichwunden“, sagte Christian Kartheus, Sprecher der Polizei Flensburg.

Die Sanitäter versuchten noch, das Mädchen zu reanimieren – jedoch ohne Erfolg. Der 18-Jährige hatte die Sanitäter selbst alarmiert. Die Untersuchung des Tatorts hat einen Tatverdacht gegen den Afghanen ergeben. Derzeit sitzt der mutmaßliche Täter wegen Verdacht des Totschlags in Untersuchungshaft.

Das Opfer wurde am Dienstag in der Rechtsmedizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel obduziert. Diese Untersuchung ergab, dass die Verletzungen des Opfers für Fremdeinwirkung sprechen.

Der Tatort

Die Tat geschah in einem vor wenigen Jahren neu erbauen Mehrfamilienhaus an der Straße Zur Exe, das von 25 Mietern bewohnt wird. Die Bewohner hatten das Gebäude erst im Oktober 2016 bezogen. Die getötete Mieterin war auch zu diesem Zeitpunkt eingezogen. Ihre Wohnung befindet sich im 2. Stock.

Die Identität

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan, der offenbar als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland kam. „Der 18-Jährige lebte seit 2015 in Deutschland“, sagte die Leitende Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Mittwoch. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden, die Entscheidung aber nicht rechtskräftig. „Das Verfahren läuft noch.“

Das Motiv

Warum die 17-Jährige erstochen wurde, ist noch unklar. Auch zum aktuellen Stand der Ermittlungen und zum genauen Ablauf der Tat hat die Polizei bisher keine Angaben gemacht. Lediglich, dass ein Gegenstand sichergestellt wurde, bei dem es sich um die Tatwaffe handeln könnte, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Hintergründe

Ob die beiden ein Paar waren, ist Gegenstand der derzeitigen Ermittlungen. „Man konnte denken, sie lebten zusammen“, berichtet zumindest eine Nachbarin. Sie sei der jungen Frau öfter im Korridor begegnet, zum Beispiel dann, wenn sie frühmorgens mit einem schultaschenähnlichen Rucksack das Haus verlassen habe. „Sie war nett, freundlich, aber immer kurz angebunden. Wenn man die beiden gemeinsam erlebte, haben sie sich eher unauffällig verhalten.“

Als das Mädchen den jungen Afghanen kennenlernte, so berichten Anwohner, habe sie begonnen, ein Kopftuch zu tragen. „Es gab häufig Streit, den man durch die dünnen Wände deutlich vernehmen konnte“, sagt eine Nachbarin. Die junge Frau sei seitdem immer zurückhaltender geworden.

„Es hat lautstarke Auseinandersetzungen gegeben, auch körperlich sind die beiden aneinandergeraten“, sagt ein anderer Mieter, der nicht genannt werden will. Die 17-Jährige soll sogar Anzeigen erstattet haben. Vor einiger Zeit habe sie die Haustür weit aufgerissen und um Hilfe geschrien. Wenig später habe der Mann mit einer blutenden Kopfwunde am Boden gelegen. „Es sah schlimm aus, der Rettungswagen musste kommen.“

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