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Flensburger Johannis-Club : 150 Jahre Pflege der Geselligkeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaufleute und Hausbesitzer aus dem ältesten Viertel der Stadt gründeten 1866 den Verein

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 15:48 Uhr

Am Wochenende wird gefeiert: Die Mitglieder des Johannis-Clubs Flensburg treffen sich am Sonnabend, 10. Dezember, um auf das 150-jährige Bestehen ihres Vereins anzustoßen. Damit gehört dieser Verein, dessen Ziel die Förderung der Geselligkeit ist, zu den Oldtimern der städtischen Vereinsszene. Vielen Flensburgern sind noch die rauschenden Karnevalsfeste der „Johanniter“ in Erinnerung. Die Vorsitzende Silke Lorenzen schildert die Clubgeschichte:

Vor 150 Jahren trafen sich in regelmäßigen Abständen die Kaufleute und Hausbesitzer aus der St. Johannis-Kirchengemeinde, um das Geschäftsleben und die Wirtschaftslage zu besprechen. Treffpunkt war „Thomsen’s Gasthof“, der spätere „Schwarze Walfisch“. Die Herren beschlossen, aus dieser Runde einen Club zu gründen, der die Geselligkeit fördern sollte.


Klub damals noch mit K


So entstand am 6. Dezember 1866 der St. Johannis Klub (Klub damals noch mit K geschrieben). 21 Herren gehörten ihm an. An ihrer Spitze der 1. Direktor I.P. Schmook, ein Kaufmann, Vizedirektor war Schlachtermeister H.H. Tiede. So wurde der Grundstein gelegt für eine lange Tradition.


Mitgliedschaft nicht ohne Bürgen


In den Kreis der Johanniter konnte man nur aufgenommen werden, wenn man in der Johannis-Gemeinde geboren war. Die Aufnahme wurde vorerst auf 80, später auf 100 Personen beschränkt und galt nur für männliche Mitglieder. Wer Mitglied werden wollte, musste zwei Bürgen stellen, musste volljährig und unbescholten sein und durfte keinen staatsfeindlichen Tendenzen huldigen. In einer Mitgliederversammlung wurde über die Aufnahme entschieden, durch das Ballotieren (weiße und schwarze Kugeln). Jeder musste seine Zustimmung (weiß) oder Ablehnung (schwarz) geheim in einer Kiste ablegen. Bei einer Dreiviertel-Mehrheit an weißen Kugeln wurde die Mitgliedschaft bestätigt und der Herr in der nächsten Versammlung vorgestellt. Neuzugänge mussten manches Mal ein Jahr warten, bis sie an einem Fest teilnehmen durften. Die Mitgliederzahl wuchs um 1900 auf 200 Mitglieder.

Der Höhepunkt der Mitgliederzahl wurde 1926 mit 490 registriert. Zwei Jahre Geduld waren nötig, um aufgenommen zu werden. Die Vorstellung der „Neuen“ auf den Festen musste damals ausfallen – es fehlte an Platz. Silke Lorenzen erklärt sich diesen Boom so: In der Krisen- und Notzeit gab es für wenig Geld gutes Essen und Amüsement.

Bis in die Neuzeit konnte dieses Niveau nicht gehalten werden. Silke Lorenzen: „Jetzt, im Jahr 2016, mit rund 175 zahlenden Mitgliedschaften, sind wir zufrieden.“ Seit 1999 sind die Damen mit von der Partie. „Einige Herren mussten sich erst mit der neuen Situation anfreunden, denn seit der Gründung war dies nicht möglich.“ Die Statuten wurden umgeschrieben, beschlossen in der Jahreshauptversammlung im Januar 1999. „Wir sind kein eingetragener Verein und haben es mit den Satzungsänderungen etwas leichter.“ Seitdem haben die Frauen ein Mitspracherecht, können allein oder mit ihren Partnern eintreten und sich wählen lassen. Die erste Frau, die dies wahrnahm, ist später auch in den Vorstand gewählt worden. Die Zeit der zwei Bürgen und auch das Ballotieren sind lange vorbei.


Rauschende Feste


Die ersten Feste wurden im „Schwarzen Walfisch“ gefeiert, später im „Angler Hof“. Zu den monatlichen Versammlungen trafen sich die Johanniter im Vereinslokal, die Feste wurden dann im Bellevue gefeiert (dort steht heute der Anbau des Alten Gymnasiums). Beim ersten großen Stiftungsfest in den neuen Räumen zogen die Gäste mit einem Marsch ein. Keiner kam vorher in den festlich, nach einem Motto geschmückten Raum. Ein Prolog eröffnete das Fest, gelesen von einer unverheirateten jungen Dame. Gesangsdarbietungen, Tanzvorführungen, Reden und ein Konzert gehörten zum Programm. Ein Festessen wurde serviert. Der Eintrittspreis von 1,50 bis 2,00 Mark beinhaltete sogar ein Glas Wein.


Feiern in der Harmonie


Nach dem Abriss des Bellevue zog der Club in die „Harmonie“ an der Toosbüystraße. Hier war reichlich Platz, auch für größere Feste. Die Festräume wurden mit viel Fantasie geschmückt. So hatten die Johanniter einmal die Kulisse einer Reise auf einem Ozeandampfer, mit Mannschaft, Kapitän, Musik und Dinner. Ein anderes Fest wurde auf einem Marktplatz gefeiert, mit einem großen Brunnen, der tatsächlich funktionierte, und einer Stadt aus Pappmaché als Kulisse. Als das Thema Sommerfrische anstand, wurde mit einem Fuder Strandsand dekoriert, mit Badenixen und Strandkörben.


Johanniter-Karneval


Die größten Feste der Johanniter erlebte allerdings das „Deutsche Haus“: Karneval, in der Spitzenzeit des Johannis-Clubs. In allen Räumen wurde gefeiert. Die Älteren im großen Saal, die Jugend im blauen Saal, Kinderkarneval im Keller. Manche Feste dauerten zwei Tage. Der Schlachtruf der Flensburger Narren war natürlich maritim: Nicht etwa „Flensburg Alaaf“, sondern „Flensburg Ahoi!“


Umzüge durch die Straßen



Spektakulär waren die Kinderfeste. Mit Kapelle und Blütenbogen wurde ein großer Umzug durch die Stadt veranstaltet. 200 Kinder der Johanniter zogen durch die Straßen. Der Umzug endete auf einem Schulhof mit spielerischen Wettkämpfen, Kaffee und Kuchen und natürlich mit Musik.

Die Anfänge der Vereinsgeschichte wurden noch in einer Chronik in Buchform festgehalten. Später kam der Umstieg auf einen Karteikasten. Der Computer ist heute ein unentbehrlicher Helfer geworden für Statistik und Mitgliederführung. Und dann gibt es noch einen Schatz: Etliche Dokumente aus der Vereinsgeschichte zog Silke Lorenzen aus dem muffigen Keller des Deutschen Hauses: herrlich bunte, nostalgische Plakate, die für die Ankündigung früherer Feste gestaltet wurden, liebevoll entworfene Einladungskarten. Nur zu besonderen Gelegenheiten werden diese Dokumente aus der Schutzhülle gezogen und entfaltet.

Alte „Zöpfe“ wurden in der jüngeren Vereinsgeschichte abgeschnitten. Die Mitgliedschaft nur für Herren ist über Bord geworfen worden – Silke Lorenzen führt heute den Verein – und auch der Wohnort im Johannisviertel ist heute nicht mehr Voraussetzung für eine Mitgliedschaft.

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