Flensburger Sommerball : 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Rauschender Ball mit besonderen Gästen

Sabine Sütterlin-Waack mit Begleitung.
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Sabine Sütterlin-Waack mit Begleitung.

Das Flensburger Tageblatt feiert seinen 150. Geburtstag in der Werfthalle der Robbe & Berking-Classics

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04. Juli 2015, 23:00 Uhr

Jörg Jará sitzt Backstage und liest Zeitung. „Die Zeit!“ Ist das die Möglichkeit? „Das Flensburger Tageblatt hat mir niemand gegeben“, erklärt er freundlich und ergänzt: „Ich bin mit dem Tageblatt groß geworden.“ Das sagt der gebürtige Flensburger, der jetzt bei Kiel lebt. Schon in seiner Schulzeit am Alten Gymnasium sei er mit Zauberei aufgetreten, erzählt der 55-Jährige. Und schon damals wünschte er sich auf der Bühne eine Puppe, die das ganze Geschehen kommentieren würde.

Die hat der Bauchredner oder auch Ventriloquist, wie sein Berufsstand heißt, nun zuhauf. Olga, so sagt Jará, der als Hans Jörg Pütz geboren wurde, sei seine längste Begleitung. Mit ihr wurde er Profi. Zuvor hat er Volkswirtschaft und Psychologie in Kiel studiert und sich das Studium mit Auftritten finanziert. Heute kann er nicht nur aus dem Bauch heraus reden, sondern ist zertifizierter Transaktionsanalytiker für Beratung, gefragter Berater und Coach für Themen wie „Konstruktiver Umgang mit Lampenfieber“. Das könne er nur jedem empfehlen; „ich war eigentlich schüchtern“. Doch man müsse nur die Scheu überwinden und auf die Bühne gehen.

Eine enge Verbindung zu Flensburg hat auch Sabine Kaack. Sie führt durch das Programm beim Sommerball. Man darf die Schauspielerin, die in Nortorf zur Welt kam, wohl getrost als Überfliegerin betrachten. Denn mit 17 war sie die jüngste Studentin im Sommersemester in Hamburg und hatte mit 19 Jahren ihr Schauspiel-Diplom in der Tasche. Zum Glück, denn wäre der Versuch schief gegangen, hätte sie sich in der Stadtkasse von Nortorf in die Lehre begeben.

Nach Theater, Hörspielen, Synchronisierungen und weiteren Engagements gelang ihr mit der Rolle der Marion bei den „Drombuschs“ der Durchbruch zum Serienstar. Film-, Fernseh- und Theaterengagements folgten, preisgekrönte sowieso. Nicht nur die Flensburger werden wissen, dass Sabine Kaack seit 2007 die Hauptrolle in der ZDF-Abendserie „Da kommt Kalle“ spielt. In der Familienserie um den putzigen Parson Russell Terrier löst Kalle gemeinsam mit Frauchen Pia, die Chefin der Flensburger Polizei ist, Kriminalfälle.

Sie hat sich für den heutigen Abend vorgenommen, im Eindruck der Sommerhitze das Publikum kurzweilig und flott zu unterhalten. Und begrüßt die rund 400 Gäste mit ihrem plattdeutschen Lied „Sommertied“. Das passt. Sie engagiere sich dafür, das Plattdeutsche „wieder unter die Leute zu bringen“. Seit anderthalb Jahren lebe sie wieder in Schleswig-Holstein – kaum zu glauben, in Nortorf. Ja, sagt Sabine Kaack, wenn man so viele Jahre pausenlos unterwegs war, dann sei es „heilsam“, runterzukommen, anzukommen. Sie schwärmt für die Luft, die Natur ihrer Heimat, erinnert sich gern an die Ausflüge, die sie in der Kindheit mit ihren Eltern gemacht hat, ganz klassisch wie Butterfahrten zu den Ochseninseln. Kaack kennt das alles, Flensburg, die Förde und weiß genau, was sie am Tag nach dem Sommerball macht: „Ich werde baden gehen.“

Während sie entspannt und gelassen plaudert vor der großen Show, ist Joja Wendt, sportlich in blauer Bermuda und grünem Polo-Shirt, nochmal hinaus gehuscht. Er wird am Bechstein-Flügel so unterhaltsame wie virtuose Musik spielen. Sänger wie Inga Rumpf oder Abi Wallenstein haben Joja Wendt damals im Hamburger Sperl an die Hand genommen. „Das Sperl ist an jenen Tagen das Zentrum der Hamburger Blues-Szene gewesen. Da trafen sich alle, und ich lernte viel, weil ich überall mitspielen durfte.“ Wendt studierte Klavier in Hilversum und New York und brachte 1991 sein erstes Album heraus. Jerry Lee Lewis und Chuck Berry sind die nächsten großen Künstler, mit denen er auftritt. So geht das weiter. Längst füllt er weltweit die großen Konzertsäle, ist Magnet von Festivals – und beeindruckt ebenso am Bechstein in der schmucken Ball-Atmosphäre der Werft.

Nach Smalltalk, Begrüßungssekt und Fotos wird das Programm mit einem Kurzfilm über das Flensburger Tageblatt eingeläutet. Die riesige Leinwand stürzt auf die Bühne – und gibt den Blick auf die Moderatorin frei. Axel Gleie, Sprecher der sh:z-Geschäftsführung, heißt das Ball-Publikum willkommen und zitiert aus der ersten Ausgabe vom 15. Juni 1865. „15 Grad war die höchste Temperatur an jenem Tag.“ Seit Beginn des Jahres berichtet das Tageblatt drei Mal pro Woche aus jedem einzelnen der 150 Jahre, die seitdem vergangen sind. Gleie empfahl die Lektüre der von Tageblatt-Urgestein Gerhard Nowc konzipierten Serie. Er dankte Oliver Berking für die Überlassung der Halle „mit dem wunderschönen Ambiente“ – spontaner Applaus der Gäste. Dank gab es ebenfalls für die Sponsoren Klaus & Co., SBV, Schulenburg und Nospa.

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