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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 15:50 Uhr

Heiligabend : 15 Jahre mit Rute und Rauschebart

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wolfgang Petersen hat 15 Jahre lang den roten Mantel und Mütze angezogen. Er hat mit Rauschebart und gefülltem Sack allerhand erlebt.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 13:00 Uhr

„Wenn man die Kinderaugen sieht, wie die strahlen können, das Staunen, wenn ich aus dem goldenen Buch vorlese, das war schon Klasse“, erinnert sich Wolfgang Petersen. 15 Jahre lang hat der Flensburger alljährlich den roten Mantel, die schwarzen Stiefel, die rote lange Mütze angezogen, ist mit weißem Rauschebart, gefülltem Sack, Rute und goldenem Buch zu Familien gegangen, um Kinder zu beschenken, zu loben, zu ermahnen und schöne alte Weihnachtslieder zu singen. Den roten Mantel hat er an den Haken gehängt. Heute leitet er den AOK-Kundenservice in Flensburg. Doch mit spürbarer Wärme denkt der heute 49-Jährige, mit seiner Größe von 1,86 Metern der ideale Weihnachtsmann, zurück: „Ich habe tolle Geschichten erlebt!“

Petersen nahm die Aufgabe ernst, führte Gespräche mit den Eltern, organisierte die geheimen Geschenkübergaben. Lustig war ein kesser Sechsjähriger, der, die Arme in die Hüfte gestützt, sagte: „Also Weihnachtsmann, das musst du mir mal erzählen, wir haben keinen Schnee, und ich sehe auch keinen Schlitten. Wie bist du hierher gekommen?“ Ein sechsjähriges Mädchen habe ihm vertrauensvoll ihren Schnuller gegeben.

Richtig nett hat Petersen den Einsatz im dänischen Pattburg in Erinnerung, noch zur Zeit der Grenzkontrollen. In rotem Mantel und Mütze („Allerdings ohne Bart, da hätte ich nicht genug gesehen“) hielt er den dänischen Kontrolleuren statt Pass einen Schokoladenweihnachtsmann hin – und bekam freie Fahrt: „Bei der Rückfahrt haben sie sich bei mir bedankt.“ Witzig und skurril sei es einmal in Mürwik gewesen: „Ich parkte, und plötzlich parkten um mich noch zwei weitere Weihnachtsmänner“, erzählt Petersen. Gleichzeitig seien drei lachende, sich freundlich zuwinkende Weihnachtsmänner in drei Nachbarshäusern verschwunden.

Ein Besuch galt nur Erwachsenen, mit Lob und Ermahnung aus dem allwissenden Buch, musikalischen Darbietungen auf verschiedenen Instrumenten für den guten Mann. Auch eine türkische Großfamilie hatte Petersen engagiert, ermöglichte ihren Kindern so die im Kindergarten erfahrene Tradition. Leise hätten die Eltern um Regieanweisungen gebeten: „Und was passiert jetzt?“ Ein reichlich bepunschtes Elternpaar habe den Besuch des Weihnachtsmannes vergessen. Dieser Einsatz dauerte besonders lang, denn die drei Kinder mussten erst wieder geweckt werden. „Am Harrisleer Kreuz durfte ich auch schon mal von Balkon zu Balkon klettern, zum Glück nicht im obersten Stockwerk“, erzählt Petersen. Noch heute sieht er die großen Kinderaugen vor sich, als er an die Balkontür klopfte.

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