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Rumregatta Flensburg 2017 : 131 Gaffelsegler sorgen für Rekord

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum die 38. Rumregatta nicht nur bei den Crews, sondern auch bei den Flensburgern längst Kult ist.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2017 | 04:26 Uhr

Flensburg | Für landseitige Laien besagt die Klassifizierung nach A, B, C sowie J (wie Jugend) oder W (wie Wikinger) nicht viel; auch „Drivkvasen“ und „Sjekten“ klingen kryptisch. „Smakkejollen“, „Schleikähne“ und „Plattbodenschiffe“ sorgen schon eher für Erhellung. Und mit Namen wie „Aurora von Altona“, „Mavrodaphne“ oder „Dolle Dora“ kommt Vielversprechendes hinzu – die Flensburgern und ihre Besucher haben die 38. Rumregatta zu einem klangvoll-maritimen Erlebnis gemacht. Und zwar mit einer Rekordbeteiligung: 131 Schiffe hatten sich beim Museumshafen angemeldet.

Ein stattlicher Teilnehmer war die „Activ“, ein Brahmsegelschoner mit drei Masten. 1952 wurde er in der dänischen Traditionswerft Ring Andersen in Svendborg als letztes dänisches Frachtschiff in Holz gebaut und war ursprünglich als Motor-Galeasse für die Grönlandfahrt geriggt. An der Rumregatta nahm sie bei bestem Sommerwetter teil. „Eine wunderbar sonnenleichte Windregatta“, sagt Eigner Volkwin Marg aus Hamburg. Angesagt seien zwei, drei Windstärken aus Süd-Ost gewesen, die aber auch mal ausblieben. Die Rumregatta-Flotte sei auf die Wendetonne zugetrieben, ab und an von einer kleinen Brise beschleunigt, die auf der Rückfahrt stetiger nach Ost aufdrehte. Die Schiffe mussten auf beiden Strecken nicht kreuzen. Trotz des schwachen „halben Windes“ war die Flotte relativ schnell wieder zurück im Hafen, die ersten Schiffe bereits nach gut zwei Stunden.

Die „Activ“ auf der Flensburger Förde.
Die „Activ“ auf der Flensburger Förde. Foto: Gerrit Hencke

An Bord der „Activ“ unter Skipper Jonas Bergsoe hatten sich zahlreiche Segelfans engagiert, ihre Leidenschaft für segelnde Gebrauchsfahrzeuge statt für ‚Lustschiffe‘ gelebt. „Es ist aber eine Last, die wir gerne auf uns nehmen“, betont Volkwin Marg. Sein Brahmsegelschoner habe bereits mehrfach teilgenommen, auch schon mal eine Buddel Rum gewonnen. Flensburgs Segelevent sei einzigartig, ein Fest mit großer maritimer Tradition.

 

Das dürften die auch anderen Crews so empfunden haben (sicherlich um die 1000 Mitglieder stark), nicht zuletzt wegen des hochsommerlichen Wetters. Entsprechend ausgelassen verlief die „Preisvergeudung“ vom Heck des Motorschiffs „Gesine“. Mit launigen Sprüchen nahm Laudator Jochen Baas die Crews auf die Schippe und verteilte kuriose Hauptpreise wie Bügelbretter, Heizstrahler („für die Segel“), Tischkicker, Tennisschläger oder ein Kindertöpfchen – alles für die „Sieger“.

Preisvergeuder Jochen Baas mit der Flüstertüte.
Preisvergeuder Jochen Baas mit der Flüstertüte. Foto: fischer
 

Das mag obskur wirken, die Flensburger kennen das aber schon. Die Rumregatta ist nicht ohne für die Crews: Die wahre Belohnung erhalten nämlich die Zweitplatzierten in Form von Dreiliter-Flaschen des extra zusammengestellten Regatta-Rums. „Das Grundproblem ist ja, wie vermeide ich den ersten Platz, ohne Letzter zu werden“, sagt Jochen Baas, der mit charmant holländischem Sprachklang moderierte.

Glückwunsch, Zweiter: Martin Schulz (li.) übergibt die begehrte Drei-Liter-Flasche.
Glückwunsch, Zweiter: Martin Schulz (li.) übergibt die begehrte Drei-Liter-Flasche. Foto: Foto: rf
 

Die Party ging danach erst richtig los – mit der öffentlichen Probe des „Gaffelorchesters“ im Festzelt. Auch das ein populäres Ritual, bei dem sich die musizierenden Begleiter der Rumregatta nicht ganz ernst, dafür das begeisterte Publikum (mit)nehmen in die Welt nicht nur maritimer Folklore.

Auch das Landprogramm hielt viele Attraktionen bereit – bewusst dezent und in eher leisen Tönen. Neben dem nahrhaften Gaffelmarkt waren dies mehrere Gruppen von Straßenmusikanten, die seit langem zum angenehmen Inventar der Rumregatta gehören: Zum einen die Flower Power-Band „Rock die Straße“ aus Hamburg mit handgemachten Rock-Pop-Klassikern, zum anderen „Parelmoer“ (Perlmutt), eine Gruppe buntgekleideter Herren im Best-Ager-Alter, die mit Geige, Gitarre und guter Folklore für Stimmung sorgen – von sensibel bis rustikal.

Start der Rumregatta in der Bucht von Wassersleben.

Start der Rumregatta in der Bucht von Wassersleben.

Foto: Gerrit Hencke

Und was machte sonst die 38. Rumregatta des Museumshafens aus, die seeseitig unfallfrei verlief? Jede Menge Rum natürlich, per Ausschank, aber auch in Form von Rumkuchen und -kugeln vom Schifffahrtsmuseum, in dem auch eine Rumprobe stattfand. Außerdem der jedes Mal extra aufgelegte Regatta-Rum, dieses Jahr mit 38 Volumenprozent, den es nur in kleinen Mengen gibt. Atmosphärisch passend zum Thema Traditionssegler auch der obligate Seiler sowie ein Schmied auf dem Bohlwerk. Das Sommerwetter lockte zudem Tausende Besucher an, die für lange Schlangen an Getränkeständen oder dem letzten Fischbrötchenstand vor der Grenze sorgten. Stark frequentiert war zudem Flensburgs wohl längste Sitzbank in Mastform auf dem Bohlwerk mit bestem Wasserblick. Eher untypisch für Flensburg erfreuten sich außerdem schattige Plätzchen großer Beliebtheit.

Die Mytilus vom Verein zur Erhaltung und Nutzung eines historischen Segelschiffes
für Pfadfindergruppen.
Die Mytilus vom Verein zur Erhaltung und Nutzung eines historischen Segelschiffes für Pfadfindergruppen. Foto: Gerrit Hencke
 

Vom Thema Rum war auch die Familie Johannsen aus Flensburg angetan (nicht verwandt mit dem gleichnamigen Hersteller). „Wir waren ‚gefühlt‘ schon immer auf der Rumregatta dabei, vielleicht schon seit Anbeginn. Da muss man als Flensburger unbedingt hin“, sagen Marit und Holger Johannsen. Die Regatta sei ein Stück Stadtgeschichte mit besonderem Flair, auf der man mit anderen Flensburgern auch gut ins Gespräch kommen könne. Und Sohn Lennart, extra aus Kiel angereist, ergänzt: „Für mich ist sie einfach Kult!“

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