Busunfall : 130000 Euro: Ein teurer Sturz in Linie 3

Markus R. am Zob: Hier begann die Fahrt mit der Linie 3, die wenig später mit einem teuren Sturz endete. Foto: Gunnar Dommasch
Markus R. am Zob: Hier begann die Fahrt mit der Linie 3, die wenig später mit einem teuren Sturz endete. Foto: Gunnar Dommasch

Wer zahlt für einen Rollstuhl-Unfall in der Linie 3? Der 34-jährige Marcus R. wurde beim Aussteigen mit teuren Folgen eingeklemmt. Es geht um mindestens 130000 Euro.

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22. Oktober 2009, 11:43 Uhr

Flensburg | Der 21. August 2003 war ein dunkler Tag für Marcus R. Ein Moment dieses Tages hat sich eingebrannt, und eine Uhr steht für immer auf 8.34 Uhr. Das war der Augenblick, als ihm ein Arzt im Uniklinikum Eppendorf eröffnete, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist. Zu diesem Zeitpunkt studierte der Leutnant an der Bundeswehr-Hochschule Maschinenbau. Das Tor zur Zukunft stand, wie man so schön sagt, weit offen - bis zu diesem dunklen Tag.

Am 19. September 2009 war Marcus R. durch einen Schub der tückischen Krankheit an den Rollstuhl gebunden. 11.26 Uhr an diesem Tag war so ein weiterer Moment in seinem Leben, den er lieber nicht erlebt hätte. Da hielt die Linie 3 der Aktiv Bus in der Bismarckstraße an der Theaterschule. Marcus R., auf dem Weg zu seiner Physiotherapeutin, hatte den für Rollstuhlfahrer vorgesehenen Signalknopf gedrückt. 30 Sekunden später saß er draußen auf der Straße - und sein Rollstuhl klemmte in der Tür. "Ich war aufgestanden, wie ich es immer mache, und wollte den Rollstuhl nach mir aus dem Bus ziehen", sagt R. "Doch plötzlich schloss sich die Tür, und der Rollstuhl hing fest." Er hatte nicht seinen besten Tag, an jenem 19.: Marcus R. ging in einem Schwächeanfall zu Boden, konnte nur verfolgen, wie die Tür nochmals aufging und der Rollstuhl herausfiel. Der Bus aber fuhr weg.
Vierstündige Operation erwartet Marcus R.
Vielleicht ein Fall von "dumm gelaufen", doch als Problem erwies sich der Sturz auf den Hosenboden. Denn eben dort ist ein sehr, sehr teures Stück Hochtechnologie implantiert: der "Sakrale Neuromodulator", ein Chip, der die bei MS-Erkrankten häufig gestörte Blasenfunktion steuert. Für R. ein unbezahlbares Stück Lebensqualität und Autonomie. 130 000 Euro kostet das Gerät - und es schien Schaden genommen zu haben. Marcus R. muss sich um die Kosten keine Sorgen machen. Ihm reicht es, dass er deswegen wieder unters Messer muss. In der Diako erwartet ihn eine mindestens vierstündige Operation, in der das Gerät freigelegt, untersucht und gegebenenfalls ausgetauscht wird. Für die Kosten von geschätzten 130 000 Euro springt seine Kasse ein - aber Marcus R. ist wichtig, den Beweis zu führen, dass er am 17. September nichts verkehrt gemacht hat. Es geht um die Schuldfrage, mithin um den, der die Zeche zahlt. Die Aktiv-Bus gibt sich kooperativ. "Wir wollen uns da gar nicht aus der Verantwortung stehlen", sagt Sachbearbeiter Helge Jörs. "Wir bräuchten allerdings noch einige Informationen." Das Problem ist: Der Fahrer jener Tour erinnert sich an keinen Rollstuhlunfall. Und Marcus R., sagt Jörs, habe noch keine Zeugen benannt.

Das stimmt und ist momentan auch die größte Sorge des Rollstuhlfahrers. Seither sucht er verzweifelt eine junge Frau mit einer kleinen Tochter, mit der er bereits am 2. September im Zug nach Hamburg fuhr. "Ich weiß den Namen nicht. Ich habe sie zufällig im Bus wiedergetroffen, und mein Rollstuhl stand direkt neben der Kinderkarre. Sie muss es gesehen haben." Diese Frau ist für ihn eine wichtige Zeugin. Kontaktperson ist Rechtsanwalt Markus Sawade in der Angelburger Straße.

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