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Baugeschäft Höft : 125 Jahre Bauen für Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Gründung aus der Kaiserzeit: Das traditionsreiche Baugeschäft Höft feiert morgen einen seltenen Geburtstag

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 10:58 Uhr

Es gibt wenige Unternehmen, die in den vergangenen 125 Jahren so sehr am Gesicht der Stadt mitgebaut haben wie das Flensburger Bauunternehmen Höft. Bereits in der Frühphase zeichnet Unternehmensgründer Hermann Höft, vierter Sohn einer holsteinischen Bauernfamilie, mit seinem 1892 eröffneten Baugeschäft für zahlreiche repräsentative Bauwerke in der Stadt verantwortlich – die Schokoladenfabrik Munketoft (1895), das Textilhaus Mau + Andresen am Holm (1905), die St. Petri-Kirche in der Neustadt (1908) oder das dritte Bauteil des kaiserlichen Post- und Telegrafenamtes an der Rathausstraße. Zuvor hatte Höft, ein gelernter Maurer und Absolvent der Baugewerbeschule Eckernförde, sechs Jahre lang bei der königlichen Baupolizei gearbeitet, dem heutigen Bauordnungsamt. Der erste Firmensitz am Südergraben 37 war zugleich Wohnhaus der Familie.

Mit den ersten wichtigen Bauprojekten war der Grundstein für das wachsende Baugeschäft gelegt, berichtet der Urenkel des Gründers, Hermann Höft: „Schon nach wenigen Jahren gab es 100 Mitarbeiter. Damals brauchte man am Bau noch mehr Menschen.“

Es war im Jahr 1901, als die erste Generation des Baugeschäfts aus allen Nähten platzte und die Firma in einen Neubau an der Reitbahn 15a umzog. Hier sollte der Firmensitz zwei Weltkriege überdauern und für ein Dreivieteljahrhundert bleiben. Auch am Deutschen Haus hat die Firma Höft in den Zwanziger Jahren mitgebaut.

Seit 1984 ist Hermann Höft als vierte Generation im Unternehmen. Da hatte sein Vater Kurt bereits die Dependance auf Sylt gegründet – und mit dem Langberger Weg 19 im Flensburger Westen 1976 einen verkehrsgünstigen neuen Standort gefunden. „1968 gingen wir mit Kunden nach Sylt, als in Flensburg wenig zu tun war, und sind dann dort hängen geblieben.“ Heute beschäftigt das Doppelunternehmen an beiden Standorten zusammen rund 150 Mitarbeiter, darunter 15 Azubis. Seitdem die Fachhochschule in Eckernförde geschlossen hat, ist es schwieriger geworden, Bauingenieure nach Flensburg zu holen: „In Eckernförde wusste man noch, wie schön es hier ist“, sagt Höft. Am heutigen Hochschulstandort Lübeck schiele man eher nach Hamburg.

Seine Verbundenheit zum Flensburger Hochschul-Campus zeigt sich im Uni-Erweiterungsbau, den Höft 2010 in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) baute und der heute unter dem Namen „Helsinki“ die Lehrerbildung der Europa-Universität beherbergt. Es war die Zeit, als Flensburg noch um seine Wirtschaftswissenschaften kämpfen musste.

Die ganz überwiegend treue Belegschaft der Firma führt Höft auf ein gutes Betriebsklima und relativ viele soziale Leistungen zurück – von der Physiotherapie bis zu Kita-Plätzen, die das Baugeschäft für Mitarbeiterkinder bezahlt. Auch Entlassungen im Winter gehörten längst der Vergangenheit an: „Das lösen wir über Zeitkonten und arbeiten im Sommer, wenn die Arbeit da ist“, sagt Hermann Höft.

Mittlerweile ist auch die fünfte Generation im Betrieb. Wirtschaftsingenieurin Hanna Höft-Pfeiffer, älteste von drei Geschwistern, wollte 2009 zunächst nur ins Unternehmen hineinschnuppern. Mittlerweile ist sie für das Controlling zuständig und verantwortet gemeinsam mit dem Vater komplexe Bauvorhaben wie das Hotel Hafen Flensburg, wo man es mit Hangwasser, Altlasten und Ausgrabungen zu tun hatte. Auch die jüngeren Brüder Henrik und Hans Henning arbeiten heute im Familienbetrieb.

Fragt man Hermann Höft nach seinem Lieblingsprojekt, muss er nicht lange nachdenken. Es ist kein Gewerbebau wie die Holmpassage oder der ungewöhnliche Wiederaufbau des Schuhhauses Peetz in den 80ern. Noch vor dem Hafenhotel und der Roten Laterne, die heute die Flüchtlingshilfe beherbergt, denkt er an das mutige Projekt Walzenmühle als wichtigen Impuls für die Neustadtentwicklung. Höft, der hier mit Partner Sven Olsen investiert hatte, gibt freimütig zu: „Das konnten wir am Anfang gar nicht überblicken.“

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