1143 Schlafgäste in Luftschutzbunkern

Geschickte Flieger auf der Roten Liste: Fledermäusen geht in Deutschland der Lebensraum aus. Deshalb sind Winterquartiere wie in Kropp besonders wichtig. Foto: dpa
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Geschickte Flieger auf der Roten Liste: Fledermäusen geht in Deutschland der Lebensraum aus. Deshalb sind Winterquartiere wie in Kropp besonders wichtig. Foto: dpa

Wisentpark Kropp ist bereits das drittgrößte Winterquartier für Fledermäuse in Schleswig-Holstein / Zahl der Tiere wächst stetig weiter

shz.de von
06. März 2012, 06:38 Uhr

Kropp | Acht Menschen durchstreifen das Gelände. Bewaffnet mit Taschenlampen und Spiegeln machen sie sich auf die Suche - nach Fledermäusen. "Jedes Jahr werden die Bestände an Fledermäusen in Schleswig-Holstein erfasst", erklärt Matthias Göttsche, Landesbeauftragter für Fledermausschutz in Schleswig-Holstein. Im "Wisentpark Kropp" mit großem Erfolg. Seit Jahren steigen dort die Zahlen der Wintergäste. Das ehemalige Bundeswehr-Munitionsdepot mit seinen 51 ehemaligen Bunkern, die zum Teil inzwischen für Fledermäuse als Quartier freigegeben wurden, ist inzwischen landesweit auf Rang drei der Liste der Überwinterungsplätze für die fliegenden Säugetiere vorgerückt.

Der Verein Weidelandschaften engagiert sich in Kropp im von ihm getragenen Wisentpark seit 2009 intensiv für den Erhalt von Fledermäusen. Denn der Verlust des Lebensraumes macht es den nachtaktiven Fledertieren schwer. 17 der in Deutschland bekannten Arten werden in den Gefährdungskategorien der bundesweiten Roten Liste geführt.

Auch deshalb werden die Fledermäuse in Kropp gezählt, und es wird genau notiert, wo wie viele Fledermäusen welcher Art ihren Winterschlaf verbringen.

Matthias Göttsche schiebt seinen Spiegel unter einen Hohlblockstein an der Wand: "Eine Wasserfledermaus, Hohlblock", sagt er, damit schnell notiert werden kann. Dann leuchtet er eine durchsichtige Plastikplatte ("Lichtplatte") an: "Zwei Fransen, Lichtplatte". Teilweise hängen die Tiere auch einfach schlafend an der Bunkerwand. Göttsche diktiert: "Ein braunes Langohr." Der Fachmann erklärt den Unterschied der Fledermausarten: "Wasserfledermäuse haben einen weißen Bauch, braune Langohren ein langes, anliegendes Ohr."

Und so ziehen die Zähler von Bunker zu Bunker durch den Wald, strahlen jedes mögliche Versteck an, um herauszufinden, wie viele Fledermäuse im Park überwintern. Plötzlich bewegt sich etwas im Dunkeln, schnell sucht jemand mit seiner Taschenlampe den finsteren Raum ab. Eine Fledermaus ist aktiv und fliegt einige Runden durch den unterirdischen Luftschutzbunker. "Es ist ganz normal für Fledermäuse, immer mal wieder wach zu sein", erklärt Göttsche.

Die Gruppe betritt einen der größeren Hochbunker. "Hier ist es aber zu trocken", erläutert Volker Kubisch. Fledermäuse brauchen ein feuchtes, frostfreies Umfeld, damit sie in Ruhe überwintern können, erklärt Kubisch. Die empfindlichen Flughäute dürfen nicht austrocknen. Tatsächlich ist in diesem Bunker keine einzige Fledermaus zu finden, im Gegensatz zu den Luftschutzbunkern, wo die Wassertropfen in den Lichtplatten klar sichtbar sind. "Wir haben überall Löcher in die Decken gebohrt, damit Feuchtigkeit durchdringen kann", erklärt Göttsche. Das scheint in fast allen Quartieren gut anzukommen bei den Fledermäusen: Der Hochbunker bleibt der einzige unbewohnte, in allen anderen finden sich mal mehr, mal weniger Winterbewohner.

"Insgesamt haben wir 1143 Fledermäuse gefunden, 22 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr", sagt Hildegard Widowski vom Verein Weidelandschaften. In der Winterzählung 2009/2010 waren es noch 618 Tiere. Die Wasserfledermaus sei weiterhin die häufigste der insgesamt sechs gefundenen Arten: 829 Exemplare konnten gezählt werden. Ebenfalls häufig anzutreffen: die Fransenfledermaus.

Nur der Brauereikeller in Schleswig mit etwa 2500 Tieren und die Kalkberghöhlen in Bad Segeberg mit mehr als 20 000 Tieren beherbergen im Land mehr Wintergäste als der Wisentpark.

www.weidelandschaften.de.

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