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Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge : 1000 Plätze auf dem Campus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohnprojekte-Tag im Audimax: Innenminister Stefan Studt präzisiert Zahlen für die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 10:49 Uhr

Flensburg | Vor wenigen Jahren, als erstmals über die Projekte Freiland-Flensburg und Holzhochhäuser an der Eckenerstraße nachgedacht wurde, war Stadtplanung in Flensburg eine relativ entspannte Sache. Beide galten als ambitionierte Bauherrenprojekte, die abseits der großen Wohnwirtschaft als nachbarschaftlich geplantes Wohnen konzipiert waren. Üblicherweise werden derlei Vorhaben in die Referenzmappe alternativer Bauherrenmodelle aufgenommen und am Sonnabend, auf dem Flensburger Wohnprojekte-Tag, sollten sie im Mittelpunkt stehen. Doch die Weltgeschichte drückte sie an den Rand. Im Zentrum aller Überlegungen vom künftigen Wohnen stehen 60  000 Menschen, die in diesem Jahr nach Schleswig-Holstein strömen. Einige hundert Flensburger nutzten den Tag für Vorträge und Informationen. Neben dem Innenminister waren die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange und Planungschef Peter Schroeders zu Gast und als Redner angekündigt. Oberbürgermeister Simon Faber hatte überraschend kurzfristig abgesagt.

Anders Fonager Christensen, der für die conplan GmbH eingeladen hatte, rückte den Projekttag in den historischen Rahmen. „Angesichts der Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, ist dies hier sicher luxuriös – wenn es um die Qualität von Wohnungen geht.“ Christensen, der Optimist, stellte beide Vorhaben in den Dienst der Zukunft. „Wir wissen auch, die Krise ist irgendwann vorbei. Und dann wollen wir gut miteinander leben.“

Dieses Ziel wird nur mit genossenschaftlichen Mitteln, nur mit Bauherrengemeinschaften kaum zu lösen sein. Das betonten zwei andere Redner an diesem Tag. Innen- und Bauminister Stefan Studt und Peter Schroeders, Chef der Flensburger Stadtplanung. Beide gehen davon aus, dass in den größeren Städten der schon jetzt spürbare Druck auf bezahlbaren Wohnraum noch steigen wird. Schroeders zitierte Berechnungen, die für Flensburg einen Zusatzbedarf von 5000 Wohnungen im Jahr 2025 prognostizieren – und zwar ohne Zuwanderung. Schroeders stimmte das Audimax-Auditorium daher auf erhebliche Anstrengungen besonders im Bau öffentlich geförderter Wohnungen ein. Dabei warnte er eindringlich davor, zum Massenwohnungsbau der 70-er Jahre zurückzukehren. Gleichwohl konnte Flensburgs Planungschef nicht ausschließen, dass große Lose des sozialen Wohnungsbaus im Randbereich der Stadt realisiert werden müssten.

Wovor Stefan Studt wiederum warnte. Integration könne nur von innen gelingen – nicht von außen, sonst drohe Gettoisierung. Studt kündigte eine Überarbeitung der Landesbauordnung an. „Genehmigungsverfahren dauern normal bis drei Jahre, das können wir uns nicht mehr leisten“, meinte er. „Das muss künftig auch in zwei bis drei Monaten möglich sein.“ Studt kündigte zusätzlich eine Aufstockung der Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau an. „Die jetzt eingestellten 380 Millionen Euro werden nicht reichen. Wir wollen in einem Vier-Jahres-Programm 5000 Wohnungen ansteuern.“ Auf Anfrage erklärte Studt, dass Flensburg auch nach dem Ausstieg privater Träger erste Wahl für eine vom Land gebaute Erstaufnahmeeinrichtung ist. Zeitdruck bestehe nicht, da Eggebek relativ schnell verfügbar sein werde. Das Land hatte mit der diffusen Ankündigung, die Kapazität der Flensburger Erstaufnahme zu erweitern, für Irritation gesorgt. Am Sonnabend präzisierte der Innenminister wenigstens etwas. Die Planungsgröße liege jetzt bei 750 bis 1000 Plätzen.

Studt stellt sich auf eine lange Strecke ein. „Es ist nicht erkennbar, dass es jemanden in der Krisenregion gibt, der die Ordnung wieder herstellt.“ Daran ändere auch alles Lamentieren aus Bayern nichts. „Wo diese Menschen herkommen, gibt es einfach keine Heimat mehr. Mein Respekt gilt der Kanzlerin die unbeeindruckt ihren Kurs steuert.“ Ein langer Weg also, für alle. Studt: „Unser Land wird sich ändern. Dies hier ist kein 100-Meter-Lauf. Kein Marathonlauf. Das wird ein Lebenslauf.“

 

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