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Grundhof : 100 Jahre Freud und Leid in Angeln

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Asmus Petersen erforschte fünf Jahre lang die Geschichte seiner Vorfahren – daraus entstand ein zweibändiges Werk.

Grundhof | Der eine hatte die Idee, der andere die Zeit, sie umzusetzen. Fünf Jahre arbeitete Asmus Petersen aus Flensburg-Weiche an der „Familiengeschichte in Geschichten aus fünf Generationen Karstens/Petersen 1861-1961“. Jetzt liegen zwei dicke Bände mit jeweils mehr als 300 Seiten Familiengeschichte vor.

Die Idee entstand bei einem Familientreffen der Nachkommen von Asmus Hans Heinrich Petersen, erster Eigentümer des Gutes Lundsgaard in Grundhof mit diesem Namen, mit etwa 80 Verwandten im Grundhof-Krug. Zu dem beim damaligen 150-Jahr-Jubiläum herausgegebenen Bildband hatte Asmus Petersen ein kurzes Vorwort geschrieben. Sein Vetter Asmus Sören, Seniorchef des auf dem Gut ansässigen Saatzuchtunternehmens, meinte, das sei ausbaufähig. Petersen nahm sich die Worte zu Herzen – und machte sich ans Werk.

Aus dem zunächst angedachten Zeitraum von sechs Monaten wurden fünf Jahre. Mit dem Fortgang der Arbeit, die vornehmlich im Winter stattfand, wuchs bei Asmus Petersen das Interesse. „Mit jeder ausgewerteten Urkunde ergaben sich nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch neue Fragen. Mein Forscherehrgeiz war geweckt.“

Im Band I geht es zunächst um Henning August Karstens (1805-1882). Als Lehrer, Küster und Organist in Grundhof wohnte er mit seiner Familie in einer kleinen Kate, zu der 3,9 Hektar Ackerland gehörte. Ausführlich schildert der Autor die kärglichen Lebensumstände. Sie lassen es umso erstaunlicher erscheinen, dass Karstens 1861 das in unmittelbarer Nähe gelegene frühere adlige Gut Lundsgaard mit dem 1779 erbauten Herrenhaus pachtete. Dessen Sohn Wilhelm Nikolaus Karstens kaufte 1871 das Anwesen.

Der neue Eigentümer hatte drei Töchter. Die mittlere, Amalie Friederike, war die Erbin und heiratete 1908 Asmus Heinrich Hans Petersen, der den heutigen Saatzuchtbetrieb gründete. Sohn Peter Hartwig baute das Unternehmen unter dem Namen „P.H. Petersen“ weiter aus.

Die Besonderheit des Werkes liegt zum einen darin, dass alle wiedergegebenen Urkunden, angefangen mit dem Pachtvertrag von 1861 und dem Kaufvertrag von 1871, als Originale im Familienarchiv vorliegen. Zum Teil sind die Verträge von Hand in Sütterlin-Schrift verfasst, die der 72-jährige Autor in der Schule noch erlernt hat. In den Bänden sind sie auch in lateinischer Schrift wiedergegeben.

Zum zweiten erlauben die umfangreichen Schilderungen der jeweiligen Lebensumstände, Bewirtschaftungsmethoden und politischen Umbrüche gute Einblicke in den sozialen und strukturellen Wandel auf dem Lande. Für die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges stützte sich der Autor im Wesentlichen auf die vorhandenen Dokumente.„Für die Zeit danach bis 1961, dem 100-Jahr-Jubiläum, nutzte ich selbst erlebte und damit authentische Schilderungen älterer Familienmitglieder.“ Allgemeine Themen sind Tierzucht, Umstellungen in der Bewirtschaftungsmethode und zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft. Hinzu kommt eine große Vielfalt an Berichten, bei denen es um das tägliche Leben, die Arbeit, Festtagsbräuche aber auch um Pferde und Autos geht.

So wird vom Großvater des Autors berichtet, wie er bei einer rasanten Kutschfahrt 1920 einen entgegenkommenden Trupp Soldaten am Stadtrand von Flensburg dazu zwang, sich durch einen schnellen Sprung in den Straßengraben zu retten. Jahrzehnte später, altersbedingt häufig bettlägerig, freute es ihn, wenn die Enkel sich erboten, seinen großen schwarzen Opel Kapitän zu waschen. Dies geschah allerdings nicht uneigennützig, denn nach Aushändigung des Schlüssels unternahmen sie ohne sein Wissen ausgiebige Spritzfahrten.

Autor Asmus Petersen hat darauf verzichtet, auf die Jahrhunderte alte Geschichte von Lundsgaard einzugehen. Dazu gebe es ausführliche andere Werke, meint er. Die beiden vorgelegten Bände hat er mit jeweils 90 Exemplaren im Selbstverlag herausgebracht. Vielfältige Unterstützung beim Erschließen von Quellen erhielt vom Grundhofer Kirchspielchronisten Karl-Heinz Carstensen.

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