10 000 Exponate direkt am Wasser

Joachim Czech vor dem Bild des Flensburger Künstlers Rolf Oskar Michelmann. Foto: haefke
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Joachim Czech vor dem Bild des Flensburger Künstlers Rolf Oskar Michelmann. Foto: haefke

Das Wehrgeschichtliche Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik ist in der früheren Kommandeursvilla untergebracht

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28. Juni 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Es ist nicht so,dass das aktuelle Wetter den Impuls zur Tageblatt-Sommerserie gab: Als Stadt an der Förde, Stadt der Brunnen und Bäche ist das Element Wasser in Flensburg seit jeher präsent. In der neuen Sommerserie nähert sich die Stadtredaktion dem Wasser aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten - einmal rund um die Uhr. Heute: die Marineschule Mürwik.

Morgens um neun herrscht auf dem Gelände der Marineschule Mürwik bereits seit Stunden reger Betrieb. Es wird gearbeitet und die zukünftigen Vorgesetzten der 280 neuen Soldaten der Crew VII/2013, die ab Montag ausgebildet werden sollen, erhalten letzte Einweisungen. Unter den neuen Rekruten werden 60 Frauen sein - und Offizieranwärter aus Frankreich, Benin, Libanon, Algerien, Senegal, Djibouti, Angola und Thailand.

Direkt am Wasser liegen die Bootshäuser. Sie sind allerdings leer. "Hier ist im Moment nicht viel los. Die Boote liegen draußen im Hafen. Im Winter werden sie hier für den Sommer instand gesetzt", erklärt Pressestabsoffizier Tim Gabrys.

Ab 9.30 Uhr kommen immer mehr Lastwagen und Autos auf das Gelände gefahren. Auch Joachim Czech ist bereits anwesend. Seit knapp zwei Stunden geht der Archivassistent im Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum am Wasser bereits seiner Arbeit nach. Das Zentrum dient nicht allein als Ausbildungsstätte. Es soll auch historisches Wissen über die Marine vermitteln. Das gilt nicht nur für die Auszubildenden an der Förde. Die Sammlung ist dienstags zwischen 14 und 19 Uhr und an Tagen der offenen Tür auch für interessierte Bürger geöffnet. Heute nimmt er sich Zeit, uns die Villa zu zeigen und zu erzählen, was seine Arbeit ausmacht.

Ausgestellt werden verschiedenste Uniformen, außerdem Exponate über die deutsche Bundesflotte, die beiden Weltkriege und aktuelle Geschehnisse. Mit Medaillen, Schiffsmodellen, Wappen, Gemälden, Zeichnungen, Dokumenten und Fotografien wird den Besuchern die Geschichte der Marine näher gebracht. Schwierig ist es, Ausstellungsstücke aus der aktuellen Marinegeschichte zu bekommen. Darum ist in einigen Fällen der Flensburger Maler Rolf Oskar Michelmann beauftragt worden, aktuelle Geschehnisse umzusetzen. Ein Bild über einen Einsatz am Horn von Afrika hat er 2010 gemalt. In den vorangegangenen Jahren waren dort Marinesoldaten im Einsatz, um immer wieder Schiffe daraufhin zu kontrollieren, ob es sich um Fischerboote oder Piratenschiffe handelt. Der Mittelteil entstand nach der Vorlage eines Fotos, und um das Geschehen deutlicher zu machen, ergänzte Michelmann im Hintergrund die Fregatte der Marine und ein gefährdetes Handelsschiff.

Untergebracht sind die Ausstellungsstücke in der alten Kommandeursvilla auf dem Gelände der Marineschule. Als das Gebäude vor gut 100 Jahren entstand, wohnte auf den 850m² zunächst die Kommandeursfamilie mit ihren Angestellten. Nachdem das Gebäude zuletzt 27 Jahre leer stand, wurde es komplett restauriert. Heute haben die Offizieranwärter in der Villa die Möglichkeit, die Geschichte der Marine sehr anschaulich vermittelt zu bekommen. "Der ehemalige Speiseraum ist nun Unterrichtsraum, mit modernster Technik ausgestattet", erzählt Czech.

Die Ausstellung ist in dieser Form einzigartig. Zwar gibt es noch weitere Ausstellungen in beispielsweise Wilhelmshaven, doch die mehr als 10 000 Exponate in Mürwik, die zum großen Teil aus kleinen Stücken wie Medaillen, Fotos, Dokumenten und Bildern bestehen, sind in ihrer Anzahl herausragend. Dabei wird in der Villa lediglich knapp ein Drittel des vorhandenen Materials ausgestellt. "Wir haben noch 250 Quadratmeter Lagerfläche im Hauptgebäude", berichtet Czech.

Während seiner Zeit in der Ausbildungsstätte hat Czech schon viel Spannendes erlebt. "Einmal stand eine Frau aus Chile vor dem Tor. Ihr Vater war auf dem Kreuzer "Dresden", der vor Chile versenkt worden ist", sagt er. Die Besatzung des Schiffes war fünf Jahre in Chile interniert, und einige Männer sind dort geblieben. Czech zeigte ihr entsprechende Ausstellungsstücke. Dazu gehört auch ein Fotoalbum, dass die beiden zusammen ansahen. Auf einem der Bilder erkannte die Dame ihren Vater.

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