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03. März 2019, 15:07 Uhr

Waldkinder können zupacken. Große Bündel Birkenreisig werden angeschleppt und ringförmig platziert. Dann heißt es, alles schön runtertreten, bis ein riesiges Storchennest Form annimmt. „Wir sind zwar nur eingesprungen, haben uns aber über das schöne Naturprojekt gefreut“, sagt Meike Johannsen, Leiterin des „Kleinen Regenbogens“ in Schafflund, und Erzieherin Christina Jessen fügt hinzu: „Die Kinder bekommen ein Gefühl für die Tiere und erleben eine schöne Gruppengemeinschaft.“

Ursprünglich wollte Projektleiter Jörg Saß seine Idee, Nisthilfen für Störche zu bauen, mit dem Jugendclub realisieren, aber weder Kinder noch Jugendliche waren gekommen. Umso mehr freute er sich nun über die eifrigen kleinen Mitarbeiter der Waldgruppe. Seit etwa zehn Jahren gebe es zwei Masten mit Plattformen in Schafflund, einer davon am Utspann. Da habe er sich gefragt, warum sie niemand mit einem Reisigkranz bestücke, erzählt er. Michael Johannsen hat seinen Mast „Am Teich“ bereits 2007 aufgestellt: „Der Telegrafenmast stand früher zwischen Schafflund und Nordhackstedt, und das Rad obenauf hat Marc Sommer extra angefertigt.“ Obwohl er selbst bereits zweimal ein Nest befestigen ließ, habe nur einmal kurz ein Jungstorch vorbeigeschaut.

Als Jan-Frie Brodersen die Arbeitsbühne des Teleporters mit dem dicken Storchennest nach oben befördert, staunen die Kinder – und hoffen auf ein weiteres Storchenpaar, denn den berühmten „Rabauken“ aus dem „Storchennest“ kennen sie gut.

Jörg Heyna, Weißstorch-Gebietsbetreuer des Kreises, ist da eher skeptisch: „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass sie bezogen werden. Das Nahrungsangebot reicht einfach nicht aus.“ Eine Abwerbung des heimischen Storches sehe er aber nicht. Ein Storch würde niemals auf ein anderes Nest umziehen, erklärt er, er bleibe seinem Horst treu, und er verteidige letztlich nicht sein Nest, sondern das Nahrungsangebot. Sinnvoll fände er Aktivitäten Richtung Medelby oder Wallsbüll, aber grundsätzlich sei es mit der Wiederbesiedelung problematisch: „Nach Schafflund ist das nächste besetzte Nest erst in Tarp, die letzte Bastion in Holzacker ist auch seit Jahren verwaist.“ Doch über die Aktivitäten jeglicher Art freue er sich sehr: „Es ist schön, dass die Kinder angelernt werden, sich mit der Natur zu beschäftigen.“

Dass die Kinder beteiligt wurden, findet Dörte Weinand-Stielow, die von der Aktion überrascht wurde, ebenfalls richtig gut, sieht das Vorhaben jedoch kritisch im Hinblick auf ihre seit Jahrzehnten beheimateten Störche im „Storchennest“: „Es ist eine positive Aktion mit negativem Akzent. Der dominante „Rabauke“ muss sich um seine Brut kümmern und muss sich nicht mit Rivalen auseinandersetzen.“

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