Ein Artikel der Redaktion

Nach Jerusalem-Entscheidung Zwischenfall bei Anti-Trump-Demo in Flensburg

Von Gunnar Dommasch | 18.12.2017, 08:12 Uhr

Auf dem Nordermarkt ging ein Mann auf Demonstranten los. Kritik gab es an der Route des Protestzugs.

„Free Palestine!“ Die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen, haben am Sonnabend nicht nur in Großstädten wie Frankfurt oder Berlin, sondern auch in Flensburg ihren Widerhall gefunden.

Ein Demonstrationszug mit einer geschätzten Zahl von 120 (Polizeiangaben) bis 160 (Organisatoren) Teilnehmern führte ab 14 Uhr vom Nordertor bis zum Willy-Brandt-Platz. Bei einem Stopp auf dem Nordermarkt kam es zu einem Zwischenfall.

Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen und Polizeiangaben ging gegen 15 Uhr ein erzürnter Mann mit einem Stock auf die Menge los und schlug damit einen Jugendlichen. Zu seinem eigenen Schutz eskortierten zwei Beamte den Wüterich bis zu einem nahe liegenden Café und versuchten, ihn dort zu beruhigen.

„Es handelt sich um einen stadtbekannten Querulanten“, hieß es dazu aus der Leitstelle in Harrislee. Er werde sich wegen versuchter Körperverletzung verantworten müssen. Ansonsten habe es keine Zwischenfälle gegeben. „Die Stimmung war friedlich und überwiegend entspannt“, sagte ein Polizeisprecher gestern gegenüber dem Tageblatt. „Es waren viele Einzelpersonen, aber auch Familien mit Kindern dabei – alle sehr kooperativ. Geredet und gesungen wurde fast ausschließlich in arabischer Sprache.“

Angemeldet und organisiert hatte die Demonstration die 19-jährige Jenin El-Abd aus Flensburg. Sie hat eine deutsche Mutter und einen palästinensischen Vater. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus dessen Heimat, aber auch aus der Türkei, Afghanistan, Syrien, dem Jemen und Libanon – nur wenige Deutsche waren dabei.

„Wir wollten ein Zeichen setzen gegen die Trump-Pläne, die einen Konflikt mit der islamischen Welt heraufbeschwören und außerdem gegen die Siedlungspolitik der Israelis“, sagte Jenin El-Abd. „Das hat aber nichts mit Antisemitismus zu tun, wie uns einige vorwerfen.“ Zu dem Vorfall auf dem Nordermarkt sagte sie: „Im Internet kursieren die wildesten Gerüchte, wir wären auf den Mann los gegangen – dabei war es genau umgekehrt.“

Unter den Passanten herrschte Unverständnis darüber, dass die Polizei, die mit sechs Beamten im Einsatz war, den Zug nicht anders kanalisiert habe. So viele Menschen über den ohnehin an einem Adventssonnabend belebten Nordermarkt zu führen , sei verantwortungslos. „Dass es da zu Zwischenfällen kommt, lag in der Luft“, berichtet ein Augenzeuge. Man hätte, sagt er, die Menschen durch die Kompagniestraße auf den Willy-Brandt-Platz leiten können. „Schließlich gab es doch einige aufgehitzte Gemüter in der Menge!“