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glücksburg Zeitreise mit mystischem Finale

Von Anja Werner | 06.09.2010, 06:26 Uhr

Mystische Momente verzaubern zum Finale des Klosterfestes die vielen Besucher am Rand des in Nachtblau gehüllten Glücksburger Schlosssees.

Aus der Ferne ziehen lautlos bunte Lichter über das Wasser, spiegeln sich auf der glatten Oberfläche. Mittelalterliche Mönchsgesänge hallen über den See, lassen die Gedanken in die Vergangenheit wandern. Zu den Zisterziensermönchen, die vor 800 Jahren das Rudekloster bezogen, die Wildnis urbar machten und den Grundstein der Stadt Glücksburg legten.

Die Gebeine vieler Glaubensbrüder liegen bis heute auf dem Grund des Sees begraben. Die große Klosteranlage der tatkräftigen und trinkfesten Mönche scheint sich Sonnabend Abend für kurze Zeit nochmal aus dem Wasser zu erheben. Denn die vielen Lichter - mit Lampions geschmückte Paddelboote - formieren sich zum Grundriss des Rudeklosters. Die Lage der Anlage mit imposanter Basilika galt über Jahrhunderte als Geheimnis. Erst vor fünf Jahren konnten die Überreste des Klosters nach Ablassen des Wassers durch moderne Messtechnik gefunden werden - an einer ganz anderen Stelle, als Historiker sie vermuteten. Nach dem Prinzip "tabula rasa" ließ Herzog Johann der Jüngere die Anlage 1582 dem Erdboden gleichmachen, um aus ihren Steinen das heutige Wasserschloss zu bauen.

Geschichte zum Anfassen wird zum 800. Geburtstag von Stadt und Kloster bei bestem Wetter den ganzen Sonnabend über in Glücksburg geboten. Beim deutsch-dänischen Festgottesdienst am Morgen, beim Schlossempfang über Mittag. Vor allem aber beim großenUmzug durch die Stadt mit prächtigen Kostümen - und bei einer einzigartigen Bühnenaufführung am Nachmittag.

Bei dieser präsentieren 120 Glücksburger 800 Jahre Geschichte in nur einer Stunde, der jüngste Darsteller ist erst wenige Monate alt. Zunächst von den alten Mönchen - unter ihnen einige Stadtvertreter - über Herzog Johann, seine Frau Elisabeth und ihre 23 auf der Bühne tanzenden Kinder bis hin zur lebensfreudigen und wohltätigen Herzogin Anna Carolina, in deren blaues Gewand Hausherrin Prinzessin Elisabeth schlüpft. Weiter geht die Zeitreise mit dem "Schwiegervater Europas", König Christian IX., der seine Kinder in die Königshäuser von England, Hannover, Griechenland und die russische Zarenfamilie verheiratet. Stolze Tante der blaublütigen Sprösslinge ist die oft in Glücksburg weilende Kaiserin Auguste-Viktoria, dargestellt von Bürgermeisterin Dagmar Jonas - in einem bordeaux farbenen, eng geschnürtem Kleid, "das nur kleine Mahlzeiten zulässt", wie die Trägerin verrät.

Die Anfänge des Tourismus mit so bekannten Sommerfrischlern wie Thomas Mann und Klaus Groth, Rock-Oma Gerty Molzen und Reinhard Husen mit seinem zum Top-Event entwickelten "Ostseeman" über die Ironman-Distanzen bilden das Sahnehäubchen einer beeindruckenden, ehrenamtlichen Schauspiel-Komposition so vieler Glücksburger Bürger. "Authentisch und doch unterhaltsam", wie Historiker Dr. Rolf Glawischnig befindet, der das Projekt mit Sigrid Prey auf die Schlossbühne gebracht hat. Diese gesteht: "Die besten Ideen dazu sind mir nachts gekommen."