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Bahnhof Flensburg Tödliche Schüsse im Intercity: Weiterer Zeuge aufgetaucht

Von Gerrit Hencke | 06.06.2018, 18:20 Uhr

Im Innen- und Rechtsausschuss nennt die Staatsanwaltschaft neue Details. Die Polizistin hat noch nicht ausgesagt.

Im Innen- und Rechtsausschuss in Kiel haben am Mittwochnachmittag Staatsanwaltschaft und Landesregierung über die Vorkommnisse im Intercity am Flensburger Bahnhof berichtet. Claus Schaffer von der AfD-Fraktion beantragte die Aufnahme des Vorfalls in die Tagesordnung. Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter nannte im Ausschuss neue Details zu dem Vorfall. Demnach gibt es einen weiteren Zeugen, der Teile des Tatgeschehens beobachtet hat. Weitere Details nannte er nicht und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Noch immer unklar ist, ob die Polizistin, der 35-jährige Zeuge und das spätere Opfer im Vorfeld Kontakt zueinander hatten. Die Polizistin sei unmittelbar bei Verlassen des Zuges mit einem Küchenmesser von dem 24-jährigen Mann aus Eritrea angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Hilferufend sei sie daraufhin zurück in den Zug gelaufen. Der 24-Jährige verfolgte sie daraufhin und attackierte sie erneut. Der 35-jährige Kölner eilte ihr dann zu Hilfe. Er und der 24-jährige Täter gerieten dann in eine körperliche Auseinandersetzung, bei der der Kölner durch einen Messerstich verletzt wurde. Die Polizistin schoss im weiteren Verlauf im Gang zwischen den Abteilen zwei Mal auf den Angreifer. Der Eritreer wurde dabei tödlich verletzt.

Die 22-Jährige wurde nach der Tat professionell von Flensburger Polizeibeamten betreut, die zufällig über eine entsprechende Ausbildung verfügten. Auch dem 35-jährigen Kölner wurde das Angebot gemacht. Auch die Mutter der Beamtin wurde vor Ort psychologisch betreut.

Die Polizistin war auf dem Heimweg von ihrem Dienstort in Bremen nach Flensburg und mit Uniform und Dienstwaffe legal unterwegs. Die 22-Jährige hatte erst vor einem halben Jahr ihre Ausbildung beendet und ist bei der Bereitschaftspolizei.

Gegen die junge Beamtin wurde ein routinemäßiges Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie werde sich erst in den nächsten Tagen zu dem Vorfall äußern, sagte Zepter. Erst nach Abschluss der Ermittlungen könne beantwortet werden, ob die Polizistin aus Notwehr bzw. Nothilfe die tödlichen Schüsse abgab.

Auch über den Täter gibt es neue Details. Der 24-Jährige aus Eritrea, der 2015 nach Deutschland kam und über eine Aufenthaltserlaubnis verfügte, lebte zuletzt in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen). Dort gibt es Ermittlungen wegen einer verbalen und körperlichen Gewaltandrohung durch den 24-Jährigen.

Respektlosigkeit gegenüber Beamten nimmt zu

Zepter lobte den vorbildlichen Einsatz der Einsatzkräfte vor Ort, merkte aber auch an, dass das Geschehen noch keine Woche her ist und daher noch vieles unklar sei. Auf Nachfrage von Kai Dolgner (SPD) und Lars Harms (SSW), woher die unterschiedlichen Versionen des Tatablaufs in den Medien kommen, antwortete Zepter, dass dies unklar sei. „Es werden Dinge aufgeschnappt und darüber entwickeln sich Geschichten“, sagte Zepter. In der Medienberichterstattung gebe es fließende Prozesse. Jeder finde dort seine gewünschte Wahrheit. Man fokussiere sich auf das, was sich durch die Ermittlungen ergibt. Zunächst hatte auch shz.de nach unbestätigten Informationen berichtet, dass die Polizistin einen Streit zwischen dem 24-Jährigen und dem 35-Jährigen schlichten wollte. Dies stellte sich erst am Freitag nach einer Pressemitteilung der Polizei als falsch heraus.

Staatssekretär Torsten Geerdts lobte die Arbeit der Einsatzkräfte ebenfalls. Die Beamtin sei aufgrund ihrer Uniform Opfer eines heimtückischen Angriffs geworden. Er monierte die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Beamten. Ob es noch zumutbar ist, das Beamte in Uniform allein mit der Bahn fahren, wurde vor dem Ausschuss kontrovers diskutiert. Die Fahrten in Uniform sind generell gewünscht. Allerdings kam die Frage auf, ob alle Beamten für solche Situationen ausreichend ausgebildet sind.