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Flensburger Untergrund Stützstrümpfe für alte Abwasserleitungen

Von gdn | 19.01.2017, 07:00 Uhr

Das technische Betriebszentrum lässt baufällige Rohre im „Inliner-Verfahren“ instand setzen.

Hindernisse auf der Straße, gelbe Blinklichter, Männer in Schutzanzügen – Meter um Meter wird mit einem Spezialverfahren das städtische Abwassernetz instand gehalten. In der Mürwiker Straße sind die Arbeiten gerade abgeschlossen, doch die Kolonne ist in der ganzen Stadt aktiv. Immerhin werden Jahr für Jahr vier bis fünf Millionen Euro verbaut.

Bis zu einer Havarie im Abwassersystem – Einsturz oder Bruch einer Rohrleitung – will es das Technische Betriebszentrum (TBZ), zuständig für die Abwasserbeseitigung, auf keinen Fall ankommen lassen. Zuvor wird das Frühwarnsystem eingesetzt: Die Durchsicht der Rohrleitungen per Kamera. Liegt das Aufnahmematerial vor, hat ein Mitarbeiter stundenlang ein ziemlich einseitiges Fernsehprogramm vor Augen: Rohre, Rohre, Rohre  .  .  . dann und wann ein Riss, zur Abwechslung eine Ratte.

Liegen genügend Anzeichen dafür vor, dass eine Abwasserleitung nicht mehr in Bestform ist, kommt ein weiteres Team von Spezialisten zum Einsatz: Sie ziehen in das Abwasserrohr ein flexibles Glasfaser-Gewebe ein und passen es an die Röhre an: Inwendig wird eine Art Strumpf eingezogen. Das Gewebe wird mit einem Kunstharz eingestrichen, dass dem Konstrukt Härte und Stabilität verleiht. Die Fachleute sprechen vom „Inliner-Verfahren“.

Voraussetzung für diese Art Ausbesserung ist allerdings Trockenheit – nicht leicht herzustellen bei Dutzenden von Anliegern, die dann doch mal das schmutzige Wasser ins Rohrnetz schicken. Schließlich kann nicht eben eine große Rohrleitung in Gänze abgesperrt werden.

Die Fachleute behelfen sich mit einem besonderen Absperrverfahren: Zu Beginn des Rohr-Abschnittes, der repariert werden muss, wird ein Ballon aus schwerer Folie aufgeblasen. Er dichtet das Rohr ab, sodass kein Abwasser mehr fließen kann, sondern sich vor dem Ballon aufstaut. Daneben werden Tankwagen einer Flensburger Spezialfirma in Stellung gebracht. Durch die Schächte wird das Schmutzwasser in die Tankwagen gepumpt und zur Kläranlage gefahren. Nach Reparatur der Rohrleitung kann diese wieder freigegeben werden.

Ralf Leese, Pressesprecher des Technischen Betriebszentrums, sieht einen großen Voteil in der Anwendung des Inliner-Verfahrens. „Wir können darauf verzichten, die Rohre auszutauschen und dafür die Straße für längere Zeit aufzureißen.“

Der nächste Straßenzug, für den eine umfassende Rohrsanierung nach dem Inliner-Verfahren vorgesehen ist, ist die Route Ballastbrücke-Harnis-Kielseng. Das Technische Betriebszentrum bereitet jetzt die Ausschreibung vor, die Arbeiten sind für April vorgesehen.