Ein Artikel der Redaktion

Stiftungen in Flensburg Soforthilfe für einen Sonnenschein

Von wal | 09.01.2017, 06:00 Uhr

Familie Wölffel braucht größeres Fahrzeug mit Rampensystem für den schwerbehinderten Jeppe (4) und hat sich an Flensburger Stiftung gewandt

Jeppe mag’s am liebsten, wenn es laut ist. Wenn sich einer das Knie deftig am Tisch stößt oder jemand heftig in die Hände klatscht. Er selbst ist auch gern laut, lacht laut, ruft laut. Aber sobald der Song „This girl“ von Kungs erklingt, hört er andächtig zu. Jeppe ist vier Jahre alt und mehrfach behindert. Seine Mutter Anika Wölffel erklärt, dass er während der Geburt einen schweren Hirnschaden wegen Sauerstoffmangel erlitt. Epilepsie, Schlafstörungen und eingeschränkte Bewegungsfähigkeit sind einige der Folgen. Er wird über eine Peg-Sonde ernährt, für den Geschmack gibt es manchmal eine Löffelspitze Joghurt, erklärt Papa Björn Wölffel. Nachts ist ein Pflegedienst im Haus, falls sich Jeppe erbricht. „Aber er ist fröhlich und lacht viel“, fügt der Handwerker Wölffel hinzu. Und bei all dem Geben „kommt etwas wieder“.

Unter anderem diese Fröhlichkeit der Familie hat den Vorstand der Just-Hansen-Stiftung dazu bewogen, sich des Falls anzunehmen, obwohl er von ungekannter Dimension ist. „Die Familie Wölffel hat einen Antrag gestellt, der unsere Möglichkeiten übersteigt“, muss Berit Casper zugeben. Die Wölffels, sagt sie, brauchen „ganz dringend ein größeres Auto, wo sämtliche Hilfsmittel für Jeppe hineinpassen – und natürlich auch der Bruder Jonah“. Der Antrag sei daher auch Anlass, an die Öffentlichkeit zu gehen. Bislang habe die Flensburger Stiftung, die Kinder mit Behinderungen und deren Familien unterstützt, eher im Stillen gearbeitet, erklärt die Ergotherapeutin.

Berit Casper und ihre beiden Schwestern sind zu ihrem ehrenamtlichen Auftrag als Wächter über das Stiftungsvermögen „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen. Neben Casper bilden die Sonderschullehrerin Martina Morf und die Steuerfachangestellte Svenja Thomsen den Vorstand der Just-Hansen-Stiftung.

Benannt ist sie nach den Friseurmeistern Günther Just und Helmut Hansen, die „gut Geld“, aber „keine Erben“ hatten, berichtet Berit Casper. Der Kontakt zu den Schwestern kam über einen Onkel zustande. Abgesehen von den Zinsen, würden auch Mieteinnahmen aus einer untervermieteten Immobilie verteilt, erläutert Svenja Thomsen. Spenden kommen in erster Linie aus dem Familienumfeld, ergänzt Martina Morf.

Bisher haben die Stiftungsschwestern Hilfen zwischen jeweils 50 bis 1000 Euro geleistet. So haben sie in einem Fall Geld für Spezialnahrung ausgelegt, bis die Krankenkasse ein Einsehen hatte, Fahrtkosten für eine Freizeit und Reittherapie gezahlt, zählt Thomsen auf. Casper nennt eine Spezialmatratze und eine Kopplung für ein Fahrrad mit einem behindertengerechten Dreirad als Beispiele. „Wir brauchen jetzt 31  000 Euro“, bringt sie den Bedarf auf den Punkt.

Jeppe werde demnächst einen Rollstuhl bekommen mit fester Sitzeinheit, den man nicht mehr zusammenklappen kann, erklärt Björn Wölffel. In den Golf 6 passt „seine Karre stramm hinten rein“, dann aber nicht mehr, „die Einkäufe landen im Fußraum.“ Die Satruper Familie träumt von einem Caddy Maxi mit Rampensystem. Zur heilpädagogischen Kita gelangt Jeppe zum Glück mit dem Fahrdienst, alles andere sei „Organisationssache“. So nennt es Anika Wölffel. Sie wirkt bei aller Belastung unbeschwert, musste jedoch ihren Arbeit als Erzieherin schweren Herzens kündigen. Wenn sie Jonah zum Fußball bringt, hat die zierliche Frau allerhand zu heben und zu verstauen; wenn die Familie in den Urlaub fährt, wird ein Anhänger geliehen. Doch: „Es geht einfach nicht mehr.“ Jeppe will und soll natürlich überall hin mit. „Wir nehmen gern teil, haben einen großen und engen Familien- und Freundeskreis“, sagt Anika Wölffel und bezeichnet Jeppe als ihren Sonnenschein. „Das ist er“, bestätigt Jonah (7) ganz erwachsen, ergreift die Hand seines Bruders und strahlt.