Ein Artikel der Redaktion

Ärger in Flensburg Schöne Bescherung: Bahn fährt ohne Gäste

Von pop | 23.12.2014, 08:02 Uhr

Falsches Gleis, keine Anzeige, keine Durchsage: Passagiere warteten frustriert und wütend auf den Zug nach Hamburg.

Schöne Bescherung für rund 100 – zum Teil verhinderte – Bahnkunden. Es ist der 20. Dezember, der Sonnabend vor dem 4. Advent. Frühmorgens um kurz vor sieben warten an dem dunklen Gleis 5 des Flensburger Bahnhofs geschätzt 100 Reisewillige, die mit dem Regionalexpress um 7.02 Uhr in Richtung Hamburg fahren wollen. Es geht auf Familienbesuch irgendwo in Deutschland, in den weihnachtlichen Kurzurlaub oder auch nur zu einem Adventsbummel nach Hamburg oder Lübeck.

Nach Hamburg von Gleis 5? Genau, sonnabends und sonntags fährt dieser Zug ausnahmsweise von Gleis 5 und nicht, wie sonst üblich, von Gleis 2. So steht es im Fahrplan, so verkündet es an diesem Morgen auch die elektronische Anzeige am Gleis 5, wie der Flensburger Horst Otte berichtet, der an diesem Tag mit seiner Frau nach Lübeck fahren will.

6.56 Uhr, der Regionalexpress aus Kiel, der dann 7.03 Uhr wieder in die Landeshauptstadt zurück fahren soll, trifft nebenan auf Gleis 4 fahrplanmäßig ein. Von dem Regionalexpress nach Hamburg keine Spur, ebenso wenig von Bahnbediensteten, es gibt auch keine Ansage über Lautsprecher. 7.03 Uhr, der Regionalexpress nach Kiel fährt ab und hinterlässt eine nun doch zunehmend irritierte Menge an Menschen, die auf ihren Zug nach Hamburg warten. Weiterhin keine andere Anzeige, weiterhin keine Ansage. Langsam wird die Unruhe größer, ist man es als erfahrener Bahnfahrer doch gewohnt, dass pünktlich zur vorgesehenen Zeit stets die Ansage erfolgt, um wie viel Minuten sich der Zug verspätet. Ein Blick auf den Bahnsteig für Gleis 1 und 2 zeigt nur gähnende Leere. Endlich sickert dann eine Information durch: Der Zug nach Hamburg ist rechtzeitig abgefahren, allerdings von Gleis 2.

Später stellt sich heraus, dass einige der Wartenden den Zug noch gesehen haben, sofort die Treppe hinunter und zum nächsten Bahnsteig eilten, dort aber zu spät kamen: Der Zug war weg, ohne Passagiere.

Es beginnt ein hektisches und oft auch wütendes Telefonieren. Ersatzlösungen müssen her. Anschlusszüge, Anschlussbusse oder auch Flüge – alles in Gefahr, sehr wahrscheinlich weg und vergessen! Denn der Regionalexpress um 8.11 Uhr kommt nun einmal eine Stunde später in Hamburg an. Otte überlegt kurz und entscheidet sich, über Kiel nach Lübeck zu fahren. Dort sieht er dann allerdings von einer Weiterfahrt ab, weil der Zug voll von trinkfesten Fußballfans auf dem Weg nach Rostock ist.

Die Bahn hat noch keine wirklich befriedigende Erklärung für das Desaster am Sonnabendmorgen. Auf Anfrage konnte der Hamburger Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis nicht sagen, warum der Zug im Kontrast zum Fahrplan auf Gleis 2 eingelaufen ist.

Auch wusste er nicht zu sagen, warum er an Wochenenden ausnahmsweise von Gleis 5 fahren soll. Hingegen teilte er mit, dass an diesem Morgen sowohl die Lautsprecheranlage als auch die elektronische Anzeigetafel ausgefallen sei. Und zu allem Überfluss sei das Kundencenter unten in der Halle am Sonnabend erst ab 8 Uhr besetzt, so dass eine mündliche Ansage durch einen Mitarbeiter auch nicht möglich war. Schwacher Trost: Verhinderte Passagiere können sich an die Abteilung Fahrgastrechte bei der Bahn wenden.