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Sparkasse Für Kontrolle unqualifiziert

Von Carlo Jolly | 18.02.2010, 04:29 Uhr

Der Arbeitskreis Sparkasse der Ratsversammlung diskutiert am Donnerstag seinen Abschlussbericht. Demnach treffe einzelne Gremiumsmitglieder keine persönliche Schuld an Fehlleistungen der Flensburger Sparkasse.

Neben dem Loch von fast 250 Millionen Euro, das die untergegangene Flensburger Sparkasse der Nospa und der gesamten Sparkassenfamilie hinterlassen hat, sind gestern auch noch Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe angekündigt worden (vgl. Bericht Homepage). Der Arbeitskreis Sparkasse der Ratsversammlung, der heute seinen Abschlussbericht diskutiert, hat keine Erkenntnisse gewonnen, nach denen "einzelne Angehörige der Gremien der Flensburger Sparkasse eine besondere persönliche Verantwortung trifft". Die Gremien hätten in ihrer Gesamtheit Entscheidungen getroffen, die im Ergebnis fatal waren.

Einen Hauptgrund sieht ein Insider der früheren Sparkasse darin, dass der 16-köpfige Verwaltungsrat als oberstes Aufsichtsgremium für eine wirkliche Kontrolle der riskanten Kreditgeschäfte gar nicht qualifiziert gewesen sei. Der Veraltungsrat war mit Ratsmitgliedern, externen von den Parteien benannten Leuten sowie Sparkassenmitarbeitern besetzt: "Es spielte nicht ein einziges Mal die Qualifikation eine Rolle", sagt der Sparkassen-Insider, der für die Flensburger viele Jahre lang in mehreren Gremien gesessen hat, selbstkritisch: "Das können Sie vergessen." Das zentrale Problem sei, dass man gar nicht sachkundig sein kann: "Es bleibt lediglich die Möglichkeit, nach dem gesunden Menschenverstand zu urteilen."
 Fast 450 Millionen Euro für eine Handvoll Leute
Und die Namen der Großkreditnehmer, denen Ende der 90er Jahre fast die Hälfte des kompletten Kreditvolumens der Bank gewährt wurde, kamen immer aus dem gleichen Dunstkreis: Im Jahr 2001, als Sparkassendirektor Frerich Eilts den Chefposten im Vorstand übernimmt, haben 0,25 Prozent der Kreditnehmer rund 46 Prozent des gesamten Kreditvolumens der Sparkasse - fast 450 Millionen Euro für eine Handvoll Leute. Die Namen der mit den Sparkassen-Millionen ausgestatteten Geschäftsleute seien im Verwaltungsrat nie gefallen. "Man hat sie bestenfalls geahnt", sagt der Mann. Zu diesen Krediten sei dort aber in all den Jahren nicht eine einzige kritische Frage gestellt worden.

Und im Kreditausschuss, wo es im kleinen Kreis auch bei den Kreditnehmern konkreter wurde und auch kritische Fragen auftauchten, habe nie ein Mitglied Papiere in die Hand bekommen. Als Sicherheiten für die Millionenkredite wurden nicht selten Geschäfts ideen oder Teile des Geschäfts selbst akzeptiert.

Wenn den Gremien Informationen vorenthalten würden, könne man nichts dagegen machen, so der Insider: "Die Sparkasse war stolz darauf, dass sie ein großes Rad dreht", sagt er. Sie habe Geschäfte machen wollen, die mit dem Regionalprinzip zuweilen nicht mehr viel zu tun gehabt hätten und die eigentlich nur Geschäftsbanken machen würden: ein Einkaufszentrum in Florida, ein Casino auf Zypern.

Je höher die Bilanzsumme ist, desto mehr Sitzungsgeld kann man bekommen: Zwar ist von rund 54 000 Euro Sitzungsgeld für 16 Verwaltungsratsmitglieder im letzten vollen Geschäftsjahr 2007 bestimmt keiner der Verwaltungsräte reich geworden: Rechnerisch ergeben sich rund 280 Euro pro Mitglied und Monat. "Doch die Dotierung spielt immer eine Rolle", sagt der Ex-Mitarbeiter. Das sei schon daran zu erkennen, wen die Parteien früher entsendet häten: "Da saßen die verdienten Leute."