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80 Jahre Deutsches Haus Frischer Wind fürs Deutsche Haus

Von Gunnar Dommasch | 01.07.2009, 11:55 Uhr

Zum 80. Geburtstag im nächsten Jahr soll das Deutsche Haus in gebührendem Glanz erstrahlen. Mitte August beginnt die Restaurierung im Großen Saal.

Dunkel, verstaubt, muffig. Trotz gelegentlicher Schönheitskosmetik haftet dem Deutschen Haus die Patina des Prähistorischen an. Schließlich atmet das Haus die Geschichte von bald acht Jahrzehnten.

Bis zum Geburtstag am 27. September 2010 aber wird das Denkmal von nationaler Bedeutung, derer es in Schleswig-Holstein nur ganze zwei gibt, seinen morbiden Charme verlieren. Dann soll frischer Wind den 38 Meter langen Großen Saal durchwehen.

Gestern stellten Peter Schroeders als Vertreter der Stadt und Architekt Heiner Brodersen die Pläne für die am 20. Juli beginnende Restaurierung des Großen Saals vor. Zunächst soll, beginnend mit der Decke, die gesamte Oberflächenstruktur der Holzverkleidung gereinigt und aufgearbeitet, schadhafte Stellen repariert werden. Es handelt sich dabei um Birkensperrholz - ein relativ preiswertes Material, dessen Verwendung der Wirtschaftskrise um 1930 geschuldet war. Eine Million Reichsmark gab es seinerzeit für den Bau des Deutschen Hauses. Der von der Stadt zusätzlich aufzubringende Eigenanteil brachte Flensburg an den Rand des Ruins.
Fast 700000 Euro stehen zur Verfügung
Die Arbeiten stehen unter Federführung der Restauratorinnen Kristin Goda (Hamburg) und Rabea Lührssen-Hua (Hannover). Sie werden eine Hand voll Studenten mit entsprechender Vorbildung einsetzen. "Wir werden die Tiefenwirkung des Holzes wieder herausarbeiten", erläutert Kristin Goda. Dadurch und durch die Installation neuer Lichtelemente wird der düstere Charakter des Raumes neutralisiert. Goda: "Es geht darum, das Gesamtbild wieder herzustellen und dabei so viel Substanz wie möglich zu erhalten."

Angedacht ist auch eine neue Polsterung der Stühle auf der Galerie, die Anbringung von Schallschutz an den Türen und das Abschleifen des Parketts. Alles muss in einem engen Zeitfenster stattfinden. Denn die Arbeiten gehen bei laufendem Betrieb vonstatten. Heißt im Fall der Deckensanierung: Ein zwölf Meter hohes Gerüst muss auf- und im Falle eines Konzerts wieder abgebaut werden. Eine zeitraubende Angelegenheit. Deshalb sind die Maßnahmen zunächst auf zwei Jahre angelegt. 300 000 Euro stehen aus Bundesmitteln zur Verfügung, 100 000 Euro gibt das Land. "Inklusive der städtischen Eigenmittel wird sich die Summe auf fast 700 000 Euro belaufen", rechnete Peter Schroeders vor. Damit ist die Finanzierung eines Großteils der Arbeiten gesichert. Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner freute sich besonders darüber, "dass sich das Landesamt für Denkmalpflege hier so vorbildlich engagiert".
Deutsches Haus
Das Deutsche Haus zu Flensburg wurde im Jahre 1930 als Veranstaltungsstätte fertig gestellt und wird bis heute als solche genutzt. Auf vier Ebenen bieten das Programmkino „51 Stufen“, Säle, Restaurant und Biergarten Raum und Gelegenheit zur Unterhaltung.
„Reichsdank für deutsche Treue“ lautet die bedeutungsvolle Inschrift über dem Haupteingang des Deutschen Hauses in Flensburg. Bei der Volksabstimmung am 14. März 1920 sollte darüber entscheiden, ob Flensburg künftig dem Deutschen Reiche verbleiben oder an Dänemark abgetreten werden sollte. Flensburg blieb mit überwältigender Mehrheit „deutsch“. Als Dank für diese Tat stiftete das Reich erhebliche Mittel für die Errichtung einer „kulturellen Pflegstätte des Deutschtums“. Auch die Provinz Schleswig-Holstein und die Stadt Flensburg übernahmen Teile der Baukosten (von am Ende etwa 2 Millionen Reichsmark). So entstand auf dem Gelände des alten Mühlenteiches das „Deutsche Haus“. Maßgebliche Architekten des Hauses waren Theodor Rieve und der Magistratsbaurat Paul Ziegler.