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Kommentar Marek: Flensburgs neuer Oberbürgermeister steht vor großen Herausforderungen

Von Marek Schlösser | 03.10.2022, 15:11 Uhr

Die jungen Reporter:innen haben die Stichwahl in Flensburg live vor Ort verfolgt. Der 18-jährige Marek sieht in der Wahl der Flensburger Chancen und Risiken.

Es wurde Zeit. Zeit für einen Wechsel. Das meinte nicht nur Fabian Geyer selber am Tag vor den Stichwahlen zum Amt des Oberbürgermeisters von Flensburg. Dies war auch, das kann man festhalten, das eindeutige Resultat der Wählerinnen und Wähler. Mit zwölf Prozentpunkten lag Geyer am Ende vor seiner Herausforderin, der bisherigen Amtsinhaberin Simone Lange. Das ist kein haushoher Sieg, aber einer, auf dem sich aufbauen lässt. Und der Verantwortung bedeutet.

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Die mangelnde Erfahrung ist Chance und Risiko zugleich

Das mit Fabian Geyer nicht die bisherige Amtsinhaberin die Wahl gewann, sondern der Herausforderer, ist nichts Besonderes, in Flensburg fast schon Normalität. Das jedoch jetzt eine Person das Amt des obersten Repräsentanten der Stadt nahe der dänischen Grenze übernimmt, die über keinerlei politische Erfahrung verfügt, ist Chance und Risiko zugleich. Sicherlich ist für das Amt des Oberbürgermeisters in der viertgrößten Stadt unseres Landes Erfahrung wichtig, allerdings betritt Fabian Geyer dieses Amt so auch politisch unbelastet, was ihm insbesondere in der Bevölkerung nur von Nutzen sein kann.

Auf Fabian Geyer warten große Herausforderungen, sowohl inhaltlich als auch persönlich. 

Er hat für sich selber immer mit seiner politischen Neutralität geworben, wurde zwar von den Parteien CDU und FDP unterstützt, ohne diese aber offiziell zu vertreten. Dies erleichtert ihm vermutlich die Zusammenarbeit mit diesen. Allerdings wird Geyer Schwerpunkte setzen müssen. Angesichts der Fülle an Themen, die ein Oberbürgermeister zu bearbeiten hat, dürfte es ihm äußerst schwer fallen, immer auf alle politischen Seiten einzugehen. Was ihm im Wahlkampf womöglich noch ein Vorteil war, könnte ihm jetzt auf die Füße fallen. Das gleiche gilt für seine scharfen Attacken auf Simone Lange. Geyer hat angekündigt, die Punkte angehen, die er an ihr bemängelt. Nun muss er beweisen, dass er dazu in der Lage ist.

Ein wichtiges Amt in Krisenzeiten

Doch auch inhaltlich hat Geyer große Hürden vor sich. Nicht nur, dass er sein Amt inmitten einer der größten Krisen der deutschen Geschichte antritt, unter der auch Flensburg sowohl finanziell als auch wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich leidet. In seinem Wahlprogramm hat Geyer viele Punkte angesprochen, die für ihn eine hohe Priorität haben. All diese Themenblöcke innerhalb von sechs Jahren abarbeiten zu können, kann ihm eigentlich überhaupt nicht gelingen. Gerade, weil die aktuelle Wirtschafts- und Energiekrise nicht nur seine finanziellen Möglichkeiten einschränkt, sondern auch eine immer als Gefahr über ihm schwebende Unsicherheit darstellt. Hier muss Geyer klare Kante zeigen. Er muss versuchen, die Interessen der Wirtschaft und Politik mit denen der Bevölkerung zu vereinen, ohne dadurch seinem Motto der politischen Neutralität untreu zu werden. Eine gigantische Aufgabe. 

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