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Flensburg Eine Mathematikerin führt den Rat

Von Carlo Jolly | 21.06.2013, 03:59 Uhr

Ratsversammlung wählt Swetlana Krätzschmar zur Stadtpräsidentin - und Inge Krämer zur Stellvertreterin

Dass die erste Sitzung einer Wahlperiode etwas Besonderes ist, war gestern Nachmittag schon auf den Besucherrängen im Rathaus erkennbar. Alle Gästeplätze besetzt, darunter Angehörige neuer Ratsmitglieder, etliche Ehemalige und neben dem Offenen Kanal gleich vier Pressefotografen. Auch Peter Rautenberg (SPD) wollte dabei sei, wie seine Nach-Nach-Nachfolgerin gewählt wird. Zehneinhalb Jahre habe er das Flensburger Stadtpräsidentenamt innegehabt, erinnert er - "so lange wie kein anderer".

Als Alterspräsident Jochen Gurth (71, Grüne) die Stimmen auszählte, war der Vorschlag der CDU-Fraktion, Swetlana Krätzschmar, mit 37 Ja-Stimmen und einer Enthaltung gewählt. Einzig der fraktionslose Ratsneuling Karsten Kuhls ("Flensburg wählen") stimmte gegen die Bildungspolitikerin. Der damit abgelöste, seit Frühjahr 2008 amtierende Christian Dewanger klatschte, lächelte - und gratulierte als Erster, bevor CDU-Fraktionschef Frank Markus Döring und Oberbürgermeister Simon Faber Blumen überreichten.

Swetlana Krätzschmar, Jahrgang 1954, erinnerte daran, dass sie in der Sowejtunion "in einer Diktatur" aufgewachsen sei - und dass das Land, in dem sie geboren sei, mit dem Land ihres Mannes und ihrer Kinder einen schrecklichen Krieg geführt habe. Dann machte sie deutlich, dass sie sich nicht zuallererst als erste Stadtpräsidentin mit Migrationshintergrund betrachte: "Ich selbst sehe mich eher als eine aus Russland beziehungsweise aus der Ukraine stammende Mathematikerin." Ihrem Vorgänger Christian Dewanger dankte sie für seine engagierte Arbeit: "Es war sicher eine sehr spannende und einmalige Erfahrung." Dann dankte Swetlana Krätzschmar "den Bürgerinnen und Bürgern Flensburgs dafür, dass ich heute hier stehen darf - und den Ratsmitgliedern dafür, dass ich hier sprechen darf".

Zur Stellvertreterin bestimmte der Rat auf Vorschlag von SPD-Chef Helmut Trost die Ratsfrau Inge Krämer (61), "die bewiesen hat, dass ihr Herz bei den Menschen ist". Auch sie wurde mit großer Mehrheit gewählt, und Krämer versprach, das Vertrauen des Rats nicht zu enttäuschen. Nur Karsten Kuhls wollte auch ihr seine Stimme nicht geben - ebenso wie wie später dem SSW-Mann Erich Seifen nicht, der ansonsten glatt als zweiter Stellvertreter bestätigt wurde.

Der Auftakt im Rat hatte für den Einzelkämpfer Kuhls schon schwierig begonnen. Sein Dringlichkeitsantrag zur Verbesserung der Wahlbeteiligung fand lediglich zwei Stimmen - trotz der von ihm verlangten namentlichen Abstimmung.