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Flensburg Die letzten Gallier des Fischereivereins

Von wb | 22.08.2012, 03:59 Uhr

Es war schon ein kleiner Kontrast, als eine kleine Perle von geschmückten Fischereibooten in den Innenhafen von Flensburg einlief.

Neben den dicken Pötten der Nautics standen am Wochenende die echten Flensburger Fischer - eine kleine, aber engagierte Berufsgruppe - am Fischerstrand fest zusammen an ihren Stegen und Slipanlagen.

"Wir fühlen uns hier wie die letzten Bewohner eines gallischen Dorfes", sagt Horst Sorge, eigentlich Bauhandwerker, aber Fischer seit seiner Kindheit. In der Blüte der Flensburger Fischerei haben 150 Familien in der Stadt vom Fischfang ihren Lebensunterhalt bestritten. "Wirklich leben kann hier keiner mehr vom Fischfang", sagt Günther Sakuth. Der Trend gehe zu mehr Fischfang an der Förde, auch durch private Angler.

Der Flensburger Fischereiverein von 1872 hatte am Wochenende mehr als 20 offene und geschlossene Fischereifahrzeuge aus Fahrensodde, Langballigau, Wackerballig, Gelting und Maasholm zu Gast. "Mit dem Maasholmer Flagschiff MAA 1 konnte sogar ein großer Fischkutter samt Mannschaft seine Verbundenheit zeigen", sagt Friedrich Kühl vom Fischereiverein. Die rund 80 verbliebenen Fischer auf der Flensburger Förde sind allesamt Nebenerwerbsfischer. Der letzte Hauptberufliche ist vor zehn Jahren in Rente gegangen.

Viele der Fischer sind ernüchtert über viel Papierkram, Fangquoten, immer neue Bestimmungen - und über die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Tourismusorganisationen, die ihrer Meinung nach zu wünschen übrig lässt.

Außerdem sorgen sie sich über die Fischbestände in der Förde. Der Aal ist sehr selten geworden, Dorsch und Plattfische gehen dagegen gut, erklärt Günther Sakuth. Aber es gibt auch Positives zu berichten: "Neue Mitglieder sind im Verein, mehr Boote und auch das gemeinsame Engagement unter den Mitgliedern sind zu sehen", lobt Kühl. Abgesehen von vielen Renovierungen der Vereinsanlagen mit zwei erneuerten Stegen ist auch auf dem Gelände viel passiert. So stehen neben dem historischen Wadenboot vor dem Fischereivereinsgelände nun auch drei neue Knotenschilder. Auch das Fischermuseum ist in einem guten Zustand, bereichert den Flensburger Hafen und ist bei gutem Wetter geöffnet.

Vereinsvorsitzender Horst Hansen weist auf die einmalige Situation in Flensburg hin: Am Hafen sei bis heute die Mischung aus Gewerbe, Fischerei und Tourismus sichtbar. Dies müsse unbedingt erhalten werden.