Ein Artikel der Redaktion

Eutin Stefan Schmidt stolz auf Flüchtlingsarbeit im Norden

Von Juliane Kahlke | 21.08.2019, 17:28 Uhr

Der Landesbeauftragte Schleswig-Holsteins lobt den Umgang Schleswig-Holsteins mit Zugewanderten und bedauert Ausnahmen.

Stefan Schmidt ist froh, dass er als Flüchtlingsbeauftragter von Schleswig-Holstein ehrenamtlich arbeitet. „So kann ich sagen, was ich denke“, erklärt der 77-Jährige, den der Landtag 2017 zum 2. Mal in die Funktion gewählt hat. Als ihm für seine Arbeit 2018 ein 6000-Euro-Gehalt angeboten worden sei, habe er reiflich überlegt, sich aber dann dagegen entschieden, er wolle auch weiterhin sagen, was er denke, sagte der Lübecker vor 30 Zuhörern im Kreishaus. Der Kreisseniorenbeirat hatte ihn eingeladen.

Stefan Schmidt bringt internationale Erfahrung in sein Ehrenamt ein. Als Kapitän des Schiffes Cap Anamur, das 2004 Hilfsgüter nach Afrika liefern sollte, rettete er vor Malta Menschen aus Seenot und wurde deshalb angeklagt. Den Freispruch erhielt er fünf Jahre später. Stefan Schmidt weiß, worum es bei der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer geht, warum die Menschen aus ihren Ländern flüchten, welche Erwartungen sie in die ihnen fremde Kultur mitbringen und welche Aufgaben auf sie in Schleswig-Holstein warten.

„Denn wir brauchen nicht nur die Fachkräfte, wir brauchen alle.“
Stefan Schmidt, Flüchtlings- und Asylbeauftragter Schleswig-Holsteins

In Schleswig-Holstein laufe es insgesamt gut. Aber einige Ausländerbehörden gebe es, in denen Mitarbeiter nicht ausländerfreundlich seien. Für umso wertvoller hält der Landesbeauftragte die Arbeit von Ministerpräsident Daniel Günther und seiner Regierung, die Flüchtlingen den Weg ins Arbeitsleben erleichterten.

Der Landesbeauftragte hob die 2:3-Regelung hervor, mit der Auszubildende auch noch zwei Jahre nach ihrer Ausbildung im Beruf stehend vor Abschiebung geschützt seien. Sie nach Ablauf der Frist abzuschieben, sei gegen allen gesunden Menschenverstand. „Denn wir brauchen nicht nur die Fachkräfte, wir brauchen alle“, sagte Stefan Schmidt, „Fachleute sprechen von jährlich einer halben Million neuer Arbeitskräfte.“

Aus Stettin nach Elmshorn geflüchtet

Stefan Schmidt stammt aus Stettin. Er habe den Vorteil gehabt, Hochdeutsch gesprochen zu haben, als seine Familie nach Elmshorn gekommen sei. Seit dem 11. Lebensjahr lebt der 77-Jährige in Lübeck. 20 Jahre arbeitete der Nautiker dort als Honorarkonsul an der 1. Seemannsschule. In der Südsee auf Tuvalu leitete er eine Seemannsschule.

Menschen zu retten, sei eines der ältesten Gebote der Menschheit. Für den erfahrenen Seemann war es ernüchternd zu erkennen, dass ein Teil der Bevölkerung in Schleswig-Holstein gar nichts mit Flüchtlingen anfangen kann, wie er sagte.

Enttäuschung und Freude

In der Diskussion mit den Zuhörern berichteten in der Flüchtlingshilfe aktive Senioren von Enttäuschung einiger Helfer und Helferinnen. Enttäuschung über zu wenig Interesse der Deutschen und der Zugezogenen aneinander, aber auch über fehlenden privaten Wohnraum für Flüchtlinge. „Wenn die Wohnsituation deutlich besser wäre, würde auch anderes viel besser“, sagte eine der Flüchtlingshelferinnen. Ein Vermieter berichtete, dass nun auch der letzte Deutsche aus einem Haus, in dem Menschen aus anderen Ländern lebten, ausgezogen sei. Eine Seniorenbeirätin berichtete von gutem Miteinander in ihrer Gemeinde. Seit fünf Jahren feierten Einheimische und Zugezogene jährlich ein Fest und singen gemeinsam Deutsche Lieder.

Werde bei den Behörden rechtswidrig gehandelt, erinnert Stefan Schmidt mit seinem Team nachdrücklich an die Gesetze. Denn der Lübecker sagt nicht nur, was Sache ist und sein sollte, sondern er will auch weiterhin sagen: „Ich bin stolz darauf, dass Schleswig-Holstein sich um seine Flüchtlinge kümmert.“

Stefan Schmidt (77) hat als Kapitän und Nautiker im In- und Ausland gearbeitet. 2011 und 2017 wählte ihn Schleswig-Holsteins Landtag zum Beauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen. Der Lübecker hatte 2004 Flüchtlinge vor Malta aus Seenot  gerettet und war deswegen angeklagt worden, 2009 erfolgte der Freispruch. Schmidt hatte 2004 als Kapitän der „Cap Anamur“ Medizin und andere Güter für Hilfsprojekte nach Afrika liefern wollen. An Menschenrettung habe er 2004 noch nicht gedacht. Nach seiner Erfahrung dann aber den Hilfsverein Borderline Europe – Menschenrechte ohne Grenzen mitgegründet. Schmidt ist für die Wahrung der Menschenrechte mehrmals ausgezeichnet worden.