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Hohwacht Investoren-Pläne liegen in Hohwacht auf Eis

Von mik | 15.05.2010, 03:59 Uhr

Vielerorts hält es eine Gemeinde für Riesenglück, wenn ein tatkräftiger Investor vor der Tür steht, der für sieben Millionen Euro eine Appartementanlage mit kleinen Geschäften und einer Trinkkurhalle direkt am Strand bauen will.

In Hohwacht ist darüber aber Streit ausgebrochen. Jetzt macht der Investor seinem Frust über eine Patt-Situation in der zerstrittenen Gemeindevertretung Luft.

Zur Ausgangslage: Die Anders Immobilien KG und die Hotel Hohe Wacht KG, beide Unternehmen im Besitz der Familie Anders aus Hohenfelde, planen den Bau von 40 Appartements zur touristischen Nutzung und Geschäfte am Dünenweg direkt an der Ostsee. Verbunden damit ist - natürlich - die Schaffung neuer Dauerarbeitsplätze.

Den Vertrag über den Grundstückskauf am Dünenweg als Bauerwartungsland hat Richard Anders durch einen notariell beurkundeten Vertrag am 28. Mai 2004 unterschrieben. Vertragspartner war der damalige Hohwachter Bürgermeister Dieter Evers (CDU). Der Unterzeichnung ging ein einstimmiger Beschluss der Gemeindevertretung voraus. Anders: "Landesplanung sowie Obere und Untere Naturschutzbehörde des Kreises Plön hatten eine Genehmigung der Bebauung in Aussicht gestellt."

Doch sechs Jahre später sieht Unternehmer Anders, der im See-Heilbad das renommierte Hotel "Hohe Wacht" betreibt, seine Investitionspläne blockiert. Dabei läge deren Realisierung nicht nur im eigenen Interesse, betont er und verweist auf die Sorgen um die touristische Zukunft des Ortes, in dem die touristische Entwicklung auf der Stelle trete.

Anders zählt Hohwachts Schwachpunkte auf: "Ein seit 20 Jahren geschlossenes Schwimmbad als Schandfleck, eine dem Verfall geweihte Meerwasser-Trinkanlage und die schlechte Infrastruktur." Dagegen setzt der Unternehmer seine Vision: "Die Gemeinde müsste eine Medical-Wellness-Anlage mit Saunalandschaft errichten, um mehr Touristen nach Hohwacht zu locken." Insbesondere würde diese Anlage für private Vermieter und Kleinvermieter die Saison verlängern.

Fertig in der Schublade sind die Pläne für die Appartement-Anlage am Dünenweg. Dort hat Richard Anders auch der Gemeinde Nutzungsmöglichkeiten eingeräumt: "Um das Angebot für die Touristen in Hohwacht zu optimieren, würde die Gemeinde im Erdgeschoss Räumlichkeiten zur Errichtung einer Ostseewasser trinkanlage, eines Kinderhortes oder eines Gradierwerkes zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und Allergien bekommen."

Das verlockende Angebot ist jedoch mit der Begründung von zu hohen finanziellen Belastungen von der Gemeinde abgelehnt worden. Anders schüttelt den Kopf: "Dafür stehen der Gemeinde doch die Mittel aus dem Verkauf des Grundstückes zur Verfügung", rechnet er vor. Und preist seine Planung: Die 40 Appartements stünden zur touristischen Vermietung bereit und würden logistisch mit allen Annehmlichkeiten an das Hotel "Hohe Wacht" angeschlossen.

Eine politische Pattsituation verhindert jetzt offenbar die Schaffung der baurechtlichen Voraussetzungen für das Projekt. Dafür sorgten eine nach der Kommunalwahl veränderte Gemeindevertretung und - nach Einschätzung von Richard Anders - auch ein "Umdenken der Wählergemeinschaft und ihrer nicht vorhandenen Bereitschaft, sich an geschlossene und von ihr einstimmig genehmigte Verträge zu halten".

Die CDU wolle den Investor maximal zehn Jahre an eine touristische Nutzung der Appartements binden, die Wählergemeinschaft mit Bürgermeister Klaus-Dieter Dehn wolle dort am liebsten ein Apart-Hotel sehen und einen späteren Verkauf der Appartements völlig ausschließen.

Die Unternehmensgruppe Anders könne aber, um die finanziellen Risiken zu mindern, auf diese Option nicht verzichten: "Wir beabsichtigen nicht, die Wohnungen nach zehn Jahren aus der touristischen Nutzung zu nehmen", so Anders. Doch bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müsse die Möglichkeit erhalten bleiben, sich von den Immobilien zu trennen.

Die Unternehmensgruppe Anders sieht sich als Spielball der Gemeindevertretung. "Was vor der Kommunalwahl vertraglich vereinbart wurde, hat schon nach der Kommunalwahl keinen Bestand mehr", blickt Anders fassungslos auf den alten Kaufvertrag. Doch bis zur nächsten Kommunalwahl 2013 und neue politische Mehrheiten in Hohwacht will er nicht warten. Richard Anders beziffert den für ihn bisher eingetretenen Schaden auf rund 1,25 Millionen Euro. Er ist entschlossen, will eine Klage zur Begleichung "der durch die Gemeinde verursachten Schäden" vorbereiten lassen.