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Bürgermeisterwahl Eutin 2022 Viel Lob für Kasch: Was Eutiner Fraktionen zum Wahlergebnis sagen

Von Constanze Emde | 25.10.2022, 06:00 Uhr | Update am 25.10.2022

Beinah hätte er die Plakate noch hängen lassen können: 129 Stimmen haben dem Verwaltungsbeamten Michael Kasch zur Stichwahl ums Bürgermeisteramt gefehlt. Womit er trotzdem zufrieden ist und wie Eutins Fraktionen das Wahlergebnis werten.

„Hat Michael Kasch gewonnen?“, fragt eine Eutinerin im Vorbeifahren. „Leider nicht“, antwortet Kasch selbst und knipst am Stadtgraben Montagnachmittag die Kabelbinder durch, um seine Wahlplakate abzuhängen. Als Einzelbewerber zog der 59-Jährige in Eutins Bürgermeisterwahlkampf und verpasste den Einzug in die Stichwahl mit Sven Radestock (Grüne) nur knapp. 129 Stimmen mehr hätte Kasch gebraucht, um vor dem Parteikollegen Sascha Clasen (CDU) zu liegen. „Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht, dass es nicht gereicht hat. Aber ich bin auch stolz auf das, was ich alleine mit der Unterstützung meiner Familie und Freunden ohne große Partei im Rücken geschafft habe“, sagt der Eutiner Verwaltungsbeamte.

Lob und Anerkennung zollen ihm alle Eutiner Fraktionen für seinen Wahlkampf. „Michael Kasch hat einen sehr guten Wahlkampf gemacht. Das muss man neidlos anerkennen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl. „Ich habe ihn schon als Verwaltungsmitarbeiter geschätzt, weil er einer der wenigen war, die eigene Ideen und Vorschläge einbringen“, lobt Grünen-Chefin Monika Obieray seine Qualität und FDP-Fraktionschef Marius Winkler lobt und hofft, dass Kasch dem Eutiner Rathaus nach dem Erlebnis erhalten bleibt: „Das wäre sonst ein großer Verlust.“

Ob er Konsequenzen aus der Niederlage für seinen Arbeitsort zieht, will Kasch nach der Stichwahl entscheiden. „Ich arbeite wirklich gern in Eutin, sonst hätte ich all das nicht gemacht.“ Aber eine Wahlempfehlung, wovon einer der beiden Stichwahlkandidaten profitieren könnte, gibt Kasch nicht ab. „Ich glaube, die Eutiner sind clever genug, um zu wissen, wen sie wählen. Da braucht es keine Empfehlung von mir“, sagt Kasch und packt sein Plakat ein, denn er habe nur einen Tag frei. Dienstag arbeitet er wieder im Rathaus und er weiß: Da hätten ihn einige gern als Chef gehabt.

Erschreckend schlechtes Ergebnis für Hettwich, Meyer, Bentke und Müller

Neben nachträglicher Bewunderung gibt es von den Fraktionschefs aber auch Verwunderung, mit welch geringer Stimm- und Prozentzahl die vier Kandidaten Daniel Hettwich (497 Stimmen), Elfi-Jacqueline Meyer (FDP, 429), Olaf Bentke (FW, 425) und mit der geringsten Stimmzahl von 191 Christoph Müller aus der Wahl gegangen sind.

FDP unterstützt nach Enttäuschung über Meyers Ergebnis nun Sascha Clasen

Die FDP sei enttäuscht, werte das Ergebnis für Meyer aus Fissau-Perspektive aber als Erfolg, weil es zeige, dass sie als Dorfvorsteherin einen guten Job mache, so Winkler. In der Fraktionssitzung am Montagabend entschieden sich die Liberalen nun, CDU-Kandidat Sascha Clasen zu unterstützen. „Er steckt in den Themen und verfügt über Erfahrungen in der Kommunalpolitik Eutins und Verwaltung“, sagt Winkler.

Keine Empfehlung von Freien Wählern: „Beide Parteien lassen Bürgernähe vermissen“

Olaf Bentke (FW) verstehe nicht, warum Bürgernähe, seinem Wahlkampfthema Nummer eins, in Eutin offenbar nicht angekommen sei. Vielleicht, weil es den Ortsverband erst seit knapp vier Jahren gebe, so Bentke. Die Freien Wähler haben sich Montagabend gegen eine Empfehlung für Clasen oder Radestock ausgesprochen, sagt Bentke am Dienstag. „Beide Parteien, CDU und Grüne, haben in den vergangenen Jahren Bürgernähe vermissen lassen bei ihren Entscheidungen: Ob bei dem Standort für die Wilhelm-Wisser-Schule oder beim Wegnehmen des Brunnens oder Fällens der Bäume am Markt“, begründet der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Seine Fraktion lasse, dem Namen der Partei entsprechend, den Eutinern und Mitgliedern freie Wahl. 

„Ein Bürgermeister muss als Person überzeugen, Impulse setzen und als Mediator vorangehen.“
Matthias Rachfahl
CDU-Fraktionsvorsitzender

Neben den Grünen freut sich die SPD über den Wahlerfolg Radestocks und hofft, dass er auch bei der Stichwahl als Sieger hervorgehe, so Obieray (Grüne) und Uwe Tewes (SPD). Es komme nun für die beiden Kandidaten darauf an, die Konturen zu schärfen, so CDU, Grüne und FDP unisono.

„Die Frage für die Wähler zur Stichwahl wird sein, wem traue ich das Amt des Bürgermeisters zu und wem vertraue ich meine Stimme an“, sagt Rachfahl. Aus zehn Jahren parteipolitischer Erfahrung in Eutin wisse er, Politik werde in Eutin von den Stadtvertretern gemacht, nicht dem Bürgermeister. „Ein Bürgermeister muss als Person überzeugen, die Verwaltung auch führen können, aber auch Impulse setzen und als Mediator vorangehen“, so der CDU-Fraktionschef. Und beim Konturen schärfen Herausarbeiten von Unterschieden hätten beide Kandidaten noch Luft nach oben.

Eutiner sollen direkt zwischen Kandidaten vergleichen können

Nur auf Stimmverteilung aus den Lagern zu setzen, sei zu billig und werde in dieser Stichwahl nicht reichen. Das glaubt auch Grünen-Chefin Monika Obieray. Trotz aller Freude über das Wahlergebnis sei Obieray nicht zufrieden mit dem Verlauf des Wahlkampfes. „Die Unterschiede wurden nicht deutlich, das gelang auch in den Vorstellrunden mit Carsten Kock nicht“, sagt Obieray. Jetzt gehe es darum, schnell geeignete Formate zu finden, um den Wählern nochmal den direkten Vergleich zwischen den beiden Kandidaten deutlich zu machen, so Obieray, beispielsweise in einer Art Wochenmarkt-Talk. „Und ansonsten hoffen wir, dass uns diesmal nicht alle Ideen geklaut werden“, sagt sie und fügt erklärt: „Nach Bekanntwerden von Grill den Grünen lud Clasen beispielsweise zum Grillen am Freitag und das Wir-Gefühl wollten plötzlich auch viele Kandidaten verbessern.

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