Ein Artikel der Redaktion

Eutin Demo bei AfD-Treffen in Eutin

Von Constanze Emde | 09.01.2017, 04:30 Uhr

Gut 60 Gegendemonstranten vor dem Brauhaus. „Das hätten wir nicht erwartet“, sagen Polizei und Gutzeit

Rund 60 Demonstranten mit Transparenten wie „AfD – braune Scheiße neu verpackt“ oder „Kein Rassismus in Eutin“ zogen gestern anlässlich des Dreikönigstreffens des AfD-Kreisverbandes Ostholstein vor das Brauhaus. Die gut 60 Parteimitglieder oder Interessierten mussten „Spalier“ laufen zwischen neugierigen Eisbahn-Besuchern und „Nazis raus“-Rufenden, um zur Veranstaltung zu gelangen. Die Polizei orderte Einsatzkräfte nach und bilanzierte kurz nach 18 Uhr – „es ist gut, das wir da waren. Mit so vielen Gegendemonstranten hätten wir nicht gerechnet“. Zwar seien im Vorfeld zwei Gegendemonstrationen angekündigt, diese aber wegen zu kurzer Anmeldefrist nicht genehmigt worden.

Was vom AfD-Kreisvorstand Frank Brodehl ursprünglich als internes Kaffeetrinken mit Parteimitgliedern geplant war, stand durch soziale Netzwerke gestern Nachmittag sprichwörtlich in Eutins Fokus. Auch das Dutzend mit schwarz-weiß-roten Fahnen in der Königstraße sorgte weit vor Beginn der Veranstaltung für kurzfristiges Aufsehen. Brauhaus-Chef Marcus Gutzeit war sichtlich überrascht, ob der großen Aufruhr: „Ich bin ein Haus für alle demokratischen Parteien und ich weiß nicht, warum ich dieser Partei die Möglichkeit eines Treffens nicht geben darf.“ Das geplante AfD-Treffen war auch beim Neujahrsempfang Thema: „Die anderen Parteien finden es fragwürdig, dass ich der AfD Raum biete, aber den gebe ich allen Parteien, die nicht verboten sind“, so Gutzeit.

„So gravierend wie diesmal hätten wir es nicht erwartet, schon gar nicht in Eutin“, sagte Axel Schnoor, stellvertretender AfD-Kreisverbandsvorsitzender. Herein kam nur, wer sich angemeldet hatte und nach Check zugelassen wurde. „Hier geht es einfach auch um die Sicherheit der Mitglieder. Zu viel ist schon passiert“, sagt Tim Rießen (39), AfD-Direktkandidat für Ostholstein-Süd. Rießen gehört zu den wenigen Jüngeren im Saal. Er findet: „Jeder muss in einer Demokratie seine Meinung frei äußern dürfen. Aber sinnlose Pöbeleien wie da draußen haben nichts mehr mit Politik zu tun.“ Wenn er sich mal mit Demonstranten unterhalten habe, sei es oft um „Pseudoinhalte“ gegangen, die „klassischen Vorurteile“. Doch wenn die AfD die Flüchtlingspolitik kritisiere, kritisiere sie in erster Linie die Politiker der Altparteien, nicht die Einwanderer, wie auch Hauptredner Dr. Bernd Baumann aus Hamburg betonte. Rießen sagt: „Ich bin selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv und das gerne. Man muss immer den Einzelfall sehen.“ Die Einzelfallrechnung machte Baumann auf: “Für den Unterhalt eines Syrers mit seinen fünf Frauen und 23 Kindern müssten demnach 95 Handwerksgesellen arbeiten gehen.“

Brodehl skizzierte für die AfD-Neulinge die Partei, die bundesweit 25  000 Mitglieder zählt: „Zur AfD gehören Männer wie Frauen, Junge wie Alte, vom Gastwirt bis zum Lehrer und Menschen, die mal im öffentlichen Dienst waren. Die Gründe für eine Mitgliedschaft reichen von desaströser Eurorettungspolitik über die fehlende Familienpolitik bis zur Flüchtlingspolitik, die die Altparteien veranstalten.“ Das gute in der AfD sei, sagen zu können, was man denke. Dies hoben nahezu alle Redner hervor.