Zwischen Glühwein und Eiskratzen

Der Elmshorner Lichtermarkt ist bei den Besuchern beliebt.
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Der Elmshorner Lichtermarkt ist bei den Besuchern beliebt.

Umfrage Wie läuft es nach drei Wochen Lichtermarkt und vier Wochen Eisbahn? Wir haben uns bei den Schaustellern umgehört

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16. Dezember 2017, 16:33 Uhr

Es ist erst 13 Uhr, trotzdem ist der Lichtermarkt schon gut besucht. Arbeitskollegen stehen in kleinen Grüppchen an den Essensständen, Kinder drehen die ersten Runden auf dem Karussell vor der Kirche St. Nikolai und Klaus Rüdiger Pirsig schenkt am Stand des Verkehrs- und Bürgervereins bereits Glühwein aus. „Morgens um 11 kommen die ersten Kunden, um sich bei einem heißen Getränk aufzuwärmen“, beobachtet er. Richtig voll werde es aber auf dem Alten Markt erst am Abend oder am Wochenende. Der Verein hat viele Stammkunden, wie die drei älteren Damen, die sich während der Weihnachtszeit auf dem Markt statt im Café treffen. „Neulich hatte ich sogar eine Gruppe mit zwölf Personen, die Elmshorn besichtigen wollten“, erzählt Pirsig. Überhaupt kämen viele Besucher von Außerhalb, aus Uetersen, Glückstadt oder Barmstedt. „Der Elmshorner Lichtermarkt kommt gut an“, sagt er. „Es wird hier von Jahr zu Jahr schöner, das sagen alle. Vor allem wegen der Lichter.“

In diesem Jahr verkauft Pirsig übrigens auch besonders viele Tassen – weil darauf der dunkelhäutige Engel zu sehen ist und die Menschen ihre Solidarität für den Lichtermarkt zeigen wollen. „Alle, mit denen ich gesprochen habe, treten für Toleranz ein“, sagt Pirsig. „Böse Worte gab es nur für Frau Steinbach“.

Wie alle Mitglieder des Vekehrs- und Bürgervereins steht Pirsig ehrenamtlich am Glühweinstand. Sogar Bürgermeister Volker Hatje übernimmt eine Schicht. Die Einnahmen werden für die Arbeit des Vereins verwendet. Und damit die Aktion ein Erfolg wird, planen die Mitglieder mit viel Voraussicht. Pirsig: „Mit dem Beginn der Ferien wird von den jungen Leuten viel Kakao bestellt. Deshalb unterstützt mich dann meine Frau bei der Zubereitung.“

Solche Erfahrungen müssen Marylin und Hardy Benkovich erst noch machen. Die Beiden verkaufen zum ersten Mal belegte Fladenbrote auf dem Lichtermarkt. „Wegen der großen Nachfrage haben wir jetzt auch noch Kartoffelpuffer mit ins Programm genommen“, erzählt Marylin Benkovich. Die verkaufen ihre Schwiegereltern schon seit 25 Jahren auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt. Marylin und Hardy Benkovich sind normalerweise mit einer mobilen Paint-Ball-Halle auf Jahrmärkten unterwegs. „Das hier ist schon etwas anderes“, sagt Hardy Benkovich. Trotzdem gefällt dem Paar die Stimmung auf dem Lichtermarkt. „Die Leute sind gut drauf und kommen wieder“, sagt Marylin Benkovich.

Schon längst etabliert hat sich der Tallin-Glühwein. Tarmo Tuulik steht hinter dem Tresen des wohl beliebtesten Stands des Lichtermarkts. Vor ihm reihen sich die hochprotzentige Alkoholika, daneben steht der große Thermosbehälter mit dem Beeren-Glühwein. Schon jetzt, zur Mittagszeit, findet Tuulik kaum Zeit für ein Gespräch, er schenkt einen Glühwein nach dem nächsten aus. Zwischendurch erzählt Tuulik in gebrochenem Deutsch, dass er ursprünglich aus Estland stammt – genau wie der Wein, den er verkauft. Die estländische Spezialität kommt gut an bei den Deutschen, sagt er. „Weil der Wein fruchtiger ist – und weil er mehr hat.“ Inzwischen lebt Tuulik in Hamburg. Ab Januar will er sich mit dem Import von estnischen Spezialitäten selbstständig machen.

Liana Arzumanyan steht an einem der wenigen Stände, an denen nichts Ess- oder Trinkbares verkauft wird. Hinter ihr leuchten bunte Papiersterne und Kerzenhalter mit den Lichterketten auf dem Markt um die Wette. Mit dem Geschäft ist sie zufrieden, auch wenn es durchaus noch besser laufen könnte. „Die Glühweinstände haben immer Kunden, das ist bei mir leider nicht so“, sagt sie. „Aber die kleineren Sachen verkaufen sich trotzdem gut.“

Bereits zum dritten Mal dabei ist Ingo Fahrenkrug mit seinem Stand mit Burgunderschinken und Champignons. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er. Das Geschäft laufe ähnlich gut wie im Vorjahr – auch wenn er merke, dass der Regen viele Leute abschrecke. „Das ist für Viele zu ungemütlich, bei solchem Wetter draußen zu stehen“, sagt er. „Mehr Schnee wäre besser.“

Das sieht Henning Haarhaus ganz anders. Der Projektleiter der Firma Interevent ist in diesem Jahr verantwortlich für die Eislaufbahn auf dem Holstenplatz. Dem Schnee verdankt er zahllose Arbeitsstunden. Denn: „Auf der Eisbahn schmilzt der Schnee nicht. Und wenn dann noch Regen und Frost dazukommen, vereist die Oberfläche zu einer harten Kruste.“ Sieben Stunden hat er deshalb an einem Tag damit zugebracht, den Schnee von der Eisbahn zu kratzen. Gestern hat die Stadt dann die ganzen aufgehäuften Schneeberge abtransportiert. „Wir wussten gar nicht mehr, wo wir damit hin sollten.“ Auch bei Regen laufe es auf der Eisbahn nicht so gut. „Den Jugendlichen ist das ja egal. Aber die Eltern mit den kleinen Kindern bleiben dann aus.“ Grundsätzlich ist Haarhaus mit den Besucherzahlen aber sehr zufrieden, insbesondere am Wochenende.„Viele Leute erzählen mir, wie froh sie darüber sind, dass es hier eine Eisbahn gibt und sie nicht bis nach Hamburg fahren müssen“, sagt er. Außerdem kämen wieder mehr Schulklassen, als noch vor zwei Jahren. „Da war nämlich die Helmpflicht neu eingeführt worden und die Lehrer waren verunsichert. Inzwischen gibt es bei uns Leihhelme, da ist das kein Problem mehr.“

Inzwischen hat sich auch der Lichtermarkt gefüllt. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen immer mehr Leute nach Feierabend auf einen Glühwein mit Kollegen und Freunden vorbei. Bis Weihnachten wird das so weitergehen. An Heiligabend hat der Markt noch einmal bis 14 Uhr geöffnet.

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