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Elmshorner Nachrichten

18. Dezember 2017 | 00:56 Uhr

Elmshorn : Zwei Mann, zwei Boote, ein Traum

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mit Motor- und Tuckerboot von Elmshorn zum Stettiner Haff und zurück. 2000 Kilometer, 100 Schleusen, 83 Seen.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Irgendwann hatte Motorbootbesitzer Robert Gabriel im Vereinshaus des Wassersportvereins Elmshorn (WSE) wohl einmal von den Gewässern rund um Berlin erzählt sowie von den wunderschönen Flussläufen, Wasserstraßen und Seen bis hinüber zur Peene – und in Horst Sobzak war der kühne Gedanke gereift: „Diesen Törn möchte ich einmal mit meinem Tuckerboot machen!“

Lange stand der gebürtige Finkenwerder mit dieser Idee ziemlich einsam da. Der Gedanke an einen solchen langen Törn in dem kleinen Boot, das nur mit einer Persenning abzudecken ist, ließ den Plan des 69-Jährigen eher als Hirngespinst erscheinen. Auch seine Frau war für eine so lange Reise in einem so kleinen Boot nicht zu begeistern. Doch Sobzak bliebt am Ball, überzeugte Gabriel (67) nach und nach von dem Vorhaben – und dann starteten die beiden von Elmshorn aus in Richtung Osten – mit dem Motorboot „Jan“ und dem Tuckerboot „Mien Lütt“.

Ambitionierter Tourenplan

Der Tourenplan war ambitioniert: Von Elmshorn aus ging es die Krückau hinunter bis in die Elbe, dann elbaufwärts durch den Hamburger Hafen bis zur Elde-Müritz-Wasserstraße, weiter bis Schwerin und Plau am See, auf der Müritz über Waren in die Rheinsberger Gewässer, nach Neustrelitz, Templin und Berlin. Rund um die Hauptstadt standen dann eine Reihe von Bootsausflügen und Abstecher auf dem Programm, bis es dann über den Finowkanal in die Oder nach Stettin ging, ins Stettiner Haff, auf den Peenestrom und auf den Greifswalder Bodden. Über die Ostsee führte die Route dann nach Rügen und Hiddensee, weiter ging es nach Warnemünde, Kühlungsborn und Travemünde, und von dort aus dann über Lübeck und den Elbe-Lübeck-Kanal wieder in die Elbe und die Krückau zurück in den Heimathafen Elmshorn.

„83 Seen lagen auf der Route und mehr als hundert Schleusen“, berichtet Sobzak aus seinem Logbuch. Und er schwärmt von der Natur, die man nur vom Wasser aus so fantastisch erleben kann, von Schlössern, Landhäusern und Kirchen an den Ufern, von den Menschen, die an den Anlegern zusammenkamen, um die zwei Norddeutschen zu begrüßen und über ihr Vorhaben zu staunen Sobzak: „Und das mit dem Tuckerboot! Da wurde ein Traum wahr!“

Im Hafen von Waren an der Müritz: Horst Sobzak mit „Mien Lütt“ (links) und Robert Gabriel mit „Jan“.
Im Hafen von Waren an der Müritz: Horst Sobzak mit „Mien Lütt“ (links) und Robert Gabriel mit „Jan“.
 

In Schleusenhäuschen saßen die beiden zusammen mit Schleusenwärtern, Hafenmeistern und einmal auch mit dem Kapitän eines Flusskreuzfahrtschiffs, abends beim Essen in den Gastwirtschaften kamen sie ganz schnell mit Anwohnern ins Gespräch. „Alles in allem waren es 2007 Kilometer, die wir zurückgelegt haben“, erzählt Robert Gabriel.

Und wenn das Wetter sich auch meist von seiner besten Seite zeigte, manchmal schlugen die Wellen auch hoch: etwa auf dem Schweriner See, als ein Sturm aufkam: „Windstärke 7“, erinnert sich Sobzak, „und mehr als einen Meter hohe Wellen – da mussten wir kämpfen!“ In Kühlungsborn, schon auf dem Rückweg, lagen die zwei Elmshorner eine Woche lang im Hafen, um das Abflauen des starken Windes abzuwarten und weiterfahren zu können.

Allerhand haben Sobzak und Gabriel erlebt. Nach drei Monaten sind sie von ihrer Tour zurück: „In der Nähe von Templin gab es ein Pappboot-Rennen mit internationaler Beteiligung“, erzählen sie. „Das WM-Spiel gegen Brasilien haben wir in Berlin geschaut, in Warnemünde konnten wir die Hanse-Sail miterleben, und auf der Elbe begegnete uns die Queen Mary II.“ Nur ein paar von vielen großen und kleinen Highlights dieser Fahrt: „Wir haben viele Feste mitfeiern können und haben viele nette Menschen kennengelernt.“

Ein wenig zugenommen während des Törns

Und auch für das leibliche Wohl war immer gesorgt: Frühaufsteher Gabriel machte Frühstück, mittags gab's meistens einen schönen Salat und Rohkost – und abends suchten sich Gabriel und Sobzak meist ein nettes Restaurant oder Gasthaus, um dort gut zu essen – oft Fisch. „Wir haben sogar ein wenig zugenommen während der Fahrt!“, lachen sie.

Einziger Wermutstropfen für die zwei Wassersportler: Ihre Frauen haben sie auf dieser Fahrt nicht begleiten können. „Ich habe den Kontakt mit dem Handy gehalten“, berichtet Robert Gabriel, und auch Horst Sobzak hat telefoniert, was die jeweiligen Netze hergaben.

Und: Seine Frau hat die Tour via GPS im Internet verfolgt. Für Sobzak ist klar: „Diese Reise möchte ich noch einmal zusammen mit meiner Frau machen!“ Dann aber nicht im Tuckerboot, sondern in einem größeren Motorboot.

Ein neues Boot muss ohnehin angeschafft werden: Denn Horst Sobzak hat den ganzen Törn doch nicht mit seinem Tuckerboot geschafft. Auf halber Strecke, am Berliner Müggelsee, machte ihm ein Bootsliebhaber ein Angebot für das Boot, das er nicht ablehnen konnte. Der Preis wurde bar entrichtet - und über das Gesicht des Bankangestellten in einem feinen Berliner Viertel, bei dem Sobzak – bärtig und in der legeren Kluft des Wassersportlers – das Geld auf sein Konto eingezahlt hat, können die beiden Reisegefährten sich heute noch halb kaputtlachen.

Zwei Mann in einem Boot

Nach dem Verkauf des Tuckerboots beschlossen die Männer, den zweiten Teil der Fahrt gemeinsam in Gabriels Motorboot „Jan“ zu bewältigen – und konnten so ihre Traumreise fast wie geplant fortsetzen. Zu zweit in einem Boot, so Sobzak, „konnten wir uns einiges leichter machen und uns immer wieder einmal gegenseitig ablösen.“ Und Gabriel nickt: „Wir haben wenig geschnackt und uns prächtig verstanden!“

Tuckerboote sind kleine, offene Motorboote, die früher als Arbeitsboote in Häfen und auf Kanälen eingesetzt wurden. Sie verfügen in der Regel über eine eingebaute Maschine. Der Name gibt das tuckernde Geräusch des Kühlwassers wieder, das während der Fahrt durch den Auspuff abgepumpt wird.
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