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Elmshorner Nachrichten

14. Dezember 2017 | 02:00 Uhr

Elmshorn : Zwei Drittel der Straßen sind kaputt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Zustandsbericht zeigt alarmierende Zahlen. Elmshorns Verwaltung fordert mehr Geld für Straßenbau – doch die Politik streicht Mittel.

von
erstellt am 04.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Die Zahlen sind alarmierend: Knapp zwei Drittel der 454 Straßen im Stadtgebiet sind sanierungsbedürftig. 82 sind sogar mehr oder weniger völlig rott. Anders ausgedrückt: Nicht einmal jede dritte Straße in Elmshorn weist keine oder nur geringe Schäden auf. Das geht aus dem aktuellen Zustandsbericht des städtischen Flächenmanagements hervor. Und es wird nicht besser werden. Denn der Stadt fehlen die finanziellen Mittel, die Probleme anzupacken. Angesichts der prekären Lage fordert Bürgermeister Volker Hatje jetzt sogar einen bundesweiten „Schlagloch-Soli“.

Mit diesem Vorstoß hatte sich erst im Frühjahr Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) eine blutige Nase geholt. Doch Hatje meint, es geht nicht anders. „Wir haben einen gewaltigen Sanierungsstau. Das ist eine tickende Bombe“, so der Bürgermeister. Die Kommunen hätten seit Jahren mit einer Unterfinanzierung für die Infrastruktur zu kämpfen. Es sei an der Zeit zu handeln. „Alleine werden die Städte und Gemeinden das Problem nicht lösen können. Es muss eine Sonderfinanzierung geben“, betont Hatje.

Mit den Schäden in dem Zustandsbericht sind nicht etwa Risse oder Schlaglöcher gemeint, die sich relativ kostengünstig und zügig schließen lassen. Nein, es sind zum Teil gravierende, bauliche Mängel. Auf Amtsdeutsch heißt das dann: „Unzureichender Unterbau. Starke, irreparable Schäden.“

Amtsleiterin Petra Langefeld blickt mit Schrecken in die Zukunft. Mit Blick auf die Haushaltssituation hatte die Leiterin des städtischen Flächenmanagements nur eine einzige Straße zur Sanierung im nächsten Jahr angemeldet. Doch selbst die wurde im zuständigen Ausschuss für kommunale Dienstleister nun gestrichen. Den Politikern war die Sanierung des Haushalts wichtiger als die der Straßen. Langefeld brachte das auf die Palme. „Seit Jahren betreiben wir Mangelwirtschaft. Wir schieben die kaputten Straßen wie einen Tsunami vor uns her“, sagte die Amtsleiterin im Ausschuss und legte gleich nach: „Natürlich kann man sagen, wir machen gar keine Straßen mehr – dann möchte ich aber in fünf und nicht erst in zehn Jahren in Ruhestand gehen. Was da auf uns zukommt, möchte ich nicht miterleben.“

Die Politiker ließ diese klare Ansage von Langefeld kalt. Die 850.000 Euro teure Sanierung der Klaus-Groth-Promenade wurde mit der Mehrheit aus CDU, Grünen und FDP gegen den Willen der SPD gestrichen. Die Amtsleiterin hat für die Entscheidung kein Verständnis. Zumal die Ersparnis auch nur rund die Hälfte der Summe beträgt. Denn 420.000 Euro hätten die Anlieger zahlen müssen.

Langefeld frustriert die Situation. „Man sollte sich auch mal auf die fachliche Zuarbeit der Verwaltung verlassen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Blick in den aktuellen Zustandsbericht der Elmshorner Straßen lässt sie angesichts der Haltung der Mehrheit der Politik erschauern. 82 der 454 Straßen in der Stadt sind in Kategorie 3 eingeteilt. Das heißt, etwa 18  Prozent der Straßen wie zum Beispiel Klaus-Groth-Promenade, Ollnsstraße, Sandberg, Holstenplatz oder Mühlendamm und Reeperbahn haben einen unzureichenden Unterbau und weisen starke, nicht mehr zu reparierende Schäden auf. 228 weitere Straßen (50 Prozent) befinden sich in Kategorie 2. Sie haben eine ausgemergelte Deckschicht, einen unzureichenden Unterbau, die Schäden sind aber noch zu reparieren. Lediglich 114 Straßen, mit 32 Prozent also nicht mal ein Drittel aller Wege, haben keine oder nur geringe Schäden.

Die Lage wird sich laut Langefeld in den nächsten Jahren noch verschärfen. Viele der in der Boom-Zeit der 1970er-Jahre gebauten Straßen seien jetzt akute Sanierungsfälle. „Aus heutiger Sicht sind viele der Straßen technisch gar keine Straßen. Ihnen fehlt zum Großteil der gesamte Unterbau. Damals galt das Motto: Masse statt Klasse“, so die Leiterin des Flächenmanagements.

Die Entscheidung der Politik muss sie akzeptieren. Sie appelliert aber an die Parteien, zumindest für den Unterhalt der Straßen mehr Geld zur Verfügung zu stellen. „Wenn wir schon nicht sanieren, müssen wir wenigstens mehr Instandhaltungsarbeiten machen“, so Langefeld. Sie hofft, dass der derzeitige Ansatz von 350.000 Euro auf 600.000 Euro hinaufgesetzt wird.

Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) sieht nicht, dass Elmshorn das Problem allein in den Griff bekommt. Er unterstützt die Idee von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) und fordert im Gespräch mit unserer Zeitung die Einführung eines bundesweiten „Schlagloch-Soli“. „Alle Kommunen stehen doch vor demselben Problem. Wir werden das nicht lösen können. Es muss eine Sonderfinanzierung geben, sonst bröckeln uns bald alle Straßen weg“, sagte Hatje.

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