Serie: Gedenken nach 70 Jahren : Zum Gedenken und als Mahnung

Etwa eine Tonne wiegt der Granitstein, der die Inschrift tragen wird. Die Inhaber des 107 Jahre alten Elmshorner Betriebs Dierks, Steinmetzmeister Sven Dierks und seine Schwester Meike Dierks, richten den Findling entsprechend her.
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Etwa eine Tonne wiegt der Granitstein, der die Inschrift tragen wird. Die Inhaber des 107 Jahre alten Elmshorner Betriebs Dierks, Steinmetzmeister Sven Dierks und seine Schwester Meike Dierks, richten den Findling entsprechend her.

Findling soll an den verlustreichsten Bombenangriff des Zweiten Weltkriegs im Kreis Pinneberg erinnern. Serie startet Montag.

shz.de von
18. April 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Vor 70 Jahren mussten die Elmshorner einen letzten grausamen Höhepunkt des von den Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkriegs erleben: Nach 1943 traf die Stadt am 26. April 1945 ein zweiter großer Bombenangriff. Erst später stellte sich heraus, dass es der mit mindestens 92 Opfern verlustreichste Fliegerangriff des Krieges im Kreis Pinneberg war.

Während alljährlich zum Volkstrauertag am Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs sowie am Gedenkstein mit der Aufschrift „Unseren Gefallenen 1939-1945“ Kränze niedergelegt werden, erinnert nichts an die Opfer des Bombenangriffs 1945 im Elmshorner Stadtteil Langelohe.

Dies fiel dem Elmshorner Heimatforscher und ehemaligen ehrenamtlichen Leiter des Elmshorner Stadtarchivs, Karl Heinz Kuhlemann (83), 2012 erneut auf. Damals erstellte er aus den Standesamtsunterlagen und weiteren Dokumenten einen Band in der Reihe „Materialien zur Elmshorner Geschichte“. In dem Materialienheft hat Kuhlemann versucht, alle während des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Diktatur Getöteten in und aus Elmshorn aufzulisten.

Der Heimatforscher schlug den Elmshorner Politikern und der Stadtverwaltung vor, mit einer Gedenktafel oder einem Gedenkstein an die kaum bekannten Opfer vom Angriff 1945 zu erinnern, damit ihr Tod als Mahnung vor den Schrecken des Krieges und des Terrors nicht noch mehr in Vergessenheit gerät.

Einstimmiger Beschluss des Kulturausschusses

Kuhlemann, der als 13-Jähriger die Folgen des Angriffs im benachbarten Stadtteil Hainholz miterlebte, empfahl, direkt am Ort des Geschehens, also dem heutigen Kreisverkehr im Verlauf der Straße Langelohe, das Projekt zu verwirklichen. Die Mitglieder des zuständigen städtischen Kulturausschusses beschlossen im September vergangenen Jahres einstimmig, in Kuhlemanns Sinne zu verfahren.

Der Gedenkstein ist ein Findling, der seit Jahren bereits auf einem Beet direkt neben dem Kreisverkehr liegt. Er soll am 70. Jahrestag des Bombenangriffs – also am Sonntag, 26. April – mit einer Inschrift versehen, aufgestellt werden. Den Stein und die Fläche stellen deren Besitzer, die Elmshorner Firma Max Steier, für das Projekt zur Verfügung. Die Stadt beauftragte den traditionsreichen Elmshorner Steinmetzbetrieb Dierks, entsprechend der Politikerentscheidung den Findling mit den Worten „Den Opfern des Bombenangriffs vom 26. April 1945 zum Gedenken“ zu versehen.

Zur Einweihung des Gedenksteins werden zahlreiche Zeitzeugen des Angriffs erwartet. Drei von ihnen werden von ihren Erlebnissen berichten. Ebenso werden Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) und der Initiator Karl Heinz Kuhlemann sprechen. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr direkt am Kreisverkehr Langelohe.

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