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Elmshorn : Zufriedene Veranstalter beim 4. Tag der Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Besonders große Nachfrage gab es bei Familienkundlern.

Elmshorn | „Das muss irgend so eine Nebenlinie sein, die ich hier nicht habe.“ Dabei war Gerhard Glismann eigentlich der perfekte Ansprechpartner: Er engagiert sich in der Elmshorner Vereinigung für Familienkunde, erforscht also Stammbäume, und Herbert Purzetzki suchte nach einem Vorfahren mit Namen Glismann. Aber der ließ sich im dicken Buch nicht auftreiben. „Der Vater ist ein uneheliches Kind“, gab Purzetzki zu bedenken, aber das schreckte den Familienkundler nicht: „Das habe ich öfter hier.“

Hinter Gerhard Glismann standen im Konrad-Struve-Haus regalweise Kirchenbücher; für Ahnenforscher sind sie eine wichtige Quelle, weil in ihnen Taufen, Hochzeiten und Todesfälle verzeichnet sind. Geführt werden sie chronologisch, aber die Elmshorner Familienkundler haben in ihrer Sammlung alphabetisch sortierte Abschriften: „Da können die Leute unter ihrem Namen gucken“, sagte Beate Claußen, die Vorsitzende der Vereinigung für Familienkunde.

Am Sonntag, am Tag der Elmshorner Geschichte, nutzten viele Besucher die Gelegenheit, im Konrad-Struve-Haus einen Blick in die eigene Familiengeschichte zu werfen. Claußen war mit dem Zulauf zufrieden. Großes Projekt der Familienkundler ist es zurzeit, die Abschriften der Kirchenbücher auf Computer zu übertragen: „Das ist schön, da hat man noch ein paar Jahrzehnte zu tun“, sagte Claußen.

Im Obergeschoss des Konrad-Struve-Hauses hat der Elmshorner Heimatverein „Tru un fast“ von 1902 seine Räume. Mit Fotos, Kalendern, Druckwerken und Kaffee und Kuchen warben fünf Mitglieder für ihren Verein. „Wir haben mindestens schon 20 Leute hier oben gehabt, die sehr interessiert waren“, sagte der Zweite Vorsitzende Walter Rönnfeldt erfreut. Zu seinem Verein gehören rund 250 Menschen, er organisiert rund 120 Veranstaltungen pro Jahr. Früher musste zehn Pfennig Strafe zahlen, wer dort nicht platt sprach, heute findet das Meiste auf hochdeutsch statt. „Tru un fast“ ist ein Verein alter Leute, zum Kummer von Rönnfeldt: „Mit der Jugend ist es nicht so gut bestellt“, die meisten träten erst als Rentner ein.

Zahlreiche Institutionen beteiligt

Außer dem Konrad-Struve-Haus beteiligten sich die Weiße Villa, das Kranhaus und das Industriemuseum am Tag der Elmshorner Geschichte. „Großes Interesse“ verzeichnete Arno Freudenhammer, der sich beim Verein zur Förderung des Stadtarchivs in der Weißen Villa um das Fotoarchiv der Stadt kümmert. Rund 1,5 Millionen Bilder umfasst es, allein eine Million stammen von den Elmshorner Nachrichten. „Höchstens 20 Prozent“ dieses Schatzes sind erfasst, schätzt Freudenhammer, sein Personenarchiv umfasst 18.434 Einträge. „Bin ich da auch drin?“, das wolle jeder Besucher wissen. Das Archiv residiert im Keller, im Erdgeschoss der Weißen Villa hatte die Geschichtswerkstatt eine Ausstellung aufgebaut.

Haucke Riebesam aus Sparrieshoop brachte dem Industriemuseum zum Tag der Elmshorner Geschichte ein üppiges Geschenk: Drei Kleider, eine Unterhose und eine rote Maske, Erbstücke von seiner Großmutter, geschneidert wahrscheinlich um 1900 auf einem Bauernhof in der Wilstermarsch. Im Industriemuseum führten die Mitarbeiter vor, wie sie Objekte inventarisieren, also in den Bestand des Museums aufnehmen. Christa Klappusch ging die Prozedur mit Riebesam unter der Inventarbuchnummer 2014-0541 durch: Alle Objekte wurden fotografiert und exakt beschrieben, die beiden untersuchten ein handgenähtes Kleid und stellten mit Hilfe eines Experten fest, dass es außen aus Seide und innen aus Leinen besteht.

Ganz wichtig ist immer die Geschichte eines Objekts, sie wird gleich mit erfasst, erklärte Museumsleiterin Bärbel Böhnke: „Wenn man das nicht macht, ist die Information verloren, und es ist nur noch eine Schürze.“ Und nicht mehr diese spezielle Schürze mit ihrer individuellen Historie. Museumsleute sind also eigentlich Geschichtensammler und -erzähler.

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erstellt am 04.Nov.2014 | 16:00 Uhr

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