Elmshorn : Zu wenig Platz für Gewerbe

An der Werner-von-Siemens-Straße sind noch Gewerberflächen frei. Deren Vermarktung läuft seit Jahren sehr zäh. Die Grundstücke befinden sich zumeist in Privatbesitz.
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An der Werner-von-Siemens-Straße sind noch Gewerberflächen frei. Deren Vermarktung läuft seit Jahren sehr zäh. Die Grundstücke befinden sich zumeist in Privatbesitz.

Gewerbesteuereinnahmen sind zu gering für eine Stadt mit 50.000 Einwohnern. Das Problem: Grundstücksmangel.

shz.de von
10. Juni 2014, 10:00 Uhr

Elmshorn | Schule, Kita, Sozialkasse – ohne Gewerbesteuer läuft wenig. Auch Elmshorn ist auf diese Einnahmequelle angewiesen, um öffentliche Aufgaben zu finanzieren. Etwas mehr als 20 Millionen Euro bringt das Jahr für Jahr. Doch das ist für einen Ort mit 50.000 Einwohnern im Hamburger Randgebiet zu wenig. Der Grund: „Elmshorn hat zu wenig attraktive Gewerbeflächen“, sagt Wirtschaftsförderer Thomas Becken. Seine These: Ändert sich nicht schleunigst etwas im Angebot, werden Betriebe zuhauf abwandern und neue nicht nach Elmshorn ziehen.

Becken sieht nicht nur schwarz. Er ist von den Verhältnissen Elmshorns überzeugt. „Die Struktur als solche in Elmshorn ist nicht schlecht“, sagt er. Doch die hervorragende Lage mit Autobahnanbindung bringt im Vergleich zu anderen Kommunen nur wenig Profit ein. Zum Vergleich: Die Stadt Quickborn mit rund 20.000 Einwohnern erhält jährlich mehr als 30 Millionen Euro Gewerbesteuer.

Dort möchte Becken auch hin. Doch Elmshorn hat diesbezüglich ein Problem. Laut Becken gibt es zu wenig freie, zusammenhängende Flächen. Die wenigen Grundstücke zum Beispiel am Autobahnzubringer A23 gehören meist Privatleuten oder sind Firmeneigentum. Eine Vermarktung über die Stadt scheitere bisher meist aufgrund zu hoher Kaufpreisforderungen. Elmshorn selbst besitzt nur noch wenige und zudem kleine Einheiten.

Keine Flächen – kein Gewerbe. Elmshorn kann sein „fantastisches Potenzial“ nicht nutzen. Becken muss bereits Unternehmern erklären, dass hier in Elmshorn nichts mehr für sie ginge. Ein erster Abgang wird die Firma Blue Biotech sein. Ihr Weg mit Algenprodukten und Forschung wird zukünftig an Elmshorn vorbeigehen. Blue Biotech fand einen adäquaten Standort in Kaltenkirchen.

Ein weiterer Fall beschäftigt Becken: Das Produktions- und Forschungsunternehmen Berner international möchte expandieren. Auf der Suche nach geeigneten Standorten sind alle Beteiligten bisher vergebens. Das Bekenntnis der Geschäftsführer Thomas Hinrichs und Malte Schneider ist eindeutig: „Wir möchten hier bleiben, da unsere qualifizierten Mitarbeiter nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden sollen.“ Doch alle gemeinsamen Bemühungen, für das in der Pharmabranche tätige Unternehmen eine wirtschaftlich tragfähige Erweiterungs-Lösung zu finden, blieben bislang erfolglos.

Zwei Beispiele, die zeigen, dass Firmen gern in Elmshorn ihren Sitz erweitern möchten – doch am Flächenangebot mangelt es. Die aktuelle Studie zur Marke Elmshorn zeigt es ebenfalls: Elmshorn ist attraktiv und fast Dreiviertel der befragten Unternehmer planen auch weiterhin mit dem Standort an der Krückau. Becken sorgt sich dennoch. Wenn ein Viertel nicht mit Elmshorn plant, müsse die Stadt aufpassen, dass hiesige Betriebe nicht abwanderten. Elmshorn verlöre dadurch weitere Einnahmen. Eine Lösung: Elmshorn braucht neue Gewerbeflächen.

Die Kommunen werden über die Gewerbesteuer (Stichwort Hebesatz) am wirtschaftlichen Erfolg eines ortsansässigen Unternehmens beteiligt. Dieses System sorgt jedoch dafür, dass die Gewerbesteuer nicht zuverlässig fließt. Die Steuerbeträge schwanken erheblich. In Elmshorn liegt der Hebesatz bei 380 Prozent, der auf einen vom Finanzamt festgelegten Messbetrag als Steuer aufgeschlagen wird. Den Hebesatz bestimmen Kommunen selbst.
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