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Elmshorner Nachrichten

16. Dezember 2017 | 16:37 Uhr

Ziel war es, überflüssig zu werden

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Frauenhaus Die Einrichtung für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt bedroht oder betroffen sind, gibt es seit 25 Jahren

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 16:00 Uhr

25 Jahre Frauenhaus – ist das ein Grund zum Feiern? Das war die Frage, die sich gestern gleich zwei Redner bei der Feierstunde im Industriemuseum stellten. Bürgermeister Volker Hatje (Foto) beantwortete sie mit einem klaren „Nein“: „Schließlich wünschen wir uns alle, in einer Gesellschaft zu leben, in der Gewalt an Frauen und Kindern nicht mehr vorhanden ist.“ Cordula Pahl (kleines Foto), Sozialpädagogin im Frauenhaus, beantwortete sie mit einem Nein und einem Ja. Kein Grund zum Feiern ist das Jubiläum aus ihrer Sicht, weil Frauenhäuser heute zu einem sehr hohen Prozentsatz ausgelastet sind und Frauen und Kinder auch abgewiesen werden müssen. „Außerdem wurde das eigentliche Ziel der Frauenhausbewegung in den 1970er Jahren bisher nicht erreicht: Nämlich, dass die gesellschaftliche Einwicklung dahin geht, dass Frauenhäuser überflüssig werden.“

Andererseits habe das Elmshorner Frauenhaus in den vergangenen Jahren viel erreicht. Es konnte etwa 3  650 Frauen und Kindern einen Schutzraum vor häuslicher Gewalt bieten. In der Öffentlichkeit sei das Thema gleichzeitig stärker präsent. Auch für Hatje ist das eine große Leistung des Frauenhauses: „Gewalt gegen Frauen betrifft Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und jeden Alters. Dass sie kein Tabuthema mehr ist, verdanken wir den Frauenhäusern.“

Cordula Pahl gab ihren Zuhörern im Industriemuseum auch Einblicke in den Alltag des Frauenhauses, das vor 25 Jahren vom Verein „Frauen helfen Frauen in Not“ gegründet worden ist. Das Haus, dessen Standort aus Sicherheitsgründen vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wird, bietet Platz für 28 Frauen und Kinder. Die Bewohner sind in acht Schlafräumen mit bis zu vier Betten untergebracht. „Gerade bei der Belegung hat sich viel verändert“, sagte Pahl. „Während anfangs die Frauen und Mütter im Zentrum unserer Arbeit standen, wird Frauenhaus heute immer auch als Kinderhaus begriffen.“ Auch die Probleme, mit denen die Frauen zum Frauenhaus kommen, hätten sich verändert. Heute gehe es oft nicht mehr nur darum, bei Krisen einzugreifen, Sicherheit und Hilfe anzubieten. Zusätzlich unterstützt das Frauenhaus Frauen dabei, in Deutschland einen Aufenthaltsstatus zu bekommen, löst Sprachschwierigkeiten mit Hilfe von Dolmetschern, reguliert Schulden und vermittelt Behandlungen bei psychischen Problemen. Auch sehr junge Frauen im Alter von 18 Jahren und ältere Frauen über 50 Jahren nimmt das Frauenhaus auf. Pahl: „Wir können uns alle vorstellen, dass diese immer größere Heterogenität in unserem Frauenhaus das ohnehin schon vorhandene Problem der räumlichen Enge verschärft. Ein kleines Vier-Bett-Zimmer ist für vier alleinstehende Frauen sehr unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher Kulturen nicht zumutbar.“

Mit diesen Worten verwies Pahl auf die dringend nötige Sanierung und Erweiterung des Frauenhauses– ein Thema, mit dem sich Stadtverwaltung und Politik bereits seit längerem befassen. Auch Hatje ging auf das Thema ein. „Die Finanzierung des Frauenhauses ist Landessache. Leider konnten wir bis heute noch zu keiner Einigung kommen. Ich wünsche mir von der neuen Regierung in Kiel ein klares Bekenntnis für unser Frauenhaus – und nicht nur einen warmen Händedruck.“ Immerhin hatte Hatje ein kleines Geschenk dabei: Mit 40  000 Euro wird die Stadt noch in diesem Jahr die extrem maroden Holzfenster des Frauenhauses sanieren.

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