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Ein erster Schritt ins neue Leben : Zertifikate für Integrationskursteilnehmer

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

45 Teilnehmer eines Allgemeinen Integrationskurses und eines Jugendintegrationskurses der Diakonie erhielten ihre Zertifikate.

Elmshorn/Pinneberg | Sie haben ihre Heimat verlassen und Familie, Freunde, Sprache und Kultur zurückgelassen. Jetzt ist den 45 Teilnehmern eines Allgemeinen Integrationskurses und eines Jugendintegrationskurses der erste Schritt in ein neues Leben gelungen. Sie haben beim Diakonieverein Migration in Pinneberg und Elmshorn ihre Kurse größtenteils erfolgreich abgeschlossen und erhielten ihre Zertifikate im Haus der Begegnung in Elmshorn. Die Männer und Frauen kommen aus 14 verschiedenen Ländern, etwa aus Palästina, Polen, Rumänien, Italien, Griechenland, Vietnam, aber auch aus Afghanistan und Syrien. Flüchtlinge sind nur wenige.

„Sie dürfen jetzt stolz sein auf sich“, sagte Karen Fischer, pädagogische Leiterin der Sprachkurse der Diakonie. „Dieser Kursus war sehr anstrengend und es war mutig, dass Sie sich dem gestellt haben.“ Bei der Übergabe der Zertifikate herrschte eine ausgelassene Stimmung, jeder wollte sich mit den Sprachlehrern fotografieren lassen und zwei junge Männer aus Syrien und Gaza spielten traditionelle Stücke aus ihrer Heimat auf arabischen Zupfinstrumenten.

Persönlich wurde es, als Sprachlehrerin Inger Brundtland von den Emotionen erzählte, durch die sie während des Jahres als Betreuerin des Jugendintegrationskurses gegangen ist. „Wenn ich meine Gruppe hier sehe, erfüllen mich die letzten Monate mit großer Dankbarkeit.“ Sie habe mit der Gruppe viel gelacht, aber auch gestritten und vor Rührung geweint. „Ich bin auch dankbar dafür, dass Sie mir gezeigt haben, wie wichtig es ist, Respekt vor dem zu haben, was Sie erlebt haben.“ Die Nachrichten, die in den Medien zum Thema Integration verbreitet würden, seien aktuell nicht gut. „Verlieren Sie Ihren Humor und Ihren Mut nicht – Sie werden ihn brauchen.“

Wer den Kursus bestanden hat, kann jetzt das Zertifikat „Deutsch B1“ sein eigen nennen. Benötigt wird es beispielsweise für die Einbürgerung, ist aber auch für die Agentur für Arbeit häufig die Voraussetzung, um mit einer Ausbildung zu beginnen.

„Auf der Stufe B1 können Sie sich auf einfache und zusammenhängende Weise im Alltag, auf Reisen und im eigenen Interessengebiet verständigen“, erklärt Karen Fischer. „Sie können über Ereignisse berichten, Ziele beschreiben und Ansichten begründen.“

660 Stunden

Der Allgemeine Integrationskursus umfasst 660 Stunden, davon bilden 600 Stunden den Sprachkursus und 60 Stunden den Orientierungskursus, bei dem es etwa um Demokratie oder deutsche Geschichte geht. Der Jugendintegrationskursus wird im Kreis Pinneberg ausschließlich von der Diakonie angeboten und richtet sich gezielt an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Er beinhaltet 300 zusätzliche Stunden für Themen wie Bewerbungstrainings, Konfliktberatung, Schwangerschafts- und Suchtberatung, EDV oder den Besuch von Berufs- und Ausbildungsmessen. Auch ein Ausflug nach Berlin gehörte zum Programm der politischen Bildung.

Laut der pädagogischen Leiterin Karen Fischer bräuchte die Diakonie deutlich mehr Kurse, um die Nachfrage an Integrationskursen befriedigen zu können. „Schon jetzt bräuchte ich zwei Kurse zusätzlich – und in zwei Monaten nochmal zwei Kurse.“ Zumal immer mehr Flüchtlinge in die Kurse kommen.

Denn nach und nach erhalten die Flüchtlinge die Anerkennung als Asylberechtigte, was die Voraussetzung für die Teilnahme an Integrationskursen ist. Seit Herbst vergangenen Jahres dürfen außerdem Menschen aus Eritrea, Iran, Irak und Syrien schon vor ihrer Anerkennung an den Kursen teilnehmen. Die Diakonie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Neuankömmlingen bei ihren ersten Schritten zu helfen – bei der Wohnung, beim Einkommen und eben auch bei der Sprache. Kurse auf dem höheren B2-Niveau bieten deshalb nur andere Träger an.

Viele der Integrationskurs-Absolventen wollen weiter lernen. Der nächste Schritt ist häufig der Kurs B1+, der gezielt das Vokabular aus dem Berufsleben vermittelt. Einige wollen eine Ausbildung machen, andere sogar ein Studium. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

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erstellt am 08.Feb.2016 | 13:00 Uhr

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