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Elmshorner Nachrichten

18. Oktober 2017 | 13:17 Uhr

Elmshorn : Zehn Jahre „Interclub Kontakt“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Seit zehn Jahren unterstützt der Interclub Kontakt Migranten beim Integrationsprozess. Treffen finden im Haus der Begegnung statt.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Die eigene Integration in die Hand nehmen, sich selber weiter entwickeln? Für die Damen des vor zehn Jahren gegründeten „Interclub Kontakt“ war das Voraussetzung um in ihrer neuen Heimat Deutschland und in Elmshorn Fuß zu fassen. Sie kommen aus Sibirien, Kasachstan, Russland oder der Ukraine, sind gebildete Frauen, haben Hochschulabschlüsse und Ausbildungen als Lehrerin, Wirtschafts- und Bauingenieurin, Fachinformatikerin oder Sozialpädagogin vorzuweisen – und ihnen allen ist gemein, dass sie als Migrantinnen noch einmal ganz von vorne anfangen mussten – denn sie sprachen nur gebrochen Deutsch und ihre Zeugnisse wurden nicht anerkannt. Sie lernten Deutsch, studierten erneut und engagieren sich ehrenamtlich, um anderen Migranten das Leben in einem neuen und fremden Kulturkreis zu erleichtern.

Elwira Flohr, in Sibirien geborene Lehrerin und seit langem Mitarbeiterin beim Diakonieverein Migration e.V. Pinneberg, ist eine der Frauen. Sie suchte 2004 nach Menschen mit Migrationshintergrund, die aktiv und selbst tätig werden wollten. „Durch die Ausweisung des Gebietes Hainholz als Soziale Stadt hatte man die Möglichkeit, Mittel aus dem Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS) zu beantragen“, erzählt sie. Diese seien vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Europäischen Sozialfonds der EU gefördert.

Im Oktober 2004 stellte der Diakonieverein Migration einen Antrag, Mikroprojekte aus diesem Topf zu finanzieren. „Da in Hainholz viele Familien aus der ehemaligen Sowjetunion leben, war die Idee einen Elterngesprächskreis für russischsprachige Zuwanderer zu bilden“, erinnert sich Elwira Flohr. Dafür wurden Menschen gesucht, die die deutsche Sprache beherrschen und selber als Migrant nicht mehr orientierungslos waren. Schon einen Monat später hatte sich eine sehr homogene und kreative Gruppe zusammengefunden, die sich den Namen Interclub Kontakt gaben. „Mit Interclub meinen wir, dass jeder Zugang zu dieser Gruppe haben soll, unabhängig von seiner Nationalität“, erklären Tatjana Harwardt, Olga Dudin, Irina Ens und Tatjana Kabalkina. Gemeinsam mit Paulina Schilin, Viktor Matthey und Marina Gurr nahm der Interclub Kontakt mit verschiedenen Einrichtungen auf. Man gab eine Bedarfsanalyse in Auftrag, um durch Umfragen herauszufinden, wo Migranten der Schuh am meisten drückt. Sie sollte Basis für die Arbeit von Interclub Kontakt sein. Daraus entwickelten sich im Laufe der Jahre vielfältige, teils auch dauerhafte Angebote. Gemeinsam mit Schulen, der Stadtteilbücherei, dem Frauentreff Elmshorn oder der Arbeitsagentur wurden (oft mehrsprachige) Veranstaltungen für Migranten im Stadtteil Hainholz durchgeführt.

Sprache ist die Basis jeglicher Verständigung. Durch die Fördermittel konnten Hausaufgabenbetreuung für Kinder und Sprachunterricht für Erwachsene finanziert werden. Da Kinder ihre Muttersprache nicht verlernen, aber dennoch deutschsprachig aufwachsen sollen, wird schon seit langem bilingualer Unterricht angeboten. Für Erwachsene gibt es unter anderem zweisprachige Poesieabende bei denen beispielsweise über Goethe und Puschkintexte debattiert wird. Aber auch Bewerbungstrainings, Computerkurse, Filmabende, der Chor „Druschba“ oder die Mitarbeit bei der Interkulturellen Woche sind Veranstaltungen, bei denen sich das Team des Interclub Kontakt einbringt. „Wir haben immer Ideen für neue Projekte“, meinen die Damen. Bei regelmäßigen Treffen im Haus der Begegnung werden diese dann diskutiert und auf ihr Potenzial bewertet – immer mit dem Ziel, Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe voranzutreiben.

Kontakt zum Interclub Kontakt ist möglich unter flohr@migration.diakonie-pinneberg.de; Adresse: Netzwerkbüro der Sozialen Stadt, Hainholzer Damm 9, 25337 Elmshorn, Öffnungszeiten: Donnerstag, 16 bis 18 Uhr; Ansprechpartner: Viktor Matthey, Telefon: 04121-4505895.
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