Zehn Jahre „Comedy op Platt“ in Elmshorn

Aus Landwirt wurde Comedian: Jens Wagner gastiert in Elmshorn.
Aus Landwirt wurde Comedian: Jens Wagner gastiert in Elmshorn.

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31. Januar 2018, 11:16 Uhr

Seit zehn Jahren steht der gelernte Landwirt Jens Wagner als Comedian auf den Bühnen der Region. Am Sonnabend, 2. Februar, gastiert der Kiebitzreiher im Elmshorner Theater. Unsere Zeitung nutzt das kleine Jubiläum, um dem 56-Jährigen zehn Fragen zu stellen.


Frage: Wie wird aus einem Landwirt ein Comedian?

Comedian Jens Wagner: Ich habe immer schon gern Menschen unterhalten. Mit 13 oder 14 Jahren habe ich die ersten Sketche eingeübt – und es gefiel den Leuten. Später habe ich dann in einer Horster Theater-AG mitgespielt und in einer Theatergruppe hier in Kiebitzreihe. Bis 2007 habe ich hauptberuflich einen Hof mit 35 Milchkühen geführt. Dann hieß es: wachsen oder weichen. Ich habe einige Tage darüber philosophiert und nachgegrübelt, was eine Alternative zur Landwirtschaft sein könnte. So ist die Idee entstanden, Menschen zu unterhalten. In das Fach bin ich dann so reingewachsen. 2008 wurden die Kühe verkauft und ich habe mein erstes Bühnenprogramm zusammengeschrieben.
Gibt es den Landwirt Jens Wagner denn überhaupt noch?

Ich habe keine Tierhaltung mehr. Die Ländereien sind verpachtet oder anderweitig vergeben. Die Comedy ist für mich heute längst auch finanziell zu einem wichtigen Standbein geworden.

Wie kommt es, dass Sie „auf Platt“ auftreten?

Ein plattdeutsches Programm war von Anfang an das Ziel. Ich habe darin eine Lücke erkannt. Hochdeutsch kann schließlich jeder. Damit mich möglichst jeder verstehen kann, habe ich eine Art Hamburger Hochdeutsch entwickelt. Ich selbst bin übrigens plattdeutsch aufgewachsen, meine Großeltern haben mit mir nur Platt gesprochen.

Neben dem großen Bühnenprogramm haben sie auch kleinere Sketche im Repertoire. Warum?

Ich versuche, alle einzubinden. Das Bühnenprogramm dauert rund zwei Stunden. Und es ist natürlich etwas Besonderes, wenn man wie vor kurzem vor über 600 Leuten in Husum auf der Bühne steht. Am nächsten Tag geht’s dann zu einem 80. Geburtstag im kleinen Kreis. Diese Abwechslung gefällt mir.

Und wie sind ihre Bühnen-Charaktere entstanden?

Am Anfang habe ich geguckt, was die Kollegen so machen. Da habe ich einiges übernommen. Wichtig ist mir die Publikumsnähe. Duzen ist bei mir ausdrücklich erlaubt. Und ich habe vieles im Alltagsleben abgeschaut. So sind beispielsweise meine Tratschtante Alma Hoppe und der Junggeselle entstanden, der keine Frau findet.

Wie erobert man ein Publikum? Insbesondere eines, das sich hartnäckig dem Wagnerschen Humor verweigert?

In den ersten zehn Minuten muss man sie haben, sonst wird es schwierig. Und zum Schluss sollten sie möglichst vor Lachen von den Stühlen fallen. Das klappt eigentlich auch fast immer. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Zum Glück habe ich kein Lampenfieber und auch kein festes Programm, so kann ich gucken, wie das Publikum reagiert und dann entsprechend agieren.

Wie weit darf man auf der Bühne gehen? Und hat Ihre Frau ein Mitspracherecht?

Wir haben gerade Silberhochzeit gefeiert. Ich spreche mit meiner Frau aber die Inhalte meines Programms nicht vorher ab. Nachher nehme ich aber Kritik an. Manchmal sagt sie schon: Jens, das Ding da fand ich nicht so lustig. Ich bin kritikfähig und bilde mir nicht ein, dass ich alles richtig mache.

Wird bei Ihnen auch zu Hause viel gelacht?

Eigentlich ja. Inzwischen wohnen meine Töchter in einer WG in Hamburg. Aber während ihrer Pubertät herrschte hier manchmal das Chaos. Meist war es sehr lustig, manchmal habe ich mir bei dem Trubel aber schon gedacht: Wird Zeit, dass sie ausziehen. Nun sind sie weg, und ich frage mich: Wann schauen sie endlich mal wieder vorbei?

Spielt es eine Rolle, ob Sie hier in der heimatlichen Region auftreten oder beispielsweise in Husum?

Man sagt ja: Menschen sind verschieden. Das stimmt aber nicht. Zumindest nicht hier im Norden. Mag ja sein, dass die Bayern etwas anders sind. Und vielleicht muss man die Dithmarscher mit klaren Ansagen kriegen. Aber eigentlich sind die Menschen gleich. Wobei: In Großstädten wie Kiel geht es vielleicht etwas freier zu.

Wie oft standen Sie in Elmshorn schon auf der Bühne?

Jedes Jahr zwei Mal, macht jetzt also 20 Auftritte. Immer im Theater. Ich laufe übrigens unter „Comedy op Platt“ und nicht unter „Niederdeutsch“. Das ist mir wichtig, weil ich so alle Generationen mitnehme. 600 Leute kommen jedes Jahr in Elmshorn, und diese Zahl ist über die ganzen zehn Jahre konstant geblieben.

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