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Elmshorner Nachrichten

22. Oktober 2017 | 01:53 Uhr

Kreis Pinneberg : Wut der Milchbauern wächst

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Preis für einen Liter Milch ist um zehn Cent auf 26 gefallen. Der Kreisbauernverband Pinneberg befürchtet nun das große Höfesterben. Um das zu verhindern, fordern die Landwirte die Politik zum Handeln auf.

von
erstellt am 20.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Nerven vieler Milchbauern liegen blank. Die anhaltende Talfahrt des Milchpreises bedroht ihre Existenz. Der Protest hierzulande hält sich noch in Grenzen. Ganz anders im europäischen Ausland. In Belgien besetzten Landwirte gestern Teile des Flughafens in Lüttich und blockierten eine Autobahn. Von derartigen Aktionen halten die heimischen Bauern nichts.

„Das bringt den Milchpreis auch nicht nach oben“, sagt Christof Kirst. Er ist Mitglied im Milchausschuss des Bauernverbands Schleswig-Holstein und betreibt einen Hof mit 180 Milchkühen in Brande-Hörnerkirchen. Die Auswirkungen des Preisverfalls spürt auch er extrem. Mit derzeit 26 Cent pro Liter Milch erhalten die Landwirte etwa zehn Cent weniger als im Vorjahr. Für einen Betrieb mit 120 Milchkühen und einer Produktion von rund einer Million Kilogramm Milch bedeute das aufs Jahr gerechnet einen Verlust von etwa 100  000 Euro, betont Kirst.

Angesichts der Entwicklung befürchtet Steinburgs Bauernverbands-Geschäftsführer Peter Mau-Hansen einen „stark beschleunigten Strukturwandel“. Das Höfesterben könnte in eine neue Runde gehen.

Das bestätigt auch Georg Kleinwort, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Pinneberg. „Vielleicht müssen einige Höfe aufgeben, damit sich der Markt reguliert“, sagte er. Kleinwort hofft aber, dass vor allem ältere Landwirte ihre Herden aufgeben, die keinen Nachfolger für ihren Betrieb finden.

Die Abschaffung der Milchquote halten der Kreisbauernchef und viele seiner Kollegen wie Christof Kirst nach wie vor für richtig. Dieser Schritt sei auch nicht maßgeblich verantwortlich für die aktuelle Talfahrt. Vielmehr wirken sich laut Kleinwort das Russland-Embargo und der Absatzverlust auf dem chinesischen Markt auf die Preise aus. Es gebe schlicht zu viel Milch. EU-weit sei der Bedarf zurzeit um zwei Prozent überschritten, in Deutschland betrage die Versorgungsquote sogar 108 Prozent.

Obstbauer Kleinwort sieht auch seine Kollegen in der Pflicht. Diese müssten sich an die neuen Marktgegebenheiten anpassen. „Jeder muss seinen Betrieb überprüfen. Muss ich wirklich so viel Land pachten, oder geht es auch mit weniger, ist nur eine Frage, die man sich stellen muss“, sagt Kleinwort. Er formuliert aber auch ganz klare Forderungen an die Politik. Diese müsse endlich für gleiche Bedingungen in Europa sorgen. Bislang seien die deutschen Landwirte durch strenge Auflagen hinsichtlich Umweltschutz und Tierhaltung benachteiligt. „Wir befürworten diese Richtlinien. Aber die Umsetzung kostet uns viel Geld. So können wir mit ausländischen Mitbewerbern nicht mithalten“, betont der Kreisbauernchef.

Das Bündnis „Meine Landwirtschaft Schleswig-Holstein“ forderte gestern Kiels Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zum Handeln auf. Die Erzeugung eines Liters Milch koste in Schleswig-Holstein etwa 40 Cent, bringe aber nur noch 26 Cent ein, kritisierte das Bündnis. Habeck solle sich in Berlin und auf EU-Ebene für eine Verringerung der Milcherzeugung in Marktkrisen einsetzen.

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