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„Ich reg mich nicht mehr auf!“ : Wolfgang Trepper begeistert im Stadttheater

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Kabarettist Wolfgang Trepper begeistert drei Stunden im Stadttheater in Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 16:30 Uhr

Elmshorn | Er schont nichts und niemanden, und bei ihm gibt es sofort voll was auf die Fresse. Wolfgang Trepper ist ein Schandmaul aller erster Klasse und einer der derzeit wohl angesagtesten Kabarettisten Deutschlands. Unter Beweis stellte der Duisburger dies am vergangenen Sonnabend wieder einmal unbestritten kompromisslos scharfzüngig im Stadttheater auf Klostersande. Dort gastierte er mit seinem mittlerweile 17. abendfüllenden Programm „Ja, wie jetzt?“

Trepper, Jahrgang 1961, ehemaliger Handballmanager, später Hörfunkmoderator in Duisburg und seit 2003 mit verschiedenen Programmen unterwegs, hebt sich angenehm von den unzähligen platten Witzeerzählern der aktuellen Medienlandschaft ab, denn er spricht aus, was er zu sagen hat und nicht, was die Leute hören wollen. Dabei ist er laut und leise, er ist berührend und im nächsten Augenblick wieder ohne Einschränkung aufsässig.

Trepper – schwarzer Anzug, schwarzes Brillengestell und dazu knallrote Schuhe – kannte kein Erbarmen bei seinen intelligent-überlaunigen Schimpfkanonaden mit dem ursprünglichen, verbal derben Humor des Ruhrpottlers. Ob er nun über das Fernsehen („Wetten dass? – Ich hab’ zwei Tage lang am Telefon gewartet, aber keine Sau vom ZDF hat mich angerufen!“) ablederte, über Politik oder sein absolutes Steckenpferd, den deutschen Schlager – das Publikum amüsierte sich köstlich über die herben, derben Unkorrektheiten, die man sich selbst niemals öffentlich gestatten würde.

Fies, witzig und um einen Schlagabtausch mit dem Publikum niemals verlegen („Dich könn’se gleich abholen hier!“), setzte Trepper immer gern noch einen drauf. Egal ob Andrea Nahles oder Markus Söder – bei seiner schonungslosen Analyse der Bundespolitik blieb fast keiner verschont. Er meckerte über die Rechtschreibreform („Die Kapitulation der Intelligenz vor der Doofheit.“), er polterte über die Lächerlichkeit so mancher deutscher Rechtsprechung und er nörgelte am Fußball herum. Einen schmunzelnden Seitenhieb über die Schieflage beim HSV ließ er ebenfalls nicht aus.

Zum Nachdenken anregen

Bei aller Gag-Verliebtheit und der Jagd nach dem billigen Lacher in jedem seiner Sätze war Wolfgang Treppers Programm aber nicht nur denkbar anregend, sondern er regte auch zum Nachdenken an. Spätestens, als er zwei-, dreimal auf die leisen Töne umschaltete, war dies zu spüren. Da wurde es ganz still im Saal und der 53-Jährige erzählte vermeintlich ganz Privates oder klagte die Ungerechtigkeiten dieser Welt an und fragte rhetorisch, wie es denn sein kann, dass in dieser reichen Welt jeden Tag zigtausende Menschen regelrecht vor Hunger krepieren und es offensichtlich niemanden von uns interessiert.

Aber sonst? Immer feste druff! Promis und Politiker, Publikum und Persönlichkeiten – Trepper macht vor nichts und niemandem Halt und ist äußerst rabiat, das aber auf den Punkt. Was ihn auszeichnet, ist jedoch nicht nur seine große Klappe (mit viel dahinter), es ist seine herausragende Beobachtungsgabe und Detailverliebtheit, mit der er die Oberflächlichkeiten unseres Alltags offenbart. Er drückt den Finger in offene Wunden und das gewollt politisch völlig unkorrekt. Immer wieder gelingen ihm dabei Spitzen, die so geschickt gesetzt sind, dass die Zuschauer nicht wissen, ob sie lachen dürfen oder empört sein sollen. Allzu oft trifft Trepper den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Sein süffisantes „Ich reg mich nicht mehr auf!“ warf er immer wieder ein. Nach fast drei turbulenten Stunden trat er von der Bühne und ging von dort unmittelbar ins Foyer des Theaters, um am Ausgang stehend direkt in seine rote Handtasche hinein Spenden für einen Duisburger Kindergarten zu sammeln. Schön zu sehen, dass einer nicht nur gut redet, sondern auch gut handelt.

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