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Elmshorner Nachrichten

21. November 2017 | 05:40 Uhr

Wo singend Geschichten erzählt werden

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 11:49 Uhr

Anna Haentjens und Sven stelle haben guten Grund zum feiern: Die Elmshorner Sängerin und der Hamburger Pianist öffneten zum 25. Mal ihre VHS-Chanson-Werkstatt. Und wie bestellt, gab es zum Jubiläum einen Teilnahmerekord: 14 sangesfreudige Mitmenschen waren diesmal dabei. „Mehr geht nicht“, sagt Anna Haentjens. Immerhin müssen die Eleven an einem Wochenende jeweils zwei Lieder einstudieren – und das bis zur absoluten Bühnenreife. Beim Abschlusskonzert vor Publikum im „Haus 13“ muss alles sitzen. Keine leichte Aufgabe – und eine Mutprobe dazu. Mehr als 200 Teilnehmer haben sie seit 2006 bestanden.

Das war auch diesmal wieder so. Die Abschlusskonzerte unter Profi-Bedingungen im „Haus 13“ sind inzwischen vielen Elmshornern einen Besuch wert; Familie, Freunde, Verwandte, Nachbarn und Arbeitskollegen kommen gern, wenn die „Prüflinge“ ihre Workshop-Ergebnisse bei freiem Eintritt präsentieren. Auch am Sonntag war das Kleinkunst-Zentrum in der Adolfstraße wieder gefüllt.

Carin Andresen ließ auf Platt den „Wind vun Hamborg“ wehen, Thorsten Mann bummelte nachts um halb eins wie Hans Albers über die Reeperbahn, und Sabine Burtzlaff aus Kiel besang ein Hafencafe. Man blieb im Laufe des Abends nah am Wasser, etwa wenn Corinna Dohmann mit „ein Schiff wird kommen“ an Lale Anderson erinnerte oder Katrin Hoth-Peters Brechts „Seeräuber-Jenny“ als Musterbeispiel früher Emanzipationsbemühungen ihr kaltes „alle“ in den Raum knallen ließ.

Almuth Evers (mit „Der König von Thule“) und Anton Schlenger-Evers mit Andre Hellers „Leon Wolke“ gehören seit Jahren zur Werkstatt-Belegung, etliche Male waren sie schon dabei. Das gilt auch für Wolfhardt Prieß, der sich diesmal – wie stets anspruchsvoll – auf Edith Piafs Spuren setzte: „C’est l’amour qui fait qu’ on s’aime“. Auch Sergine Dupont-Lauter entführte ihr Publikum nach Frankreich, genauer: nach Belgien – mit Jacques Brels „Les Flamandes.“
Jürgen von Bergner hatte seine Gitarre dabei und trug Eigenprodukte („Hotel Mama“) vor, Horst von Pein tanzte den „Kriminaltango“, Christa Feldmann ließ „die Möwe Jonathan“ fliegen, Christian Andresen erweckte Johanny Cash – im Duett mit Schwester Carin – zum Leben. Und es gab ein weiteres „Doppel“: Thorsten Mann und Sohn Till (12) begeisterten mit „Papa, ich möchte’ ne Kugel“.

Ob Chanson, Schlager, Musical, Volkslieder oder Filmmusik – die Grenze zur französischen literarischen Kabarett- Ballade wird in der Werkstatt von Haentjens & Co. nicht gar so eng gezogen. Die Chefin umschreibt es wie folgt: „Singend Geschichten erzählen, das ist das Wesen des Chansons.“ Klingt einfach, ist es aber nicht.

Zum Jubiläum fand sich diesmal auch ein Gast ein, über den sich Anna Haentjens besonders freute: aus Berlin war Prof. Dr. Walter Londong gekommen. Er ist Vizepräsident der internationalen Kurt-Weill-Gesellschaft, für die Haentjens Konzerte gibt.

Kurt Weill schuf zahlreiche Chanson-Melodien. Das wohl bekannteste Werk ist „Die Dreigroschenoper“. Bei der Uraufführung 1928 in Berlin spielte ein Elmshorner den Mackie Messer: Harald Paulsen. Irgendwie scheint sich da ein Kreis zu schließen.

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