Industriemuseum Elmshorn : Wo in Jahrmarkt-Erinnerungen geschwelgt werden kann

Der Rummel hat auch früher schon viele Menschen angelockt.
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Der Rummel hat auch früher schon viele Menschen angelockt.

Alte Karussell-Figuren und Kuriositäten sind in der Sonderausstellung ab dem 15. April zu sehen.

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12. April 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Auch als Museumsleiterin hat man Themen, die einen mehr begeistern als andere. Die neue Ausstellung, die Sonntag unter dem Titel „Faszination Jahrmarkt“ im Industriemuseum eröffnet, gehört ganz klar zur ersten Kategorie. Bärbel Böhnke bekommt leuchtende Augen, wenn sie von dem Besuch in der Lagerhalle von dem Schausteller Rico Rasch erzählt, der in Groven in der Nähe von Heide, ein Jahrmarktmuseum betreibt. „Rico Rasch ist Schausteller in siebter Generation“, erzählt Böhnke. „In seiner Lagerhalle sammelt er alles, was mit dem Thema Jahrmarkt zu tun hat.“ Böhnke und ihre Volontärin Katharina Steinebach durften sich zwischen alten Karussellfiguren und Marionetten, Spielautomaten und Wachsfiguren ihre Lieblingsstücke für die Sonderausstellung aussuchen. „Was noch nicht verliehen war, hat Herr Rasch dann vor ein paar Tagen auf seinen Lkw geladen und zu uns gebracht“, sagt Böhnke.

Katharina Steinebach (links) und Museumsleiterin Bärbel Böhnke in der Ausstellung.
Cornelia Sprenger
Katharina Steinebach (links) und Museumsleiterin Bärbel Böhnke in der Ausstellung.
 

Einblick in eine andere Zeit

Nun stehen sie direkt hinter dem Eingang im zweiten Stock des Museums: Zwei kanariengelbe und babyblaue Autos, ein rostrotes Motorrad und ein rosa Schweinchen stammen von Kinderkarussells aus verschiedenen und meist lang vergangenen Jahrzehnten. Den flaschengrünen Autoscooter-Wagen mit dem Ford-Emblem, der vielleicht aus den 60er-Jahren stammt, hat Rasch selbst erst vor kurzem über die Fernsehsendung „Bares für Rares“ gefunden. „Dort wird er oft eingeladen, um Jahrmarkt-Gegenstände zu schätzen“, erzählt Katharina Steinebach. „Dieses Stück wollte er aber selber haben.“

 

Einige Dinge, wie eben die Karussell-Figuren oder der Autoscooter-Wagen, unterscheiden sich gar nicht so sehr von ihren heutigen Pendants. Andere geben Einblicke in eine andere Zeit. Da gibt es Holzfiguren, die früher eine auf dem Jahrmarkt ausgestellte Orgel geschmückt haben, und eine Reihe von Schaukästen mit Wachsfiguren. Einige zeigen berühmte Persönlichkeiten wie Mahatma Ghandi oder Königin Elisabeth II. Andere, die Museumsleiterin Böhmke hinter einer abgetrennten Wand nur für Erwachsene freigeben will, geben dem Betrachter Einblicke in medizinische Kuriosiäten wie Siamesische Zwillinge mit offenem Brustkorb, blau verfärbte Finger in der Daumenschraube oder die Darstellung einer Venen-Operation.

Von Ringkämpfen und Marionetten

„Früher haben die Schausteller mit Aufführungen und kuriosen Ausstellungsstücken für die Belustigung der Marktbesucher gesorgt“, erklärt Böhmke. „Da gab es Ringkämpfe, Marionetten-Stücke, Tanzbären oder Menschen aus weit entfernten Ländern.“ Erst später hätten sich Karussells und Geisterbahnen entwickelt, bei denen das Publikum selbst etwas erleben kann. Mit solchen Attraktionen reist heute Rico Rasch durch ganz Deutschland und sogar die angrenzenden Länder. Der Schausteller hat Kontakte zu zahlreichen anderen Familien, die mit ihren Fahrgeschäften von einem Jahrmarkt zum nächsten reisen. Volontärin Steinebach hat ihn auf dem Hamburger Dom interviewt. „Dort hat er einen großen Wohnwagen direkt hinter seiner Geisterbahn“, erzählt die junge Frau. „Gegen 15 Uhr wurde es richtig laut – die Familie wohnt mitten im Getümmel.“ Auch Raschs Sohn soll einmal das Familiengeschäft übernehmen. Sowohl Sohn als auch Enkel tragen den selben Namen wie ihr Vater. „Er hat mir erklärt, dass das einfach praktischer ist“, sagt Steinebach. „Dann sei es einfacher, seinen Standplatz auf den Märkten zu behalten.“

Bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag, 15. April, ab 11 Uhr, wird Rasch im Industriemuseum sein und den Besuchern selbst von seinem aufregenden Leben erzählen. Dort können die Besucher dann auch etwas über den Elmshorner Jahrmarkt lernen und historische Fotos bestaunen, außerdem gibt es Lebkuchenherzen mit Museumsmaus-Motiv zu kaufen und die Kinder können sich im Dosenwerfen üben. Bürgermeister Volker Hatje hält eine Rede. Die Sonderausstellung ist bis zum 12. August zu sehen.

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