Drittes Gleis und Glasfaser : Wirtschaftsminister Bernd Buchholz: Der Elmshorner Bahnhof ist ein „Loch“

Landesverkehrsminister Bernd Buchholz stand am Dienstagabend Rede und Antwort.
Landesverkehrsminister Bernd Buchholz stand am Dienstagabend Rede und Antwort.

Der Verkehrs- und Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein stellte sich beim Kommunalwahlkampf-Auftakt den Fragen der Elmshorner.

shz.de von
29. März 2018, 15:00 Uhr

Elmshorn | „Hier in Elmshorn ist eines der größten Probleme im Land im Schienenverkehr.“ Das wusste Bernd Buchholz, und dem Landesverkehrsminister war wohl auch klar, dass die Bahnverbindung zwischen Elmshorn und Hamburg ein wichtiges Thema bei seinem Besuch in Elmshorn sein würde. So kam es auch: Viele Fragen drehten sich um das Thema, ein Pendler wies Buchholz sogar noch nach der Diskussionsveranstaltung mit einem Fahrplan nach, wie schwierig die Lage während der Bauarbeiten in den kommenden Wochen werde.

Der FDP-Minister für Verkehr, Wirtschaft, Arbeit, Technologie und Tourismus war zum Auftakt des Kommunalwahlkampfs seiner Partei nach Elmshorn gekommen. In der Vinothek diskutierten mehr als 30 Besucher mit Buchholz. „Wir sind nicht unzufrieden“, kommentierte Pascal Mangels, Vorsitzender des Elmshorner FDP-Bezirks, das Interesse. Bernd Buchholz ist ein guter Redner, der sein Publikum unterhält, und das weiß er. Aber Buchholz war auch sachlich präsent, hörte zu und ging auf die Fragen aus dem Publikum ein.

Gestörte Bahnübergänge

„Zu wenig Schienenersatzverkehr“ und der auch noch zu unzuverlässig: Diese Nachricht aus Elmshorn versprach Buchholz mitzunehmen in sein nächstes Treffen mit den Nahverkehrsexperten von nah.sh. Beim Problem gestörter Bahnübergänge „im DDR-Standard“, das ein anderer Pendler beklagte, konnte der Minister allerdings nicht helfen: Brücken oder Tunnel als Kreuzungsbauwerke werden von Bund, Bahn und Kommune gemeinsam finanziert: „Das scheitert oft an den Kommunen.“

„Wir müssen Beeinträchtigungen in Kauf nehmen für die Sanierung“, warb er um Verständnis. Auch bei der Sanierung von Landesstraßen, für die er schon in diesem Jahr 90 Millionen Euro ausgeben will, sei er „froh über jede Baustelle“. Am dritten Gleis und der vierten Bahnsteigkante arbeite er, versicherte der Minister: „Ich war schon vier Mal im Bundesverkehrsministerium“. Das Problem: Aktuell ist die Maßnahme beim Bund in der Kategorie zwei, und dort gibt es kein Geld fürs Bauen. Aber im Sommer sollen Projekte hochgestuft werden, und dann hofft Buchholz, dass auch das dritte Gleis endlich angegangen wird. „Mit eigenen Verkehrsplanungen für 3,5 Millionen zeigen wir, dass wir es ernst meinen.“

Hausaufgaben der Stadt

Dass am Elmshorner Bahnhof auch etwas passieren muss, ist ihm klar: Das sei „eins der schlimmsten Bahnhofslöcher, die wir im Land haben.“ Die Sanierung stehe bei Bahn und nah.sh „relativ weit vorne“ und soll in den kommenden Jahren losgehen. Buchholz verwies auch auf die Hausaufgaben der Stadt, die den Vorplatz herrichten und planerische Vorarbeiten leisten müsse.

Der Minister für Technologie präsentierte sich als engagierter Verfechter des Glasfaserausbaus. Auf die Frage eines Pendlers, der im Zug nach Hamburg regelmäßig ohne Netz sitzt, ob das mobile Internet nicht wichtiger sei, stellte Buchholz klar: „Der Sendemast braucht einen Glasfaseranschluss für 5 G“, das ist der aktuelle Standard für schnelle mobile Datenübertragung.

In Buchholz’ Ressort gehört auch die Arbeitsvermittlung. „Es wird einem sehr, sehr schwer gemacht“, beklagte eine Zuhörerin ihre Probleme, mit Mitte 40 nach einer Familienpause wieder einen Arbeitsplatz zu finden, trotz Ausbildung und zweier Studienabschlüsse. „Waren Sie schon bei der Jobvermittlung?“, fragte Buchholz: „Da bekommen Sie nicht einmal ein Angebot“, lautete die resignierte Antwort. Der Einzelfall ließ sich nicht klären, aber Buchholz verwies auf die Statistik, derzufolge zwischen 45 und 55 nur sehr wenige Schleswig-Holsteiner arbeitslos seien. „Das sollte kein Problem sein“, meinte er zu der Frau. Der Elmshorner Unternehmer Jens Junge meldete sich aus dem Publikum auch gleich zu Wort: „Wir suchen händeringend, 45 ist kein Alter!“

Sechs Fragen an Bernd Buchholz:

1. Können Sie den Bahnpendlern zwischen Elmshorn und Hamburg schnelle Verbesserungen versprechen?
Bernd Buchholz:
Die Baustelle jetzt ist eine irre Belastung für die Menschen. Aber nach dieser Baumaßnahme wird die Taktfrequenz wieder stabil sein, das ist dann schon eine ordentliche Verbindung.

2. Ist für das dritte Gleis die vierte Bahnsteigkante in Elmshorn nötig?
Ja.

3. Die Regierungskoalition hat sich den Ausbau von Glasfaserleitungen auf die Fahne geschrieben. Welche Hoffnung können sich da die Elmshorner machen?
Wir zeigen der Telekom, wie ernst wir den Glasfaserausbau meinen. Wir versuchen, das in Kooperation zu betreiben, gegebenenfalls mit kommunalen Partnern.

4. Was hilft gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum?
Diese Landesregierung hat sich beispielsweise vorgenommen, die Flächenausweisung für den Wohnungsbau gerade im Hamburger Umland zu erleichtern und steigt auch selbst wieder deutlicher in die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ein. Wir brauchen aber auch die privaten Investoren, die man nicht zur Investition ermutigt, indem man ihnen das Mietgeschäft verdirbt. Außerdem hat Schleswig-Holstein die höchste Grunderwerbssteuer aller Bundesländer.

5. Ist das interkommunale Gewerbegebiet an der A 23 Vorbild für andere Kommunen?
Da hat man sich mit mehreren Gemeinden Gedanken gemacht, das ist großartig. Das wollen wir fördern und unterstützen.

6. Wann werden die Landstraßen um Elmshorn saniert?
Wir werden eine ganze Anzahl von Straßen in diesem Jahr angehen. Ich habe den Pinneberger Landrat angeschrieben und nach kommunalen Prioritäten gefragt. Langfristig arbeiten wir an einem Zustandsbericht, anhand dessen werden wir eine Strategie für die Legislaturperiode festlegen.

Interview: Jann Roolfs

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