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Elmshorner Nachrichten

24. Oktober 2017 | 12:24 Uhr

Wirt geht von Brandstiftung aus

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Juli-Bar Nach dem Kellerbrand äußert sich der Wirt / Auch bei seiner zweiten Bar „Jimmi’s“ wurde die Scheibe eingeschlagen

„Mein Lebenswerk wurde zerstört“, sagt Ashim Skarra alias Jimmi. Mit geröteten Augen sitzt er am Tresen seiner zweiten Bar „Jimmis“ in der Elmshorner Peterstraße, nachdem in der Nacht zu Mittwoch ein zerstörerischer Kellerbrand in seiner Hauptbar „Juli“ ausgebrochen war. Wie groß der Schaden genau ist, weiß er noch nicht. Die Polizei hat den Brandort noch nicht frei gegeben. Auch seine Frau Jasmin ist am Boden zerstört: „Wenn ich daran vorbeigehe, muss ich weinen,“ sagt sie. „Die Bar war unser zweites Kind“, erläutert Ashim Skarra. „Wir haben sie nach unserer heute zwölfjährigen Tochter benannt und Stück für Stück aufgebaut“, erläutert er. Alles habe er selbst gemacht, fast jedes Glas einzeln gekauft. Zu Beginn des Jahres eröffnete er das „Jimmi’s“. „Aber hiervon kann man noch nicht leben. Unsere Basis war die Juli-Bar.“

Ashim Skarra ist sich sicher: „Es war Brandstiftung“. In der fraglichen Nacht habe er sich noch bis 3.15 Uhr in der Bar aufgehalten. Er sei gerade eine halbe Stunde zu Hause gewesen, da habe ihn die Polizei angerufen und über den Brand informiert. „Ich denke, man hat uns beobachtet und zugeschlagen, sobald wir weg waren“, vermutet Skarra. Er hat auch eine Erklärung dafür, wie der Brand gelegt worden sein könnte: „Hinten raus ist ein Fenster zum Keller immer gekippt. Wir hielten es für problemlos, weil es vergittert ist, aber eine Hand passt schon durch“, sagt er. Dort sei der Brandsatz hineingeworfen worden. Wie berichtet, hatte es vor dem Feuerwehreinsatz an der Juli-Bar in derselben Nacht in etwa eine halbe Stunde vor der Brandmeldung einen Polizeieinsatz wegen Sachbeschädigung gegeben: Das Frontfenster war eingeschlagen worden. Die Beamten hatten das Einschlagloch gesichert. Skarras Theorie: „Der Täter hat sicher erst das Feuer gelegt und dann erst lautstark die Scheibe eingeschlagen, um noch einen drauf zu setzen.“ Deswegen glaubt er: „Als die Polizei das Loch sicherte, schwelte innen schon unbemerkt das Feuer. Aber erst als der Rauch zu sehen und zu riechen war, ist es aufgefallen.“ Danach müsse der Täter Skarras Überlegung zufolge in die Peterstraße gefahren sein, um auch dort die Scheibe einzuschlagen.

Ob er Feinde habe? „Mit Betrunkenen gab es in seltenen Fällen Stress, ich mussteHausverbote aussprechen“, sagt er. „Aber mit so etwas hätte ich nicht gerechnet.“

Das persönliche Drama ereignete sich nur einen Tag vor einem denkwürdigen Datum: „Am 18. Mai lebe ich genau 15 Jahre in Deutschland“, erläutert der in Neapel aufgewachsene Albaner. Seine Frau Jasmin Skarra hingegen hat eine deutsche Mutter, wuchs aber in Mazedonien auf. Später lebte auch sie einige Jahre mit ihrem Mann in Neapel. Schließlich machten sie in Elmshorn die Juli-Bar auf. „Ich habe mich in Elmshorn verliebt“, sagt Ashim Skarra. „Meine ganze Zeit in Deutschland war ich nur in Elmshorn.“ Jetzt setzt er auf die Treue seiner Stammgäste aus der Juli-Bar. Schon während des Gesprächs kommen immer wieder Gäste herein, sprechen ihr Beileid aus, klopfen dem Wirt tröstend auf die Schulter, erkundigen sich, wie es geht. „Viele wissen vielleicht auch noch gar nicht, was passiert ist“, sagt er. „Ich hoffe, dass mir meine Gäste die Treue halten und jetzt erst einmal hierher kommen.“

Aufgeben tut er jedenfalls nicht. „Non ho perso la voglia di lavorare“, sagt er auf italienisch. Das heißt, er habe die Lust am arbeiten noch nicht verloren. Und dann fügt er mit einem Lächeln hinzu: „Wie sagt Frau Merkel? Wir schaffen das!“

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