Elmshorner Tafel : "Wir wollen keine Ghettoisierung"

Trotz Stess mit Spaß bei der Arbeit: Manfred Sohl und Claudia Redmann im Gespräch. Im Hintergrund bereitet Karl-Heinz Staeck das Mittagessen zu. Foto: Schönstedt
Trotz Stess mit Spaß bei der Arbeit: Manfred Sohl und Claudia Redmann im Gespräch. Im Hintergrund bereitet Karl-Heinz Staeck das Mittagessen zu. Foto: Schönstedt

Tafel besteht seit 15 Jahren. Mehr als 200 000 Essen an Bedürftige ausgegeben. Täglich bis zu 100 Mittagessen.

shz.de von
03. Mai 2013, 09:13 Uhr

Elmshorn | Bedürftige Menschen müssen seit 15 Jahren in Elmshorn nicht mehr hungern. 1998 wurde die Tafel von der Stadt und der Gemeinde des Christus Zentrums Arche ins Leben gerufen. Fast von Anfang an dabei ist Manfred Sohl. Seit zwölf Jahren schon leitet er die Elmshorner Tafel. Mit der Entwicklung ist der 42-Jährige sehr zufrieden.

"Wir sind inzwischen in der Gesellschaft anerkannt", sagt der Elmshorner. Der gute Ruf der Tafel sorge dafür, dass immer mehr Menschen die Hilfe in Anspruch nehmen. "Das hat nicht unbedingt etwas mit steigender Armut in Elmshorn zu tun. Die Menschen haben einfach keine Scheu mehr, zu uns zu kommen", meint Sohl. Dazu beigetragen hat sicherlich das Konzept der Tafel: Im Gegensatz zu vielen anderen derartigen Einrichtungen im Land gibt es keine Kontrolle der Bedürftigkeit. "Wir bieten unseren Mittagstisch bewusst für alle an. Wir wollen keine Ghettoisierung der Bedürftigen", betont Sohl und verweist darauf, dass das Essensangebot der Tafel regelmäßig auch von Nicht-Bedürftigen genutzt wird.

Das Wachstum der Tafel belegen die Zahlen: Wurden anfangs etwa 20 Essen pro Tag ausgegeben, wird in der Großküche in der Lornsenstraße 53 inzwischen montags bis freitags für bis zu 100 Gäste gekocht. Rund 15 000 Mahlzeiten werden jährlich zum Festpreis von einem Euro verkauft. Seit der Gründung sind insgesamt mehr als 200 000 Essen serviert worden.

Nur durch ehrenamtliche Kräfte ist das schon lange nicht mehr zu bewältigen. Unterstützung erhalten die 14 Ehrenamtler durch derzeit acht Ein-Euro-Kräfte. Zudem wurde mit Claudia Redmann vor zwei Jahren eine Köchin in Vollzeit eingestellt, die nicht nur die Küche, sondern auch den gesamten Einkauf und das Abholen der Waren von Spendern organisiert. Inzwischen kann die Elmshorner Tafel auf rund 20 regelmäßige Spender zurückgreifen. Vor allem Marktkauf, Edeka Hayunga und Rewe Barmstedt unterstützen die Einrichtung. Diese Lebensmittelhändler werden täglich angesteuert, um frische Waren kostenlos abzuholen. "Ohne diese Unterstützung wären wir hilflos. Die Tafel wird ausschließlich durch Spenden finanziert", erläutert Sohl. Das Gesamtbudget belaufe sich auf etwa 40 000 Euro im Jahr - und die Warenspenden sind darin noch gar nicht eingerechnet.

Neben dem Mittagstisch (12 bis 13 Uhr) gibt es ebenfalls montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 11 Uhr eine Lebensmittelausgabe. Für einen Euro können sich dort Bedürftige mit den wichtigsten Nahrungsmitteln ein decken. "Im Gegensatz zum Mittagstisch achten wir bei der Lebensmittelausgabe auf die Bedürftigkeit", betont der Tafel-Leiter. Sohl selbst würde sich gern ein wenig aus der Verantwortung zurückziehen. Im Laufe des Jahres möchte er seinen Posten abgeben. "Ich bin damals eher zufällig zum Leiter geworden - plötzlich sind es zwölf Jahre", sagt Sohl, der verheiratet ist, zwei Kinder hat und hauptberuflich bei der Techniker Krankenkasse in Hamburg arbeitet. "Ich brauche jetzt mehr Zeit für meine Familie."

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