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25 Jahre Dittchenbühne in Elmshorn : "Wir haben damals improvisiert und improvisiert"

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Von der Wanderbühne zur etablierten Kultureinrichtung: Die Dittchenbühne hat mit mehr als 100 Inszenierungen eine viertel Million Zuschauer erreicht.

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erstellt am 17.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Am 3. September 1988, vor 25 Jahren also, konnte die „Dittchenbühne“ an der heutigen Hermann-Sudermann-Allee ihr erstes eigenes Theater eröffnen – mit dem Stück „Sturmgeselle Sokrates“ des ostpreußischen Dichters Hermann Sudermann.

Bis 1988 waren die Laiendarsteller sozusagen als Wanderbühne in ganz Norddeutschland unterwegs. Hin und wieder konnten sie auch im Elmshorner Stadttheater auftreten. Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt erinnert sich: „Wir hatten keinen Probenraum, keine Theaterwerkstatt und keine Schneiderei für die Kostüme. Wir haben damals improvisiert und improvisiert.“ Da war der Wunsch nach einer eigenen Bühne, nach einem eigenen Theaterbau riesengroß. Doch wie sollte so ein Vorhaben finanziert werden? Die Zahlen lagen auf dem Tisch: Baukosten von 160 000 Mark und der Grundstückspreis von 460 000 Mark mussten damals aufgebracht werden.

Doch die Dittchenbühne hatte und hat eine ganze Reihe von aktiven und engagierten Freunden – und so half ein Spendenaufruf von Marion Gräfin Dönhoff, Siegfried Lenz, Arno Surminski, Dr. Ottfried Hennig und Lew Kopelew in der „Welt“ und der „FAZ“ kräftig dabei, die nötigen Finanzen zusammen zu bekommen. Und das Übrige tat ein Kredit der Sparkasse Elmshorn.

So gut wie alle Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht. Rolf Klitscher etwa, Vorstands- und Gründungsmitglied, arbeitete ehrenamtlich als Architekt und Bauleiter. Viele Jugendliche halfen: Dierk Münster, Sven Machthans, Klaus Gundlach, Jörn Kramski, Ines Majeski, Heiko Neufeldt, Martin Lohse und Immo Neufeldt – um nur einige Namen aufzuzählen. Bei den Erwachsenen waren es Wilfried Reimann, Karl Bernd, Robert Rogge, Renate Neufeldt, Dieter Staack, Ernst Adomat, Raimar Neufeldt und viele mehr, die sich in ihrer Freizeit, meistens an Wochenenden, für den Theaterbau engagierten.

1998 wurde übrigens ein ganz neuer Theatersaal gebaut, der 2010 noch einmal den letzten Schliff erhielt.

Insgesamt wurden im eigenen Theater der Dittchenbühne bis heute 84 eigene Inszenierungen aufgeführt – „Bauern, Bonzen, Bomben“ nach Hans Fallada etwa, Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“, Gerhart Hauptmanns „Hauptmann von Köpenick“ und „Der Biberpelz, Hermann Sudermanns „Johannisfeuer“, Max Halbes „Der Strom“, Heinrich von Kleists „Zerbrochener Krug“ und Paul Fechters „Der Zauberer Gottes“. 24 Weihnachtsmärchen – „Die Regentrude“ etwa, „Rübezahl“ oder „Die Schneekönigin“ – erhöhen die Zahl der eigenen Inszenierungen auf mehr als Einhundert.

Internationale Gastspiele

Ebenfalls auf dem Programm der Dittchenbühne: Lesungen und Konzerte – etwa vier im Jahr. So war der Hamburger Kulturpreisträger Arno Surminski schon zu Gast an der Hermann-Sudermann-Allee, und auch Hans Scheibner, Günter Willumeit und Reimer Bull begeisterten dort ihr Publikum.

Darüber hinaus holten die Theatermacher immer wieder auch andere Ensembles an ihre Bühne. Gastspiele gaben beispielsweise die Niederdeutsche Bühne Kiel, das Dramatische Theater Klaipeda/Memel, das Dramatische Theater Kaliningrad/Königsberg, das Dramatische Theater Sowjets/Tilsit, das Jiddische Ochodlo-Theater Danzig, das Polnische Theater-Studio Wilna/Vilnius sowie weitere litauische, lettische und russische Bühnen.

Verständlich, dass es bei diesen internationalen Verbindungen bald auch den Wunsch gab, Aufführungen der Dittchenbühne bei Gegenbesuchen erleben zu können. Daraus resultierten insgesamt 23 Tourneen nach Osteuropa und Russland, zwei Gastspiele in Flandern, zwei in Dänemark und drei in Finnland.

Gut 130 Besucher haben im Theatersaal der Dittchenbühne Platz, bei Freilichtaufführungen erhöht sich diese Zahl auf 150. Bei den Tourneen sind es manchmal mehr als 400 Zuschauer, die zu einer Vorstellung kommen. Alles in allen werden es in den 25 Jahren des Bühnenbestehens mehr als eine Viertel Million Menschen gewesen sein, die Vorstellungen der Dittchenbühne besucht haben. Und es hätten noch mehr sein können, denn oft mussten die Theatermacher Interessenten mitteilen: „Die Vorstellung ist ausverkauft!“

Nachwuchs immer gern gesehen

Zur Dittchenbühne kommen Menschen aus allen Schichten – Einheimische aus Elmshorn und Umgebung, Nachkommen von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Der Verein „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, wie er seit 2006 heißt, hat zurzeit etwa 720 Mitglieder.

Die Schauspieler der Dittchenbühne sind Laiendarsteller, die sich mit großer Begeisterung für das Theater engagieren. Augenblicklich etwa laufen zwei Inszenierungen, eine dritte beginnt in wenigen Tagen. Dabei machen mehr als 50 Vereinsmitglieder mit - auf der Bühne, hinter der Bühne und vor der Bühne.

Natürlich wird „Nachwuchs“ – in jedem Alter! – immer gern gesehen. Raimar Neufeldt: „Wer Lust und Talent hat, wer gruppenfähig ist und die entsprechende Zeit einsetzen will, kann gern mitmachen!“

Ostpreußische Kultur in plattdeutscher Umgebung – das war zu Beginn der Tätigkeit der Dittchenbühne sicherlich ein Spannungsfeld. Doch, so Neufeldt: „Das Angebot ostpreußischer Theaterstücke ist mit dem Ableben der alten ‚Ostpreußen’ auch bei uns weniger geworden. Wir haben unser Repertoire erheblich erweitert und erreichen so auch ein anderes Publikum.“

Nächste Premiere am 25. Oktober

Aber natürlich ist die Bühne weiterhin in Mittel- und Osteuropa einschließlich Russland engagiert und pflegt ihre Beziehungen etwa zu den heutigen Bewohnern der ehemals deutschen Gebiete, zu dortigen Germanistik-Studenten und zu den Angehörigen der deutschen Minderheiten.

In Elmshorn und im Kreis Pinneberg hat sich die Dittchenbühne längst als wichtige Kultureinrichtung etabliert. Doch aufgrund der knappen Kassen kann die Stadt Elmshorn die Bühne nur in geringen Umfang fördern. Mehr Unterstützung gibt es vom Kreis. Neufeldt: „Auf Kreisebene führen wir auf unserer Bühne seit Jahren den Welttheatertag durch – für alle Theater-Aktiven im Kreisgebiet und unter der Schirmherrschaft des Kreispräsidenten.“

Die nächste große Premiere der Dittchenbühne findet am 25. Oktober statt. Dann steht „Bernarda Albas Haus“ von Frederico Garcia Lorca auf dem Programm. Zuvor geht es noch auf Gastspielreise - vom 2. bis 14. Oktober nämlich; und zwar nach Elbing, Dünaburg, Nitschny Nowgorod, Iwanowo, Kostroma, Jaroslaw, Tver, Velikiy Nowgorod und St. Petersburg. Welche Wünsch gibt es für die Zukunft? „Förderung durch Bund, Land, Kreis und Stadt!“ meint Raimar Neufeldt. „Immerhin sind wir das einzige private Theater in Schleswig-Holstein mit eigenem Haus und eigenen Werkstätten. Und dazu kommt noch unser osteuropäischer Schwerpunkt. Das sollte öffentlich gefördert werden!“

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